Zitat
Original geschrieben von Timba69
Die "Regierung" der Ukraine ist zurückgetreten. Eigentlich gut. Dann gibt es vielleicht jetzt mal ordentliche (freie) Wahlen und der dumme Krieg endet endlich. Das wäre was. -> *Träum*
[...]
Was meint ihr? Realistisch? Unrealistisch? Möglich? Falsch? Richtig?
Möglich. Unwahrscheinlich.
Zielkoordinaten fliegender Ziele lassen sich nicht manuell eingeben. Das geht nur für unbewegliche Bodenziele, typischerweise Artilleriebeschuß mittels Landkarte. Und selbst spielen schon Wind und Wetter genügend rein, daß der erste Schuß nie das eigentliche Ziel trifft, sondern vorgelagerte Beobachter den Einschlag lokalisieren, nach hinten melden und dann ein korrigierter Schuß gefeuert wird, der dann das Ziel trifft.
Fliegende Ziele, noch dazu in großer Höhe, noch dazu mit hoher Geschwindigkeit könnten mittels Koordinatenangabe und Extrapolation wohl nie getroffen werden. Dementsprechend wird's dafür nichtmal ein Verfahren geben. Für Artilleriebeschuß auf fahrende Ziele in Sichtentfernung, zum Beispiel durch die Linien gebrochene, feindliche Kampfpanzer gibt es Verfahren, obwohl auch das schon ein fast hoffnungsloses Unterfangen ist angesichts der eigenen Beschränkung und der fremden Möglichkeiten.
Wie du schon sagst gehört zu jeder Buk-Luftabwehrbatterie neben dem durchaus entbehrlichen Kommandopanzer auch ein Suchradarpanzer. Zwar montiert man nichts davon auf LKWs, sondern vernünftigerweise einheitlich auf gepanzerten Kettenfahrzeugen. Funktioniert hätte es beim konkreten Abschuss natürlich so oder so. Rede, eigene Dokumentation und fremde Aufnahmen haben aber nie davon gesprochen, daß so ein die ganze Horizontkuppel 80 Kilometer weit reichendes, mehrzielfähiges Suchradar ebenfalls in Separatistenhand sei, sondern immer ging es ausschließlich um den Raketenpanzer. Da es ja ebenfalls ein gepanzertes Kettenfahrzeug ist, wäre es auch wie der Raketenpanzer auch von Nichtseparisten bemerkt worden, ob laut und langsam selbstfahrend oder per schwerlastfähigem Tieflader. Wie weit auseinander die normalerweise aufgestellt weiß ich nicht. Das Motiv wird aber nicht sein, daß der Radarpanzer aufgrund seiner Signale eher geortet und zerstört werden kann, man aber auch ohne ihn zurechtkommen kann, denn einzelne Ziele kann der Raketenpanzer ja auch mit dem eingebauten Feuerleitradar angreifen. Zum einen ist ja deshalb auch dieser selbst ort- und angreifbar, zum anderen handelt es sich um einen innerhalb weniger Minuten einsatzbereiten, schußfähigen Verband, der in einem offenen Krieg danach auch genauso schnell verschwindet. Der Einschlag des Gegners wird dann nur die sowieso vom Raketentriebwerk verbrannte Erde aufwühlen.
Wenn es die Separatisten waren, dann hatten sie jenseits der Ausbildungsfrage natürlich auch keine offizielle Information darüber, ob es sich überhaupt um ein Militärflugzeug handelt. Diese Information wird der Kommandopanzer von der gewöhnlich ortsfesten Luftraumüberwachung haben und zusätzlich verfügt der Radarpanzer auch über diese Unterscheidungsfähigkeit, sodaß an die Raketenpanzer nur bekämpfungswürdige Ziele übermittelt werden. Angesichts der Verschwörungsbehauptungen und der gezielten Desinformation wäre aber nichtmal ausgeschlossen, daß ein Separatistenhaufen wissentlich auf einen Ziviljet schießt, indem er auch den als Tarnung, Verschwörung und Angriff interpretiert.
Die eigentlich legitime Frage, wem ein Vorfall am meisten nutzt stößt hier sehr schnell an ihre natürlichen Grenzen. Inmitten der schon aufgrund ihrer zahlreichen, nicht konvergenten Gegenbeschuldigen zumindest bei einer Seite klaren Desinformationsstrategie wird natürlich auch der vermeintliche Feindnutzen gleich mitgeliefert.
Wir als Europäer und Natoverbündete haben uns doch bis kurzem nichtmal richtig interessiert für Länder wie Weißrussland, Ukraine und Georgien, abgesehen vor ein paar Jahren für die Orange(ne? sp) Revolution. Die dortigen Gegner der dortigen Machthaber haben sich auch oft als zumindest fragwürdig entpuppt. Wenn dieser oder jener gern zu Rußland gehören wollte, bittesehr. Der Knackpunkt ist eher, daß die Bevölkerung selbst das garnicht will, sondern vor allem der Macht- und vielleicht noch der rohstoffliche Wirtschaftszirkel. Insofern sehe ich nicht, daß sich Europa, USA und Nato originär dafür interessieren, daß ein solches Land sich unbedingt auf ihre Seite schlägt. Aber das Land in Form der Bevölkerung will das und will das auf jeden Fall eher, als nochmals durch den Zyklus Sowjetunion durchzumüssen.
Und zu den Neuwahlen. Klar, warum nicht, aber was soll man sich davon erträumen. Schon von der kürzlichen Wahl wurde augenscheinlich ohne größere Vorkommnisse geplant, durchgeführt und ausgezählt. Oder ist das marginale Abschneiden der Rechtsextremen etwa auch auf eine Verschwörung zurückzuführen? <-;<