ZitatAlles anzeigenOriginal geschrieben von frank_aus_wedau
Das scheint auch mir der springende Punkt zu sein und für mich das wahrscheinlichste Szenario.
Irgendein Kommandeur solche Flugabwehrgeschützes könnte von sich aus den Flieger vom Himmel geholt haben, weil er meinte, das sei gut so. Und weil beiderseits Neigungen der Offiziere berichtet werden, auch ohne oder gar gegen einen Befehl "von oben" zu handeln, kann m.E. auch nicht rational begründet werden, welche der Parteien es gewesen ist.
Keine der am Bürgerkrieg beteiligten Parteien kann jedenfalls ein Intreresse daran haben, den Zorn der Welt durch Abschuss eines Ziviljets mit Hunderten von Passagieren auf sich zu ziehen.
Ich schließe nicht einmal aus, dass der Verantwortliche denselben Gedankengang gehabt haben könnte, wie ich - nämlich den, dass wohl keine zivile Passagiermaschine über ein mit Flugabwehrraketen ausgestattetes Krisengebiet fliegen wird und dennoch querende Flugzeuge daher nur Militärmaschinen sein können.
Ein möglicherweise folgenschwerer Irrtum.
Ich hatte mal ein passendes Zitat gehört, dass ich leider nur sinngemäß wiedergeben kann:
Man müsse auch mit eigentlich undenkbaren Szenarien rechnen, weil irgendwelche Menschen existieren können, denen abstruse Gedanken durchs Hirn schießen, auf die ein durchschnittlich intelligenter Mensch nicht kommt und deshalb auch nicht in den Kreis des Denkbaren einbeziehen kann.
Dass allerdings Absicht hinter einem Abschuss stecken könnte, halte ich immer noch für undenkbar ... noch jedenfalls ...
Weder trifft so eine Rakete ein Flugzeug aus Versehen, noch hat aus Versehen jemand auf den entscheidenden Knopf gedrückt. Relativierung, soweit das Auge reicht, auch wieder Gleichsetzung der verursachenden Seite mit der anderen, einem unsymphathischen Seite.
Mit undenkbaren Szenarien kann man nicht rechnen, weil man sie eben nicht denken, geschweige denn durchdenken kann. Und denkt man das bis dahin Undenkbare doch, dann ist es eben genau das nicht mehr.
"Ein möglicherweise folgenschwerer Irrtum." -> Ohne Worte
Man merkt irgendwie, wenn jemand total selbstbezogen argumentiert. Die Weltpolitik fragt einen Bürger nicht, sie kennt den nichtmal und dieser Normalbürger kann auch nichts weltbewegendes ermöglichen oder verhindern. Warum sollte man explizit so tun, als wäre man selbst in einer gerade weltbewegenden Situation oder gar, als ob der Weltbeweger in seiner entscheidenden Situation den Gedankengang des unbetroffenen Normalbürger nachbildete?
Jedenfalls ist es mal wieder respektlos sondergleichen, wenn man die Entscheidungssituation des Knöpfchendrückers damit entschuldigt, wie naiv er oder man selbst sein mag. Für solch Naivlinge muss es ja wie ein reines Wunder erscheinen, daß während des langen kalten Krieges und sogar trotz manch eindeutig scheinender Feindsituation niemand auf den roten Knopf gedrückt hat. Und wenn sich irgendwelche Separatisten für ein vermeintliches Volk einsetzen, dann tragen sie trotzdem für ihre Handlungen dieselbe Verantwortung wie ein regulärer Militärangehöriger, Minister, Präsident oder sonstwas. Und wenn sie sich mit dem Zeug nicht auskennen, dann dürfen sie es eben nicht benutzen.
Davon abgesehen: Praktisch überall und sicher auch in Duisburg kann man mit bloßem Auge internationalen Passagierverkehr beobachten und als solchen identifizieren. Und daß es internationaler Verkehr ist sieht man ja schon daran, daß er trotz Flughafennähe kreuz und quer geht und keineswegs mit dem nahegelegenen Flughafen verkehrt. Und es gab dort ja gestern nicht gerade eine geschlossene Wolkendecke, sondern es war heiter bis sonnig. Und wenn jemand nicht über das zu einer Batterie gehörige, weitreichende und horizontabdeckende Radarfahrzeug verfügt, sondern sich mit dem Angriffsradar begnügen muss, dann wird die initiale Flugzeugmeldung wahrscheinlich per Sichtkontakt erfolgt sein. Und da bis gestern der obere Luftraum nicht gesperrt war wird man dort wie hier regelmäßig Verkehr gesehen haben. Und wohin sollte denn wohl ein hochfliegendes Militärflugzeug kurz vor der Landesgrenze noch wollen? In die Arme desweit überragend ausgestatteten, feindlichen Nachbarn?
"Ich schließe nicht aus, daß...". Ja, klar, aber darüber zu elaborieren, was man nicht auszuschließt ist allemal unnützer als garnichts von sich zu geben.
Daß keine der beteiligten Parteien ein Interesse haben kann an so einem Zwischenfall ist genauso der Erwähnung überflüssig. Einer war, einer war's nicht, sie haben bezüglich dieses Zwischenfalls nichts gemeinsam und sind so wenig vergleichbar wie Täter und Opfer. Sowas ist ja auch schon des öfteren vorgekommen und es wird sicher auch nichts das letzte Mal gewesen sein. Auch die Amerikaner haben schonmal eine Passagiermaschine abgeschossen, aber eigentlich kann ich mich nur an den Abschuss der koreanischen Maschine vor Sachalin erinnern, daß der Verursacher das zu verheimlichen versucht und anfangs auch dementiert hat.
> Und weil beiderseits Neigungen der Offiziere berichtet werden, auch ohne
> oder gar gegen einen Befehl "von oben" zu handeln, kann m.E. auch nicht
> rational begründet werden, welche der Parteien es gewesen ist.
Was hat denn schon wieder die andere Seite damit zu tun? Selbst, wenn beides Kriminelle sein sollten, so war es doch die Tat des einen und nicht im entferntesten die des anderen. Weil beide eigenmächtig oder anordnungswidrig handeln kann nicht begründet werden, wer es gewesen sei? Das ist pures Bullshit Bingo, sogar unterhalb des Niveaus der engagierten oder bezahlten Kommentarschreiber. Offenbar ist für solche Leute überhaupts nichts denkbar, daß sie mal innehalten und ihre Grundeinstellung und Motivation mit ihren Handlungen oder Äußerungen abgleichen. Pfui Deibel!