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Original geschrieben von Christian
Ist es nicht. Es zeigt, dass die Darstellung von Sportschützen als latente Gefahr für die Bevölkerung blanker Populismus ist.
Sportschützen ist nicht größere Mordlust zu unterstellen als Nichtsportschützen. Wie du schon sagst ist das eine populistische Darstellung. Knackpunkt sind das Vorhandensein und die leichte Verfügbarkeit solcher aus dem Stehgreif heraus benutzbarer und auch ohne Training todesgefährliche Distanzwaffen. Schon Klingen aller Art, erst recht Bögen, Schleudern und anderes Nichtexplosives bedingen erhebliche Geschicklichkeit, teils langes Training zur Darstellung einer tödlichen Gefahr und man bräuchte entweder einen im Affekt nicht vorhandenen kühlen Kopf oder muss die Distanz auf Null reduzieren, mit entsprechender Abwehrchance und eigener Gefährdung.
Wie schon gesagt brauchen wir hier über illegale Waffen gar nicht zu sprechen. Die gibt es sowieso, gehören aber Berufskriminellen, die einen komplett anderen Täterkreis darstellen. Wenn die gesetzliche Grundlage des bisherigen Sportschützentums wegfiele würde sich die Anzahl der Affekttaten und Amokläufe verringern, während sich das ihrer gesetzlichen Grundlage beraubte Sportschützentum in Grummeln und Wohlgefallen auflösen würde, denn diese sind ja eben nicht kriminell und werden's auch nicht werden wollen. Rauchen ist teilweise auch nicht mehr erlaubt, na und? Was, wenn es aufgrund bestehender Gesetze möglich wäre privat mit einem nicht entschärften Kampf- oder Artilleriepanzer durch die Gegend zu fahren? Dann würde die Gesetze geändert, spätestens nach negativen Ereignissen damit.
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Das mag sein, allerdings ist der aktuelle Amoklauf das beste Beispiel dafür, dass Menschen nicht zwangsläufig Schusswaffen brauchen, um andere Menschen im Affekt zu töten. Selbst gebaute Bomben tun es auch. In diesem Fall - und da bin ich mir sicher - wären nicht weniger Menschen gestorben, wenn die Frau keine Sportschützin gewesen wäre.
Selbstverständlich könnte auch ein Privatwaffenverbot mit Explosivstoffen zusammenhängene Gewalt nicht vollständig verhindern. Aber eine Bombe lässt sich nicht im Affekt bauen, wahrscheinlich nichtmal einsetzen und auf Vorrat werden sowieso nur Irre und Hochkriminelle Bomben basteln, lagern und zugriffsbereit halten. Tödliche Gewalttaten würde es so oder so auch weiterhin geben, aber weniger, auch für den Täter risikoreicher, aufwendiger und unzuverlässiger.
Zeiten ändern sich. Schusswaffen in Privathand haben natürlich eine Herkunft, Tradition und führen in aller Regel nicht zu Missbrauch, aber Zeiten ändern sich und ein Geschütz auf dem Dach darf man ja auch schon lange nicht mehr aufstellen.
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Darüber hinaus zeigen Österreich und die Schweiz, dass liberalere Waffengesetze nicht zwangsläufig Massen von Amokläufern oder Gewalt in der Bevölkerung hervorbringen. Aber es ist natürlich einfacher, die Sportschützen als einfaches, handliches Feindbild zu verwenden, statt solche Ereignisse auf der gesellschaftlichen Ebene anzugehen.
Auf welcher gesellschaftlichen Ebene soll man denn da angeblich ansetzen können? Indoktrination? Sippenhaft? Todesstrafe? Verbannung? Genetische oder soziale Auslese? Totalüberwachung? Oder GPS-Ortung der Schusswaffe und damit zusammenhängende, amtliche, individuelle Schussfreigabe?
Jenseits des Tellerrandes sieht man ja so schlecht, aber zumindest in der Schweiz gab es doch mehrfach Amokläufe, teils sogar mit den dort zuhause gelagerten Reservistenwaffen und doch sogar im Parlament. Vermutlich unterscheiden sich die drei genannten Länder schon wegen ihrer grundsätzlichen Ähnlichkeit nicht grundsätzlich.
Weil sich in Schützen- und Schießvereinen amtliche Würdenträger und deren Bezugspersonen häufen wird ein Privatwaffenverbot sicherlich schwierig durchzusetzten sein. Die Lobby der Waffenindustrie und der Aufschrei wegen wegfallender Arbeitsplätze und entfallenden Waffenhandels käme noch dazu. Aber Schusswaffen haben in Privathand genausowenig zu suchen wie Kampfflugzeuge, Maschinengewehre, Artillerieschütze, Sprengstoff und Kampfpanzer.