Beiträge von HappyDay989

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Es gibt eine neue Umfrage von "Infratest Dimap", (BR-Kontrovers), von heute zu Bayern. Danach kommt die CSU auf 46 Prozent, SPD und Grüne jeweils auf 17 Prozent, die FDP auf 6 Prozent, die Linke und die Freien Wähler würden mit jeweils 4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Ob das nur ein "Guttenberg-Effekt" ist, sei mal dahin gestellt.


    Die Frage drängt sich auf: Was hat's dann überhaupt mit dem Thema zu tun? :confused:



    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    ES zeigt aber, bei uns in Bayern haben linke Mehrheiten keine Chanche. Braucht man in Bayern auch nicht, da geht es den meisten Menschen eh besser als in den meisten anderen Bundesländern.


    Sorry, aber auch hier bleibt dem geneigten Leser der Zusammenhang mit Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg verborgen. Denn der hohe Lebensstandard der Bayern ist ja wohl nicht sein persönliches Verdienst, oder? :confused:

    Zitat

    Original geschrieben von Roadrunner0778
    Ist ja nun keine Neuigkeit das Mces überteuert ist, was regt ihr euch da noch auf?
    Oder besser gefragt, wieso geht ihr da dann noch hin?


    Meinen Fastfood-Konsum habe ich in den letzten Jahre drastisch reduziert. Mäc Doof ist dabei wirklich an die allerletzte Stelle gerutscht, da gehe ich lieber zu einer ortsansässigen Döner-Bude oder Pizzeria.

    Zitat

    Original geschrieben von Handy-Timme
    Aber eine App, die mich in einer fremden Innenstadt per GPS zur nächstgelegenen Futterstelle führt wäre trotzdem toll.


    Wieso, da folgt man einfach der Müllspur... :rolleyes:


    Ganz ehrlich: wenn ich in einer fremden Stadt bin, dann freue ich mich darauf, mal etwas anderes zu sehen und natürlich auch zu essen als immer denselben standardisierten Plastikfraß. Zumal die Preise für diesen Dreck mittlerweile so weit jenseits von Gut und Böse sind, dass man für ein Menü fast schon einen Überziehungskredit braucht. So'n Big Mac kostet mittlerweile deutlich über 3 Euro - hallo, bitte mal nachdenken: das sind in echtes Geld umgerechnet über 6 Mark für ein Brötchen mit zwei Mini-Buletten, ein paar Salatblättern und 'nem Klecks Sauce. Das ist doch wirklich unverschämt! :mad:

    Bis zu einem bestimmten Punkt muss ich Dir zustimmen. Vor allem, was die QS und das offenbar völlig vernachlässigte QM angeht, so ist der Optimierungsbedarf der Frankfurter Uhrenschmiede sicherlich groß.


    ORIS ist sicherlich eine immer noch zu Unrecht vernachlässigte Marke. Die Verarbeitungsqualität ist makellos. Diese hier gefällt mir (ich bin halt ein Fan des 1970er-Designs) ausnehmend gut:


    http://www.stundenzeiger.de/me…ix-70-Limited-Edition.jpg


    Das Design erinnert an den alten Lemania (später auch Orfina) Chrono alias SINN 142. Mit 2.700 € ist der Preis aber auch äußerst ambitioniert.

    Zitat

    Original geschrieben von ingo74
    beweise, das die taliban den internationalen terrorismus unterstützt hat und insbesondere osama bin laden gibt es zu hauf, wer die augen verschließt, oder diese nicht wahrhaben will, mit dem wird schwer zu diskutieren sein.


    Dann frage ich mich, warum diese Beweise bis heute nicht vorgelegt worden sind, zumindest was die Anschläge von "Nine-Eleven" sind, die ja als offizieller Grund für den Einmarsch in Afghanistan herhalten mussten. :confused:
    Die damalige afghanische Regierung erklärte sich, und das ist damals lückenlos dokumentiert worden, im Anschluss an die Anschläge in NY dazu bereit, Osama bin Laden auszuliefern, wenn die USA Beweise für dessen Beteiligung an den "Nine-Eleven" vorlegen würden. Es ist bekannt, dass Präsident Bush das rundweg ablehnte, mit der Begründung, er wolle ich über Schuld und Unschuld von Osama bin Laden diskutieren, denn es sei sowie so klar, dass der schuldig sei.


    Wenn solche Aussagen für Dich bereits Beweischarakter besitzen (und das scheint wohl so zu sein), dann sind die Beweise gegen bin Laden und die Taliban in der Tat erdrückend.


    Das Problem ist doch, dass es die Amerikaner selbst waren, die in den 1980ern und 1990ern ganz kräftig den islamistischen Terrorismus angeheizt, mit Waffen, Logistik, Ausbildung usw. unterstützten, weil es für sie die billigste Art und Weise war, gegen die UdSSR in Afghanistan einen Stellvertreterkrieg zu führen, ohne sich selbst engagieren zu müssen. Doch nach dem Ende der UdSSR waren die Terroristen immer noch da, und nun richteten sie ihre erlernten Fähigkeiten gegen ihre ehemaligen Ausbilder.


    Ein klassischer Fall von Geistern, die man ruft und dann nicht mehr los wird. Oder auch, um es auf Amerikanisch zu sagen: merely a case of chickens coming home to roost. :p


    Und ob jemand nun ein "Terrorist" oder ein "Freiheitskämpfer" ist, ist lediglich eine Frage der Betrachtungsweise. Wenn man nicht bereit ist, sich auch einmal in die Sichtweise seines vermeintlichen Gegners zu versetzen und sich z. B. ernsthaft die Frage zu stellen, mit welchem Recht der Westen, und dabei besonders die USA, sich seit Jahrzehnten überall auf der Welt in die Angelegenheiten souveräner Staaten einmischen, dann fällt man natürlich auch immer wieder in dieselbe Falle und begeht dieselben Fehler immer wieder und wieder. Der Freiherr von und zu Guttenberg ist diesbezüglich offenbar keine Ausnahme.

    @ ingo74: Logisch, dass das AA keine Quellen zitieren würde, aus denen hervorgeht, dass der Militäreinsatz in Afghanistan rechtswidrig ist. Schließlich hängt man ja selbst mit drin.


    Mit Wischiwaschi-Begründungen wie "Krieg gegen Terror" und ohne jeden Beweis, dass die Taliban mit den Anschlägen von "Nine-Eleven" irgendetwas zu tun hatten über fremde Länder herzufallen, bloß weil einem die dortigen Regierungen nicht passen, das hat schon etwas von Weltpolizisten-Gehabe und hat mit Völkerrecht absolut nichts zu tun. Bush weigerte sich damals bekanntlich (Zitat mit Quelle findet sich weiter vorne), überhaupt Beweise vorzulegen, dass Osama bin Laden, der sich damals in Afghanistan aufhielt, der Drahtzieher der Anschläge war. Er konnte wohl auch nicht anders, denn solche Beweise konnten bis heute nicht gefunden werden. Und wie gesagt: auf Grund von Mutmaßungen, Spekulationen und nicht verifizierten Geheimdienstinformationen einen Krieg vom Zaun zu brechen, das betrachte ich auch im 21. Jahrhundert und nach dem Ende des Kalten Kriegs für ein Verbrechen.


    Wenn es die neue Praxis sein soll, dass die USA und ihre (Zwangs)verbündeten gegen jedes Land, das aus irgendwelchem Grund in ihr Fadenkreuz gerät, einfach mal so losschlagen dürfen, dann muss man diese Praxis in der Tat sehr deutlich verurteilen.


    Die damalige rot-grüne Regierung war damals immerhin lernfähig genug, um den in 2001 gemachten Fehler in 2003 nicht zu wiederholen, als Bush Komplizen für seinen Irak-Überfall rekrutierte.


    Man kann nur hoffen, dass die derzeitige Bundesregierung sich ebenso vernünftig verhalten wird, wenn es um neue außen- und militärpolitische Abenteuer geht... :confused:


    Wenn es ein Zeichen von Rückständigkeit sein soll, dass man vor dem Einmarsch in fremde Länder nach völkerrechtlich belastbaren Begründungen fragt, bevor man seine Truppen in den Krieg schickt, tja, dann bin ich sehr gerne rückständig. ;)

    Zitat

    Original geschrieben von Mephisto
    Da wird leider nichts zu machen sein :(; Werktags 7-20 Uhr, am we i.d.R. 9-20 Uhr, bei manchen Kommunen auch 8-20 Uhr (Quelle: Financial Times Deutschland); also seid ihr in jedem Fall außerhalb des Zeitfensters, in dem gestreut & geräumt werden muss - sorry & ein besseres neues Jahr!!


    Ja, das stimmt. Mir ist ebenfalls keine Gemeinde bekannt, in der man Sonn- und Feiertags bereits vor 8 Uhr geräumt und gestreut haben muss. An den Werktagen (und Achtung: dazu zählt auch der Samstag, auch für die Leute, die eine 5-Tage-Woche haben!) muss ab 7 Uhr der Bürgersteig geräumt und eisfrei sein.

    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    du springst aber wirklich sehr extrem in deinen Aussagen und im Weltbild.


    Vor allem habe ich ich einmal die Position eines Advocatus diaboli eingenommen, weil mir die hier vorgetragenen "Guttenberg-ist-Spitze"-Kommentare schon fast Züge von Popstarkult und Heiligenverehrung anzunehmen drohten. Da wollte ich einfach mal ein Gegengewicht verankern. ;)


    Zu Deiner Argumentation kann ich nur sagen, dass sie im Großen und Ganzen sehr gut, sehr sachlich und faktisch weitestgehend richtig ist. :top:



    Zitat

    Original geschrieben von Printus Egal wie man zur Tatsache des Einmarsches vor Jahren steht - jetzt ist Fakt, dass das menschenverachtende, terroristische Taliban-System weitgehend zerstört wurde und ein halbwegs brauchbares Staatsgefüge noch nicht vorhanden ist. Deswegen ist ein direkter Abzug unmöglich. Um diese Tatsache drückst du dich ständig herum. Da hilft aber kein spezielles Weltbild weil das nun mal Fakten sind, die wirklich jeder - und sei er noch so kritisch - Experte absolut bestätigt.


    Das halte ich ehrlich gesagt für falsch, und es ist m. E. der einzige Schwachpunkt in Deiner (und aller Experten!) Argumentation. Das liegt nicht an Dir oder an den Personen der Experten, sondern am Sachverhalt:
    1. Man marschiert in ein Land ein und besetzt es militärisch.
    2. Dabei unterstützt man die weitaus kleinere von zwei Büregerkriegsparteien, und dazu noch eine, von der bekannt ist, dass sie sich in erster Linie durch Korruption, Kriminalität (Drogenhandel) u. a. auszeichnet und selbst bei den eigenen Leuten einen sehr schlechten Ruf genießt.
    3. Der Widerstand gegen die neuen, von den ausländischen Invasoren eingesetzten Machthaber nimmt zu, darauf antwortet man mit militärischer Gewalt. Man gibt sich verwundert, dass man auf diese Weise die "Herzen und Köpfe" der Mehrheit der Menschen in diesem Land nicht gewinnen kann.
    4. Mit brutalem Vorgehen gegen Aufständische und Luftschlägen, bei denen zivile Opfer auch in größerer Zahl in Kauf genommen werden verspielt man die Sympathie selbst der wenigen Anhänger, die man in dem Land überhaupt noch hat und gibt sich dann erstaunt und enttäuscht, wenn in Umfragen drei Viertel aller befragten Angehörigen der Menschen dieses besetzten Landes auch Anschläge aus dem Hinterhalt gegen die als Besatzer empfundenen ausländischen Truppen ausdrücklich begrüßen.
    5. Nach dem Motto "Augen zu und durch" versuchen die Besatzer, ihr Gesicht zu wahren und der Öffentlichkeit in den eigenen Ländern zu verschleiern, dass im besetzten Land der Bürgerkrieg erneut ausbrechen wird, egal ob der Abzug jetzt sofort oder erst in anderthalb Jahren vollzogen wird. Denn das derzeitig in dem besetzten Land installierte System entspricht wohl weitestgehend nicht dem, was die Menschen dort wollen, und mit den nachweislich korrupten Machthabern ist die Bevölkerungsmehrheit offenbar dort auch nicht einverstanden.
    Es bedarf wirklich nicht eines Genies, um zu schlussfolgern, dass die gegenwärtigen Machthaber weder jetzt noch später eine reele Chance haben, sich an der Macht zu halten. Und es dürfte auch klar sein, dass sich die Gegner dieser Machthaber nicht innerhalb der nächsten 18 Monate darauf einschwören lassen werden, auf eine Änderung des ggw. Zustands auch mit den ihnen seit Jahrzehnten vertrauten Mitteln (Gewalt, Mord, Krieg und Terror) zu verzichten.


    Fazit: Man kann doch nicht einfach in fremde Länder einmarschieren, bloß weil einem die dortigen Regierungen nicht passen. Daraus abzuleiten, dass man nunmehr keine andere Wahl habe, als mit den einmal gemachten Fehler zu wiederholen bis zum bitteren Ende - was ist das denn bitte für eine Argumentation? :confused:



    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    [Neuordnung der Bundeswehr, neue Rolle der Bundeswehr im 21. Jahrhundert]
    Darüber muss es eine Diskussion geben und eine Neuausrichtung der Bundeswehr. Einfach nur auf zu Guttenberg herumhacken und dabei alle abstrusen und teilweise wirklich sachlich widerlegten Dinge als Argumente hernehmen bringt nix.


    Offenbar wird diese Diskussion doch noch gar nicht geführt. Unsere Politiker haben wohl offenbar die Absicht, sich um diesen Teil mal wieder herum zu drücken, indem sie durch die De facto-Abschaffung der Wehrpflicht und den Umbau der Bundeswehr zu einer kleinen Elitearmee schon einmal Fakten schaffen, an denen niemand mehr vorbeikommt. Den Rest der noch offenen Punkte wird man in bewährter Politbürokraten-Manier in hunderte und tausende detaillierter Verfahrensfragen herunter brechen, die man dann in die üblichen Ausschüsse und Expertengremien verweisen wird. Die große öffentliche Diskussion über die neue Rolle der Bundeswehr im 21. Jahrhundert? - ich fürchte, hinter den nationalen und internationalen Kulissen hat man sich in den Grundzügen schon längst geeinigt, man hat nur bislang "vergessen", das Volk auch darüber zu informieren. :rolleyes:


    Aber natürlich ist das kein "Guttenberg-Problem", sondern ein systemimmanentes.

    Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Aber was gewisse Leute hier mal wieder für einen polemischen Unsinn vom Stapel lassen geht ja nun wirklich auf keine Kuhhaut. Fehlt nur noch der Seitenhieb man hätte doch auch damals in den 90ern die Finger von Serbien und dem Kosovo lassen sollen und sich die jeweiligen Volksgruppen doch lieber gegenseitig umbringen lassen, dort hätte die UN und insbesondere Deutschland ja auch nichts verloren gehabt...


    Was die Hintergründe der Afghanistan-Invasion angeht, so darfst Du Dich gerne mal lesend weiterbilden statt "gewissen Leuten" Polemik zu unterstellen:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_seit_2001


    Ein besonders pikantes Zitat, das bezeugt, dass es der Regierung von G. W. Bush eigentlich nur um irgendeinen Grund zur Invasion ging und nicht darum, konkret nachzuweisen, dass die damalige afghanische Regierung oder Osama bin Laden hinter den Anschlägen von "Nine-Eleven" steckten, nach dem Motto: nein, wir wollen nicht die Schuld al-Qaidas oder der Taliban beweisen müssen, wir suchen einfach nur einen Grund, militärisch loszuschlagen:

    Zitat

    Am 11. September 2001 verübten 19 Angehörige der al-Qaida die Terroranschläge in den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten forderte daraufhin von der Taliban-Führung, die Ausbildungslager der al-Qaida zu schließen und deren Anführer auszuliefern. Die Taliban boten zunächst an Osama bin Laden in Afghanistan vor Gericht zu stellen. Später forderten sie als Bedingung für eine Auslieferung, dass Beweise für seine Verwicklung in die Anschläge vorgelegt würden. Die Vereinigten Staaten lehnten dies ab. Präsident Bush sagte dazu: "There's no need to discuss innocence or guilt. We know he's guilty." (dt. Es gibt keinen Grund über Schuld oder Unschuld zu diskutieren. Wir wissen, dass er schuldig ist)


    Was die Intervention auf dem Balkan angeht, so hat sich Deutschland m. W. daran aus verfassungsrechtlichen Gründen erst beteiligt, als es ausdrücklich um rein friedenserhaltende Maßnahmen im Rahmen eines UN-Mandats ging, und selbst das stieß damals bei vielen Menschen auf Skepsis und Ablehnung. Vermutlich ahnten die Kritiker schon damals, wo dieser grundsätzliche Tabubruch enden würde...




    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    HappyDay989


    Wir kommen in dieser Frage nicht weiter, die Meinungen sind zu unterschiedlich, so daß weiter sich Argumente um die Ohren zu schlagen nichts bringt.


    Das schrieb ich ja bereits heute Morgen bzw. Mittag, wie Du mit einem Blick auf die entsprechenden Beiträge jederzeit nachlesen kannst. ;)
    Ich sehe aber auch keinen Zwang dazu, dass wir uns unbedingt "einigen" müssen - worauf denn auch, außer darauf, dass wir uns nicht einigen können! ;)




    @ Chicken Hawk: Schön, dass Dir wenigstens nach der Veröffentlichung Deines Beitrags so etwas ähnliches wie ein Argument eingefallen ist, das Du in aller Heimlichkeit noch nachschieben konntest. :D


    Afghanistan als souveräner Staat war bereits anerkannt, egal, wie Du es nun drehen und wenden willst. Wie Du hier


    http://de.wikipedia.org/wiki/A…h_der_Unabh.C3.A4ngigkeit


    selbst nachlesen kannst, wurde selbst in den Zeiten des Bürgerkriegs der Status des Landes als souveräner Staat nicht aufgehoben, und wer hätte wohl auch die Legitimation gehabt, so etwas zu tun! Im übrigen kontrollierten die Taliban Anfang 2001 mehr als 90 % des Landes, die sogen. Nordallianz war auf ein paar Fleckchen Erde reduziert worden. De facto stellten die Taliban also die Regierung, und der Umstand, dass man mit der Regierung eines anderen Landes möglicherweise Meinungsverschiedenheiten hat, ggf. sogar schwerwiegende, liefert immer noch keinen rechtlich belastbaren Grund für eine Invasion. Die Taliban mögen den Gegnern im eigenen Land, eingebildeten wie tatsächlichen, nicht gerade mit den Grundsätzen der Nächstenliebe begegnet sein, doch so schwer es einem auch fallen mag: das ist nur ein innenpolitisches Problem Afghanistans, das innerhalb der Grenzen Afghanistans ausschließlich von Afghanen gelöst werden muss und geht höchstens noch die unmittelbaren Nachbarn etwas an, aber garantiert kein Land im fernen Westen mehr. Und wenn man in ein anderes Land einmarschieren will, so wie die USA 2001 in Afghanistan (und 2003 im Irak, dieselbe fadenscheinige Argumentation, nur glaubte man der US-Regierung ihre erlogenen Invasionsbegründungen da nicht mehr), dann sollte man schon etwas mehr in der Hand haben als ein paar Vermutungen, für die nicht nur jegliche Beweise fehlen, sondern von denen sich der Oberbefehlshaber der Invasorenarmee sogar weigert, sich überhaupt auf den Versuch einer Beweisführung einzulassen - das entsprechende Bush-Zitat habe ich Dir nachgewiesen. Der Vorwurf einer sehr fragwürdigen Weltsicht trifft daher wohl eher auf Herrn Bush und seine Anhänger zu als auf mich.



    Ich gehe davon aus, dass ich die Hintergründe, warum ich TvG als Kriegsminister bezeichnet habe bzw. immer noch bezeichne, umfangreich genug dargelegt habe. Die Geschichte Afghanistans nun von dem Moment, in dem Kain seinen Bruder Abel erschlug bis zum heutigen Tage in allen Einzelheiten und unter jedem nur möglichen Blickwinkel hier auszubreiten, geht am Thema dieses Threads wohl meilenweit vorbei. Hier geht es ja in erster Linie um "Respekt vor Minister Guttenberg" bzw. um Gründe, von diesem Minister alles andere als begeistert zu sein.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Wir kommen doch den Afghanen nur im Kampf gegen die Taliban zur Hilfe. Sicher kann man das als Krieg bezeichnen und Guttenberg hat das als erster so ausgesprochen, wo andere sich zuvor um das Wort herumgedrückt haben. Es ist dort Krieg, aber wir sind doch keine Kriegstreiber wenn wir andere dabei in der Abwehr zur Hilfe kommen. Den Vorwurf des Kriegsministers halte ich deshalb für nicht gerechtfertigt.


    Da werden wohl Ursache und Wirkung verwechselt.


    Es gab für den Westen im Oktober 2001 überhaupt keinen rechtsgültigen Grund, in Afghanistan einzufallen. Klar, nachdem man erst einmal dort war, nachdem man sozusagen mit beiden Händen voll ins Wespennest gegriffen und die Situation zur Eskalation gebracht hatte, da herrschte natürlich wieder ein ausgewachsener Krieg bzw. Bürgerkrieg in dem Land. Aber es waren doch die Amerikaner und ihre Verbündeten gewesen, die diesen Bürgerkrieg wieder in Gang gesetzt hatten, nachdem sie nämlich den Taliban feindlich gesonnene Stämme, die zuvor viel zu schwach waren, um einen bewaffneten Konflikt mit den Taliban riskieren zu können mit Geld, Versprechungen, Waffenlieferungen und militärischer Unterstützung dazu gebracht hatten, den bereits beendeten Bürgerkrieg wieder anzufachen.
    Und seitdem "helfen" die ausländischen Truppen, darunter auch die deutschen, der einen Bürgerkriegspartei gegen die andere, ohne dass irgendein westlicher Politiker jemals begriffen hätte, welcher afghanische Stammesführer denn nun eigentlich und wirklich welche Interessen verfolgt. Denn eines dürfte wohl so sicher sein wie das Amen in der Kirche: die afghanischen Verbündeten des Westens gelten in ihrem eigenen Land als noch erheblich korrupter, raffgieriger und skrupelloser als die von uns als Popanz und Schreckgespenst dargestellten Taliban.


    Also: in einem Land einen Bürgerkrieg anzuzetteln, dann dort mit Kampftruppen einzufallen und zu behaupten, man sei ja nur da um zu helfen macht aus der dahinter stehenden Kriegstreiberei noch lange keinen Verteidigungsfall. Leider unterlässt es TvG nicht nur, die richtigen Schlüsse aus diesem Sachverhalt zu ziehen, sondern er gießt m. E. auch noch Öl ins Feuer, indem er die Bundeswehr zu einer Armee umbauen will, mit deren Hilfe die deutsche Politik ihre Ziele nun noch hemmungsloser mit militärischen Mitteln durchsetzen können soll.


    Wir sind von 1949 bis 1998 mit einer deutschen Außenpolitik, die ausdrücklich auf die militärische Option zur Durchsetzung ihrer Interessen verzichtete und statt dessen auf Frieden und Versöhnung setzte, bestens gefahren; sie war eine der Säulen unseres Wohlstands, unserer politischen Zuverlässigkeit und ist bis heute ein Grund, warum es auf dieser Welt nur sehr wenige Staaten gibt, die uns als Gegner oder Feinbild betrachten. Was dagegen jetzt auf uns zukommt, ist eine Politik des außenpolitischen und militärischen Abenteuertums. Über TvG wird man später wohl zu berichten wissen, dass er einer der maßgeblichen Architekten dieser unseligen neuen Ausrichtung deutscher Außenpolitik war. Früher bezeichnete man eine solche Art der Außenpolitik übrigens als "Kanonenboot-Diplomatie." Vielleicht klingt "Kanonenboot-Minister" in Deinen Ohren ja angenehmer als "Kriegsminister." Am Sachverhalt ändert das leider wenig. Oder auch gar nichts.