Zitat
Original geschrieben von Robert Beloe
Wenn eine Regierungsbildung an so einem Thema wie dem Betreuungsgeld scheitert, dann verlange ich die Sezession Ostfrieslands von der Bundesrepublik.
Ich hatte das weiter vor schon mal angesprochen, aber leider finden sich hier nur wenige Diskussionsteilnehmer, die bereits sind, mal Fakten anzusehen. Aber einen Versuch mache ich noch. Sehen wir uns mal an, was die SPD selbst als größte Unterschiede im Wahlprogramm von CDU und SPD betrachtet:
http://www.spd.de/aktuelles/10…ncheck_wahlprogramme.html
1. Mindestlohn
CDU will Mindestlöhne über die Tarifverträge einspeisen und die SPD will Mindestlöhne über ein Bundesgesetz einspeisen.
Hinweis: Der linke Flügel der CDU wäre sofort mit einem Mindestlohn von etwa 7,50 einverstanden. Größter Knackpunkt dabei ist, dass ein Mindestlohn über ein Bundesgesetz landesspezifische Kostenunterschiede nicht berücksichtigen wird. Während die SPD also lieber den Mindestlohn insgesamt etwas höher haben will, aber dafür einheitlich, will die CDU einen etwas niedrigeren Mindestlohn und dafür mit der Möglichkeit der lokalen Differenzierung (denn 7,50 sind in Berlin Mitte was anderes als in Mecklenburg-Vorpommern an der Seenplatte...)
Interessant dabei ist, dass
a) man die Aufstocker berücksichtigen muss. Dabei bekommen die Leute dann statt einer Hartz-Ergänzung eben mehr Grundlohn. Gleiches Geld, aber anderes Etikett.
b) völlig unklar ist, wieviel Menschen das dann betrifft, weil niemand die Arbeitsmarkteffekte nennen möchte
2. Betreuungsgeld
Die SPD will verhindern, dass Eltern ihre Kinder selbst betreuen, die CDU will das ermöglichen.
3. Bildungsinvestitionen
Hier gibt es gar keinen Unterschied; der Text auf der SPD-Seite ist nur Geblubber. Inhaltlich ist die Aussage "bis zu 20 Mrd jährlich" (SPD) auf dem gleichen Vertrauensniveau wie "ganz, ganz viel" (CDU). Auch das Thema Hochschulgebühren hat sich erledigt, weil das Thema auf die Bundesländer abgewält wurde.
4. Rente
Die SPD will eine Mindestrente einführen, die CDU möchte es dabei belassen, die Aufstockung über HARTZ abzudecken. Am Ende haben die Renter etwa gleich viel in der Tasche, nur das Etikett ändert sich.
5. Frauenqoute
Die CDU will weiterhin eine freiwillige selbstverpflichtung der Industrie. Die SPD will eine gesetzliche Frauenquote.
6. Gleichgeschlechtliche Paare
SPD will ein paar Feintunings im Steuer- und Adoptionsrecht.
Viel erreicht werden kann da aber sowieso nicht, denn a) betrifft das kaum jemand (beim Steuerrecht vielleicht ein paar Tausen Paare, beim Adoptionsrecht vielleicht ein paar Dutzend) und b) obliegt die Freigabe eines Kindes zur Adoption sowieso der betreuenden Institution. Kein homosexuelles Päarchen wird eine Klage gewinnen, weil es sich im katholischen Waisenheim benachteiligt fühlt. Dafür ist die Schlange der Bewerber einfach zu lang und es lassen sich zu leicht "objektive" Ablehnungsgründe finden.
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Der einzige überhaupt fühlbare Unterschied zwischen den Wahlprogrammen liegt bei der Frauenquote und beim Betreuungsgeld.
DAMIT SIND ETWA 99,9% DER BEIDEN WAHLPROGRAMME ERGEBNISGLEICH.
Die Unterschiede liegen nur in den Formulierungen und Etiketten ("Das Geld im Portemonaie bleibt aber doch gleich?" "Jaa, das mag schon sein, aber bei uns HEISST das anders!")
Ich hoffe, damit ist das Thema endgültig abgehakt. Die SPD und CDU sind gleich; der Unterschied liegt nur im Stallgeruch.