Zitat
Original geschrieben von oleR
Ich habe die Auflistung bei Schavanplag gesehen.
Hm, ich hatte gehofft, du würdest uns eine tiefere Kostprobe bezüglich deiner Urteilsquellen geben, als einen Internetlink.
Aber gut, ich mache mal einen Versuch. Wir wär´s werter oleR, wollen wir mal einen Versuch machen, ernsthaft zu diskutieren? Mal als Angebot.
Du hast also "die Auflistung" gesehen. Hast du dir denn die Fälschungsbehauptungen auch mal angesehen? Ich habe mir mal vier angeschaut - zu mehr habe ich leider nicht die Zeit.
Ich greife mal folgende heraus: "S. 100 (Vortäuschen einer C.G.-Jung-Rezeption)".
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Schavan: Bereits in seinem ersten großen Werk “Wandlung und Symbole der Libido” setzt sich C.G.Jung 1912 vor allem durch sein Verständnis der Libido als psychischer Energie schlechthin deutlich von seinem Lehrer Freud ab.
Nowak: Noch weiter als A. Adler entfernte sich C. G. Jung von S. Freud. Das zeigte sich schon in seinem ersten großen Werk “Wandlung und Symbol der Libido” von 1912, in dem er sich deutlich von Freud absetzte. Jung versteht unter Libido die spezifische psychische Energie schlechthin [...].
Bewertung von Schavanplag:
Typ: Verschleierung.
Die Verfasserin erwähnt Nowak (1978), von dem sie ihre Aussage bezieht, im gesamten Unterkapitel über C.G. Jung nicht. Richtig lautet der Titel des Werkes Wandlungen und Symbole der Libido.
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Ich kann der Bewertung von Schavanplag nicht in dieser Form zustimmen. Richtig ist, dass die AUSSAGEN der beiden Quellen ähnlich sind. Aber das allein macht kein Plagiat aus. Schon gar kein Plagiat mit Betrugsabsicht.
Eine AUSSAGE kann auch dann ähnlich sein, wenn beide Autoren schlicht zur gleichen Schlussfolgerung gekommen sind. Wenn man besonders pingelig sein möchte, dann müsste man noch würdigen, ob eine Aussage in einem Fachbereich ausreichend Konsensfähig ist, um ohne besonderes Zitat auszukommen.
Beispiel: wenn ich in VWL erläutern wollte, dass sich Keynes in seiner Bewertung der Oppertunitätskosten der Geldhaltung von den Klassikern unterschiedet, dann brauche ich das nicht in jedem Fall zu zitieren. NATÜRLICH hat auch diesen Gedanken mal irgendwan jemand das erste mal gedacht.
Aber die Feststellung ist gewissermaßen trivial - man kann dieser Aussage zustimmen, ohne sie gesondert zitieren zu müssen. Anderes Beispiel: in der Mathematik muss auch nicht jedesmal zitiert werden, wer die Axiome der natürlichen Zahlen entwickelt hat. NATÜRLICH hat auch hier jemand diesen Gedanken zum ersten mal gedacht. Aber die Aussagen haben inzwischen einen derartigen Konsens erreicht, dass ein Zitat oft nicht erforderlich ist.
Kommen wir jetzt zur obigen Primärquelle bezüglich Schavans unterstelltem Plagiat. Wenn ich obiges richtig interpretiere, dann hat Schavan Nowak sehr wohl zitiert - nur nicht hier. Zu bewerten wäre also, ob die Aussage, dass sich Jung von Freud absetzt hat, hier so spezifisch ist, dass zwingend ein Zitat geboten wäre. Nun, ich bin auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft eher wacklig. Mein Urteil könnte also falsch sein. Aber nach meinem Gefühl ist die Aussage, dass sich Jung von Freud in diesem Werk absetzt nachgerade trivial - und erfüllt damit die Kriterien, dass ein Zitat nicht zwingend geboten ist. Schavan ist schlicht zum gleichen Schluss gekommen - dass auch Nowak diesen Schluss zu Jung gezogen hat, ist bei einer trivialen Aussage kaum verwunderlich.
Schavanplag zitiert obige Quelle wie folgt:
"Eine Auswahl von Passagen, bei denen es sich m.E. auch beim Anlegen eines großzügigen Maßstabs um eindeutige Plagiate handelt, finden Sie hier:"
Wenn DAS, werter oleR, ein Beleg für ein trotz "großzügigem Maßstab eindeutiges Plagiat" handelt, dann weiß ich, was ich von den anderen 60 Plagiatsbehauptungen zu halten habe.
Meine vier Stichproben belegen keineswegs, dass Schavans Arbeit den Kriterien zur Vergabe eines Doktortitels genügt. Aber zumindest zeigen mir meine vier Stichproben, dass ich in meiner Beurteilung zu keineswegs einer so eindeutigen, über jeden Zweifel erhabenen Veruteilung von Schavan komme, wie die üblichen Qualitätsmedien das tun.
Jetzt habe ich dir eine Kostprobe gegeben, oleR, was ich unter einer faktenbasierenden Diskussion verstehe. Du bist ernsthaft eingeladen, meine obigen Schlussfolgerungen zu widerlegen oder mit anderen Plagiatsbehauptungen zu anderen Schlussfolgerungen zu kommen. Wenn ich deinen Argumenten zustimmen kann, dann werde ich das auch zugeben.
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Ich kann da keinen Widerspruch erkennen.
Ich schon. Aber das kann ich jetzt nicht erläutern - Arbeit ruft.
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...frage ich mich, auf welcher Basis du zu deinen weitreichenden Aussagen kommst, ...
oleR, es ist schwierig dir zu antworten, wenn du Pauschalaussagen obigen Kalibers verwendet. Was sind meine "weitreichenden Aussagen" (man beachte den Plural)? Zu Schavan habe ich keine "weitreichenden Aussagen" geäußert. Meinst du meine Beurteilung des Kommunismus? Oder bezog sich das auf die eine Aussage (man beachte den Singular) zu Gysi, die du zitierst? Zu beidem darf ich leider nicht antworten, weil schon mehrere Beiträge weiter oben ein "Offtopic" bemängelt wurde.