Die Frage ist doch eher, was man unter Gerechtigkeit versteht.
Ich verstehe darunter, dass man gleichen Lohn für gleiche Arbeitsleistung erhält.
Doch da nicht jeder Mensch gleichermaßen leistungsfähig ist, kann man auch nicht jeden Menschen nach demselben Tarif bezahlen. Verschärfend kommt noch hinzu, dass die meisten Tarifverträge ja überhaupt nicht die Leistung als Maß nehmen, sondern nur die Anwesenheit.
Ein Sachbearbeiter, der pro Tag 10 Fälle bearbeitet, bekommt das gleiche Gehalt wie ein Sachbearbeiter, der nur 8 schafft (vorausgesetzt, jeder Fall ist gleich aufwändig). Und noch viel schlimmer: Macht letzterer noch Überstunden, um auf die 10 zu kommen, dann bekommt er für seine geringere Leistung u.U. sogar noch mehr Geld, wenn er die Überstunden bezahlt bekommt.
Solche Tarifkonstrukte verprellen leistungsfähige und engagierte Angestellte und schützt diejenigen, die sich darauf ausruhen.
Bei Ford in Köln, wo die Arbeitsleistung durch den Takt des Fließbandes vorgegeben wird, kannst du jeden gleich bezahlen. Für Lokführer, usw. gilt das gleiche.
Aber überall dort, wo der Arbeiter seinen Takt selbst bestimmen kann, ist ein pauschalisierter Lohn ungerecht.
Es ist in vielen Bereichen kompliziert, einen wirklich gerechten Lohn zu zahlen. Aber beurteilen können dies nur der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, nicht aber die Gewerkschaften, die alle über einen Kamm scheren wollen.
Ich sehe die Aufgabe der Gewerkschaften überall dort, wo Not- und Zwangslagen ausgenutzt werden. Wobei auch hier eigentlich eher der Gesetzgeber gefragt ist, die Menschen in diesem Land von diesen Not- und Zwangslagen zu befreien.
Und im aktuellen Fall ist es ja so, dass die GdL nicht etwa im Sinn hat, dass jeder Angestellter der Deutschen Bahn für dieselbe Tätigkeit denselben Lohn erhält, sondern arbeiten gezielt darauf hin, dass ausschließlich diejenigen, die bei ihnen eintreten, diesen Lohn erhalten. Sprich: Sie forcieren eine Zweiklassengesellschaft innerhalb eines Unternehmens. Das ist die Perversion des obigen Gedanken.