Einen äußerst wichtigen Punkt habe ich unterschlagen: Erst seit dem iPhone gibt es -- zumindest hierzulande -- bezahlbare Datentarife.
Vorher war jede Internet-Nutzung eine kostspielige Sache, weshalb sich mit den bis dahin auf den Markt erhältlichen Geräten kaum jemand ins Internet getraut hat.
Mehr noch: Allen voran hat Vodafone dem "Internet auf dem Handy" einen äußerst schlechten Ruf verschafft, indem die gebrandeten Geräte praktisch bei jedem zweiten Tastendruck eine kostenpflichtige Datenverbindung aufgebaut haben. Wenn man 2005 jemanden nach Internet auf dem Handy gefragt hat, dann kamen da stets Antworten wie "Abzocke", "viel zu teuer" und "Abo-Fallen".
Ich selbst habe mich gefragt, was ich eigentlich mit all den gut gemeinten Online-Funktionen meines Smartphones anfangen soll, wenn ich sie schlicht nicht bezahlen kann. 5 MB Datenpaket für 10 Euro im Monat -- ein Witz.
Erst Apple hat durch die Knebelverträge mit der Telekom den Stein ins Rollen gebracht. Und da die neuen Datentarife ausschließlich in Verbindung mit dem iPhone angeboten wurden, waren es eben auch nur die iPhone-User, die diese neue Erfahrung vom praktisch unlimiterten Internet auf dem Handy machen konnten.
Dass -- wiederum mit einem hässlichen Zusatztarif verbinden -- damals auch auf anderen Handys Internet problemlos möglich war, wusste niemand. Der Opera Mini hat jedes Java-Handy ins Internet gebracht. Und das in einer gemessen am Mini-Bildschirm wirklich ausgezeichneten Weise. Aber sowas konnte sich nicht durchsetzen, da es nie beworben wurde und über dem Internet nach wie vor dieses seltsame Damoklesschwert hing.
Tja, somit wurde iOS praktisch der Standard für "mobiles Internet". Dass man schon 10 Jahre vorher per Pocket-PC oder Symbian-Handy (dem damaligen technischen Stand entsprechend) Internet-Zugriff hatte, hat die breite Masse nicht gewusst. Insbesondere eben die Zielgruppe der glänzenden Apple-Welt nicht, die sich für Technik ja nie interessiert hat.
Ich kann mich noch an die Pressekonferenz des N95 erinnern, die ich zufällig live im Internet mitverfolgt habe. Ich war schwerst beeindruckt -- aber vor allem, weil ich beurteilen konnte, was dort gerade präsentiert wurde.
Die iPhone-Käufer der ersten Stunde haben sich für sowas nicht interessiert und hätten es auch ebensowenig verstanden. Sie wollten einfach nur das Apple-Phone kaufen, mehr nicht. Es ist eine Modewelle daraus entstanden, die die neue Technologie durch die Hintertür zu den Usern gebracht hat.
Ich bin absolut fasziniert von der reinen Markenmacht Apples. Und sie macht mir Angst.