Zitat
Original geschrieben von Goyale
Die Kosten sind in Frankreich möglicherweise dramatisch geringer als in Deutschland:
War da nicht irgendwas, dass zumindest 4G von allen Netzbetreibern gemeinsam ausgebaut wird bzw. staatlich ausgebaut wird und jeder Netzbetreiber kann das nutzen?
Und wieder so ein Goyalsches Märchen.
Das einzige, was in Frankreich von den Netzbetreibern zusammen betrieben wird ist das republikweit bis ins letzte Dorf ausgebaute F-Contact-GSM-Netz, auf das die Netzbetreiber immer dann zugreifen, wenn sie selbst kein eigenes Netz vor Ort haben.
Und das ist sicherlich auch eine sinnvolle Lösung in einem Land, das deutlich größer ist als Deutschland 670.000 km² vs. 356.000 km², aber mit 16 Mio. weniger Einwohnern auskommen muss.
Den Netzbetreiber kommt allerdings zugute, dass die Franzosen eine höhere Urbanisierungsquote haben als die Deutschen. D.h. mehr Franzosen wohnen in Ballungsräumen als Deutsche. Kann man auch hier im Elsass schön sehen. Alles ballt sich in Straßburg. Fährt man etwas aus der Stadt raus, z.B. Richtung Norden zur deutschen-/pfälzischen Grenze ist die Autobahn fast leer. Dennoch landet man da nicht im GSM-Netz, sondern hat weiterhin 3G oder gar 4G.
Übrigens waren Orange (=France Telecom) und SFR genauso gierige Geier, wie unsere Telekom und Vodafone es heute noch sind. Bouygues Telecom (Bouygues ist ein großer Immobilienkonzern, der M. Bouygues gehört) hatte lange Jahre eine unserem E-Plus vergleichbare Rolle gespielt, etwas billiger, etwas schlechter, etwas langsamer.
Der radikale Wechsel kam als die Illiad-Gruppe mit ihrer Marke "free", die man in Frankreich schon gut aus dem DSL-Bereich kannte (ich würde sie mal mit unserem "1&1" vergleichen) sich um eine vierte Mobilfunklizenz bemüht hatte und 2011 tatsächlich an den Start ging mit National Roaming bei Orange und dem zügigen Ausbau eines eigenen 3G-Netzes (auch UMTS900) und dann auch LTE2600 und später auch LTE1800. Die Illiad-Gruppe hatte den Franzosen versprochen ihre Rechnungen zu halbieren und hatte binnen weniger Jahre aus dem Stand über 10 Mio. Kunden gehabt. Schon das Erstangebot war eine Sensation: € 20 mtl. Allnetflat, mtl. kündbar, 20 GB mit LTE-fähigen Smartphone im 4G/3G/2G-Netz und 3GB mit einem 3G/2G-only Smartphone. Dann wurden daraus 50 GB und nun 100 GB und für die eigenen free-DSL-Kunden sogar unbegrenztes Datenvolumen. Der Preis war immer stets dergleiche: 20 € für Mobilfunk-only-kunden, € 16 für eigene DSL-Kunden.
In der Folge hat Frankreich eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Statt wie in Deutschland das Preisniveau immer mehr nach unten zu drücken, sind die Preise stabil bei € 20 bis € 30 für Allnetflats und € 2 bis € 5 für Kleinsttarife fast ohne Datenvolumen (20 bis 50 MB nur), aber stets mit SMS-Allnetflat und um die 120 min Telefonie, geblieben. Dafür wurde in den Allnetflats immer mehr Highspeedvolumen reingepackt und anders als in D ist es in F üblich, dass in die Allnetflats auch eine Festnetzflat in viele europäischen und westliche Staaten reingepackt wird.
Fazit: Frankreich ist nichts für Pfennigfuchser. Wer auf Drillisch & co steht wird dort nicht glücklich, Allnetflats für € 5 sind Fehlanzeige. Aber wer sein Smartphone auf moderne Weise nutzen will und bei den GB keine Erbsenzählerei betreiben will, der wird da sehr glücklich und kann sich mittlerweile das Netz aussuchen, wo er seine 50 bis 100 GB Allnetflat bestellt.
Kommentar: Ich finde das französische Modell besser, denn es gibt den Netzbetreibern genügend Geld, um gute Netze auszubauen. Dafür bekommen die Kunden auch eine ordentliche Gegenleistung und können ihre Smartphones zeitgemäß nutzen. Es ist ein innovationsfreundliches Modell. Das deutsche Modell die Preise möglichst niedrig zu halten, auch auf Kosten der inkludierten Datenvolumina, ist dagegen auf Verschleiß ausgerichtet. Es bleibt kein Geld für guten Netzausbau. Diese Schwäche von O2 nutzt die Telekom wiederum aus um ihre Kunden gnadenlos abzuzocken. Die Telekom hat mich Sicherheit höhere Einnahmen als die frz. Netzbetreiber. Dennoch bietet sie keine vergleichbaren Tarife an. Unlimited bei free € 16 vs. unlimited bei der Telekom € 199. Das ist schon starker Tobak!