Die Frage dahinter bleibt ja bestehen, was das alles soll???
Auf der Metaebene haben wir die Diskussion, ob die SIM-Registrierung wirklich zu mehr Sicherheit führt, oder nur zu mehr Überwachung und Einschränkung von Rechten. Dies wird von Usern, Regierungen, Experten usw. sehr strittig gesehen. Das können wir hier nicht auflösen und dafür ist es in Deutschland jetzt zu spät.
OK. Nehmen wir mal an, die Sicherheit wird damit erhöht und die Staatsorgane (wo auch immer) missbrauchen diese Informationen nicht. Dann gibt es bestimmte Vorraussetzungen, z.B. dass alle mitmachen müssen, die hier roamen, dass alle Bestandskarten registriert werden müssen usw.
Es müssen natürlich auch alle anderen Betreiber mitmachen, wenn WebID und PostID online, Vodafone und O2 in den Läden alle eine mündlich gegebene Adresse akzeptieren und "verifizieren", wenn sie nicht im Ausweis steht oder gar keine Adresse wollen (wie bei mir z.B. WebID mit Reisepass).
OK. Nehmen wir mal an, das kommt alles noch, obwohl wichtige Regierungen wie in den USA oder GB dem negativ gegenüberstehen. Und irgendwann die Bundesregierung auch die alten SIMs registrieren oder sperren lässt.
OK. Welche Daten sind dann maßgeblich? Name, Vorname, Ausweisnummer, vielleicht Geburtsdatum und -ort, wenn nicht Deutschland, dann auch Nationalität. Von Deutschen eine Meldeadresse zu nehmen, hat vielleicht noch den Sinn, dass diese in der deutschen Sicherheitsarchitektur verankert ist. Nur: erschließt sich die für die Strafverfolgungsbehörden nicht auch aus den anderen Angaben? Ist diese Info nicht so redundant, wie das Geschlecht bei Thomas oder Ingrid zu erheben? Da würde ich noch eher verstehen, Fingerabdrücke zu nehmen.
Bei Ausländern, insbesondere aus Ländern ohne Meldewesen, eine amtl. beglaubigte Übersetzung einer Meldebescheinigung zu verlangen, ist einfach absurd. Die bringt nichts. Entweder ist sie für deutsche Behörden bzw. den Registrierer völlig nutzlos, außerdem ist sie nicht irgendwie überprüfbar. Und das Sicherheitssystem vieler Länder ist darauf überhaupt nicht aufgebaut. Zudem erfordert sie einen Aufwand, der in keinem Verhältnis zum Nutzen steht.
Ich habe gerade eine Anfrage eines US-Amerikaners hier, der nun wissen will, welche Unterlagen er für eine Telekom-SIM braucht. Weder die Telekom noch irgendeiner hier im Forum kann diese Frage bisher irgendwie beantworten. Er bekommt keine Meldebestätigung von irgendeiner Behörde, da es in den USA kein Meldewesen gibt. Ich habe schon von einem gehört, der die Kopie seiner Stromrechnung dafür verwendet hat. Nur die schleppt man nicht unbedingt mit sich rum. Ein Engländer hat die Adresse im Führerschein benutzt, wo er vor 15 Jahren mal gelebt hat. So lächerlich ist das inzwischen geworden. Und mit diesen "Ersatzpapieren" dann natürlich auch völlig einfach fälschbar.
Wenn die Telekom diese Adressprüfung wirklich so ernst nehmen würde, müsste jeder Prepaid-Nutzer ja folglicherweise jeden Umzug d.h. Verlegung seines Wohnsitzes an die Telekom melden. Von Deutschen ergibt sich die Meldeadresse zwingend aus Name, Vornamen und Ausweisnummer - das ist so wie Autokennzeichen ergibt Halter. Bei Ausländern ergibt eine "Anschrift" (im Ausland) nicht mehr Sicherheit.
Wenn also nicht Sicherheit Sinn dieser Maßnahme der Telekom sein kann, dann darf die Frage erlaubt sein: welchen hat sie dann? Vielleicht will man den Prepaid-Markt künstlich klein halten oder möglichst wenig Kurzzeitnutzer haben. Nun dann sollte man das Prepaid-Produkt völlig einstellen oder an Reseller weitergeben. Wie Lebara im gleichen Netz. Dort wird der Ausweis per App in den Registrierungsstellen vom Registrierer eingelesen. Wenn die App was falsch liest, dann kann das händisch nachgetragen/korrigiert werden wie bei mir z.B. die Umlaute. Genauso bei ausländischen Ausweisen, wo der Registrierer einfach die Daten händisch aufnimmt. Mehr sage ich jetzt nicht dazu...
Hier haben wieder mal einen Fall. Man kann ja durchaus über die Grundidee verschiedener Meinung sein. Aber Gesetzgeber, BNetzAG und insbesondere ein Anbieter agieren so dermaßen sinnentleert (es ging mal um mehr "Sicherheit" für uns), dass sich die beabsichtige Wirkung ins Gegenteil verkehren muss, weil man im Endeffekt bestimmte Personen zwingt, sie zu unterlaufen, wenn sie eine Prepaid SIM in Deutschland wollen: Entweder indem sie nun zu einem Anbieter gehen müssen, der es eben nicht so genau nimmt oder es anders sieht oder halt irgendwo im Ausland sich eine SIM fürs Roaming kaufen, dort wo überhaupt nicht nach irgendwas gefragt wird.
Ich persönlich kann nicht verstehen, warum bei den Befürwortern der Telekom-Politik hier im Forum und den Verantwortlichen diese Folge, die ja absehbar ist, eigentlich so begrüßt wird - denn sie muss doch gegen eure Grundinteressen nach "Sicherheit" sein, um die es euch doch geht. Oder ist es Euch im Endeffekt lieber, die in Deutschland genutzte SIM wird überhaupt nicht registriert? Man kann durch solche blödsinnigen Anforderungen auch Ausländer produzieren "die die Gesetze umgehen", damit sie einem dann wieder ins politische Bild passen.