Das ist mal eine interessante Frage.
Deutschland hatte den höchsten Anteil in Europa an Original-Discountern. Das war insbesondere E-Plus zu verdanken, die in den Nuller-Jahren im Jahr mehrere Marken neu rausbrachten. Seit 2 oder 3 Jahren kommen kaum neue dazu und die Reseller-Marken gehen eher wieder zurück.
Die Netzprovider versuchen kontinuierlich, die Reseller zu entwerten. Das machen Telekom und Vodafone z.B. mit der Weigerung LTE herauszugeben. Bei O2 ist es etwas komplizierter, da sie ja schon LTE im prepaid von Eplus quasi geerbt hatten. Dennoch ist der LTE-Ausbau auf dem Land und die LTE-Geschwindigkeit in den Städten bei O2 meist niedriger, so dass je nach Lage kein großer Vorteil zu Resellern im 3G von Telekom und Vodafone entsteht.
Es sind nur noch die Supermarkteketten übriggeblieben, da sie ein Distributionssystem quasi für lau mitbringen und der Markt es als Beigeschäft mitnehmen kann. Dann gibts noch die Nischen für Migranten und Ausländer. Richtige MVNOs haben es schwer dagegen. Neuere Reseller entwickeln sich nur noch im IoT und bezogen auf bestimmte Anwendungen. Zumeist sind die Reseller jetzt Töchter der Netzbetreiber geworden. Das ist international zu beobachten. Das MVNO-Modell wird von den Netzbetreibern immer weiter ausgehölt und potentielle neue Player aus dem Ausland werden abgeblockt.
Für die Netzbetreiber sind diese Reseller ja auch nur interessant, wenn sie neue Kundenkreise erschließen, die das Mainstream-Produkt nicht erreicht. Deutsche Netzanbieter sind zudem der Meinung, "richtige Kunden" müssten in Verträge, denn die postpaid ARPU ist doppelt so hoch. In Polen oder Österreich mit derzeit steigenden Prepaid-Markt kann man aber sehen, dass bei funktionierenden Wettbewerb das nicht unbedingt so nicht sein muss.
Deutschland geht aber immer mehr in einem gesättigten Markt wie z.B. in Skandinavien. Dort haben sich die Netzanbieter weitgehend aus dem Prepaid-Geschäft herausgezogen und bieten häufig gar kein Prepaid-Produkt im eigenen Namen mehr an. Das ergibt zwar wieder die Lücke für Reseller, die aber doch nur meist auch nur Töchter der Netzbetreiber sind.
Diese "Marktkonsolidierung" wird sich kaum vermeiden lassen, wenn nicht politisch-regulativ Signale kommen, dass man neue Player auf dem Markt haben will. Und die sehe ich gerade nicht. Sie müssten auch gegen Firmen ankämpfen, die gerade vom CSD bis zur Dorfkirmes alles sponsoren und wären doch von ihnen abhängig. Die EU-Roamingregelung und die Novellierung der Prepaidregistrierung waren 2 politische Maßnahmen, die tendenziell die großen Netzbetreiber stärken und für kleine Newcomer ein hohe Risiko bedeuten.
Bis heute bin ich mir nicht sicher, ob das MVNO-Modell wirklich funktioniert, wenn man es nicht regulativ-politisch unterstützt. Ansonsten sind das nur viele Marken, die im Endeffekt das gleiche Produkt verkaufen zu leicht verschiedenen Konditionen und Vielfalt und Wettbewerb nur vorspielen.