Nachdem der Beitrag über spanische Betreiber hier so so gut angekommen ist, will ich in loser Abfolge nun auch unsere anderen Ergebnisse zusammenfassen. Das mache ich weiter nach Ländern bzw. Ländergruppen getrennt aus denen die SIM-Karten kommen. Bezüglich Großbritannien bekomme ich zur Zeit die meisten Anfragen, darum soll es jetzt mit Großbritannien (und Irland) weitergehen. Wie Ihr konnte ich in den letzten Monaten auch nicht da hinfahren, sondern war auf online Lösungen und Postversand angewiesen.
Die Briten haben uns in Zeiten des Lockdowns ziemlich gerettet. Deren SIM-Karten sind weiter anonym, unregistriert und billig mit oft 99 Pence (z.Zt. 1,15 €) pro Stück im Laden. Leider konnte man längere Zeit nicht hinfahren, aber sie können auch leicht z.B. über eBay.co.uk erworben und nach Deutschland geschickt werden, wenn sie auch neuerdings ggf. durch den Zoll müssen, was aber wegen dem minimalen Wert unproblematisch ist. Viele der besseren Angebote sind sogenanntes "unechtes" oder "hybrides" Prepaid d.h. müssen an eine Kreditkarte oder PayPal gebunden werden, aber dieser Link kann jederzeit wieder aufgelöst und die Nutzung unterbrochen oder beendet werden. Normalerweise sind Prepaid-SIM-Karten von der Insel mind. 6 Monate ohne Nutzung pausierbar d.h. man muss nicht einmal aufladen, sondern nur eine SMS schicken zur Verlängerung nach max. einem halben Jahr (Ausnahme: Lyca und Lebara). Bei unechten Prepaidlösungen muss allerdings mindestens ein Paket (hier häufig Plan genannt) gekauft werden, weil da ja meist kein Guthabenkonto dazu geführt wird, sondern der Preis am Anfang des Planmonats von der Kreditkarte abgebucht wird.
In Großbritannien gibt es 4 Netzanbieter in einen sehr konkurrierenden Markt: EE (von der British Telecom), o2 (von Telefónica), Vodafone und Three. Jetzt zunächst die schlechte Nachricht: Wer meint, die Telekom in Deutschland in LTE über britische Anbieter bekommen zu können, irrt sich und braucht hier nicht weiterlesen. Nachdem Three UK zum Jahreswechsel 2020/21 aus den Telekom-Roaming ausgestiegen ist, roamen alle britischen Anbieter bei Vodafone und/oder o2 im LTE-Netz in Deutschland.
Im Weiteren werden auch EE (als bestes Netz auf der Insel) und o2 UK sowie ihre vielen Reseller (giffgaff, to the moon, usw.) nicht näher betrachtet, denn alle roamen nur im o2-Netz in Deutschland. Gerade in diesem Netz gibt es sehr günstige Angebote auch bei uns, so dass man dafür nicht ins Ausland ausweichen muss. Aktuell verkauft Mobilcom-Debitel die unbegrenzte o2-LTE-Datenflat mit max. 300 Mbit/s für 30 € und 1&1 über winSIM 20 GB für 17 €, auch in kurzfristigen monatlichen Verträgen. Großbritannien ist also das gelobte Land, wenn man das deutsche Vodafone-Netz günstig in 4G, ggf. auch 5G mit vielen Daten ohne Bindung haben will oder zusammen mit o2 als Zweitnetz, was bei uns ja eher weniger angeboten wird.
Inzwischen sind die britischen Anbieter etwas großzügiger geworden bei der Akzeptanz europäischer Kredit- oder Debitkarten zum Aufladen. Das war bis vor kurzen oft nur auf britische Karten beschränkt, geht jetzt aber in der Regel mit den üblichen internationalen Master- und Visa-Karten wie etwa N26, Revolut etc. Man sollte möglichst Zahlungsquellen ohne ein sog. Auslandseinsatzentgelt oder Umwechselgebühr nehmen, damit die guten Preise nicht durch die Pfund->Euro-Umrechnung wieder aufgefressen werden. Generell ist der Support bei den unten genannten Angeboten sehr gut, wenn man etwas Englisch spricht und den online Chat bemüht.
Nach dem endgültigen Ausstieg von Großbritannien aus der EU bestanden zum Jahreswechsel 2020/21 Befürchtungen, dass die britischen Betreiber aus dem aufschlagsfreien EU-Roaming ("Roam like at home") aussteigen werden. Das hat sich zum Glück bisher nicht bewahrheitet. Auch die deutschen Anbieter bleiben in England zunächst bei den alten Regeln. Die britischen Betreiber schauen aber nun genauer bei der FUP (Fair Use Policy) hin und haben eine strengere Umsetzung angekündigt. Davon ist bisher zwar konkret nicht viel umgesetzt, könnte sich aber jederzeit ändern. Wir beobachten die beiden besten Angebote Voxi und Smarty (s. weiter unten) genau und schreiben im Thread, wenn sich nachweislich etwas geändert hat, was für die nächsten Monate durchaus möglich erscheint. Darum ist das hier nur eine Momentaufnahme mit Stand Mai 2021.
Three UK (Smarty, Superdrug mobile)
Fangen wir mit Three UK an, dem günstigsten Anbieter auf der Insel. Sie haben auch das schwächste Netz dort und müssen unter dem Preisniveau der anderen verkaufen. Das könnte sich bald ändern, da sie sich das größte 5G-Spektrum gekauft haben und massiv 5G ausbauen. Three macht bei uns das Vodafone-Netz in 4G, meist sogar 5G und das o2-Netz in 4G auf, aber überhaupt nicht mehr die Telekom wie noch bis einschl. 2020. Hier geht es konkret um drei verschiedene Three-Marken, die nicht untereinander getauscht werden können:
Zunächst original Three PayAsYouGo (so der engl. Name für Prepaid) ist bei vielen seit langen ein Roaming-Favorit. Ihr Programm Roam like at home, inzwischen in Go Roam umgetauft beinhaltet viele anderen Länder außerhalb der EU zum britischen Inlandspreis wie die USA, Brasilien, Hong Kong, Israel oder Vietnam, die sonst nur mit lokalen SIM-Karten so günstig wären. In Übersee sind die Daten auf max. 12 GB, in der EU auf 20 GB pro Monat gekappt. Ein weiterer Vorteil von Three war der 1p (ca. 1,1c) pro MB Standardtarif ohne gebuchtes Paket. Der wurde inzwischen auf 5p/MB angehoben. Damit ist sie auch für Minimaleinsätze nicht mehr so attraktiv. Zu beachten ist auch, dass ältere Three PAYG SIMs etwas anders abgerechnet werden. Einzig die Mobile Broadband Serie verblieb bisher auf 1p/MB. Wenn es um mehr Daten im Roaming nur in Deutschland geht, ist sowieso die Billigmarke Smarty günstiger.
Smarty ist eine online Billigmarke des Anbieters Three mit sog. unechten Prepaid, d.h. Bindung und Bezahlung des monatlichen Plans an eine Debit-/Kreditkarte, was aber jederzeit unterbrochen werden kann. Wie auch Three's Eigenmarke ist das Roaming in der EU fest auf max. 20 GB pro Monat begrenzt, egal wieviel Volumen man kauft. Damit eignet sie sich nur für Nutzer, die nicht mehr als 20 GB pro Monat bei Vodafone oder o2 im Netz brauchen. Hier hat Smarty auch schon kleinere Limits genannt, aber bisher nicht umgesetzt. Damit ist der 30 GB-Plan d.h. mit max. 20 GB im Roaming für £10 (z.Zt. 11,60 €) die beste Lösung, alle kleineren Pakete werden unverhältnismäßig teuer. Smarty gibt es bei ebay.co.uk und anderen Quellen und lässt sich einfach von Deutschland aus aktivieren. Wie bei Voxi und Superdrug (s. unten) gibt es bisher keine App (ist aber angekündigt), sondern ein Web-"Dashboard" in der man alle Einstellungen machen kann. Auch hier besteht die Möglichkeit, dass die Roaming-Freigrenzen in Zukunft abgesenkt werden, die erweiterten Länder von Three's Eigenmarke gelten nicht, nur EU/EWR-Roaming.
Superdrug mobile ist die Marke der Superdrug-Drogeriemarktkette in Großbritannien, die zufällig auch dem Mischkonzern Hutchison Whampoa in Hong Kong gehört, genau wie das Three UK-Netz. Grundsätzlich ist sie so ähnlich wie Smarty aufgebaut zusätzlich mit Kundenbindungsmodell an die Drogeriekette, hat jedoch den Three/Smarty Roaming-Cap von max. 20 GB pro Monat nicht umgesetzt. Das bedeutet, dass ihre unbegrenzte Datenflat zu £20 (aktuell ca. 23,22 €) pro Monat auch wirklich unbegrenzt läuft auch im EU/EWR-Roaming, nicht aber in der erweiterten Three Go Roam Länderliste. Auch hier sind die kleineren Pakete uninteressant, weil sie preislich über Smarty liegen. Eine Superdrug mobile SIM ist allerdings ohne England-Besuch ziemlich schwer zu bekommen, da sie nur an britische Adressen die SIM schicken und es keinen Sekundärverkauf sonstwo gibt. Man muss entweder Freunde vor Ort dazwischen schalten oder einen kommerziellen Postweiterleiter oder halt demnächst bald wieder selbst dort hinfahren.