Dann wollen wir mal rechnen, wie sich die FUP-begrenzten Tarife ab 1.1.2020 verändern.
Das gilt nicht für alle Tarife, denn die FUP ist ja freiwillig und wird nicht überall eingesetzt. Von deutschen Anbietern überhaupt nicht oder nur für sehr große Tarife. Darüber stellen sie das Minimum da, welches jeder Betreiber in der EU herausgeben muss zum Inlandstarif.
Die Absenkung des max. Großhandelspreises zum 1.1.20 erfolgt von 4,50 € auf 3,50 € pro GB laut EU-Vereinbarung. Es muss also über 22% mehr als bislang herausgegeben werden.
Die Rechnung geht wie folgt: 3,50 € pro GB ist der neue Nettopreis. Jedes Land muss noch seine Mwst. oder genauer Umsatzsteuer zufügen. Die sind in der EU etwas unterschiedlich zwischen 17% in Luxemburg und 27% in Ungarn. Daher kommt es auch zu leicht unterschiedlichen Grenzen, je nach Ausgabeland der SIM-Karte.
Rechnen wir zunächst mit dem 19%-Satz in Deutschland. Das macht 0,665 € Steuer, also brutto (3,50€ + 0,665€ =) 4,165 € pro GB. Die EU schreibt nun vor, dass die doppelte Menge herausgegeben muss zum Inlandspreis, bevor Aufpreise erhoben werden dürfen. Es müssen also 2 GB für 4,165 € sein. Diese Relation ist unpraktisch zu handhaben und ich nehme immer ein 10 € Paket im Einzelhandelspreis als Beispiel. Für diese 10 € Kaufpreis müssen mindestens (Dreisatz: 10*2/4,165) = 4,8 GB herausgegeben werden. Dementsprechend für 5 € mindestens die Hälfe also 2,4 GB oder für 20 € mindestens das Doppelte mit 9,6 GB.
Dies gilt natürlich nur, wenn der Inlandspreis im Paket oder Tarif unter 4,165 €/GB liegt, ansonsten macht die Regelung keinen Sinn und es gilt der jeweilige teurere Inlandspreis. Wenn man nun mehr nutzt, sind die Aufpreise auf 4,165 € pro GB gedeckelt in MB-Schritten, also konkret 0,4165 Eurocent pro MB.
In anderen EU-Ländern gelten andere Steuersätze: In Frankreich und Großbritannien 20%, in Spanien 21% und in Italien 22%. Nehmen wir mal Italien als extremstes Beispiel. Hier sind 3,50 € netto 4,27 € brutto. D.h. es müssen dort mind. 4,68 GB statt 4,8 GB bei uns herausgegeben werden. WindTre rechnet mit 4,7 GB und Aufpreisen von 0,427ct pro MB.
Für unsere Angebote können wir also von einem Minimum von 4,7-4,8 GB ausgehen, das aufpreisfrei im Roaming für ein 10 € teuren Plan (Daten oder Smart) bei einer Volumen-FUP herausgegeben werden muss, falls es sich um ein billiges Paket handelt, bei dem der Inlandspreis darunter liegt. Darüber hinaus gibt’s Aufpreise um ca. 4,20 € pro GB in MB-Schritten.
Was heißt das jetzt für die Tarife? Wir haben effektiv eine Zweistaffelung der Roamingtarife - sofern sie unter die FUP fallen - je nach verbrauchten Datenvolumen:
- (A) zunächst gilt der zumeist günstigere Inlandspreis bis zur FUP-Volumengrenze
- (B) darüber gilt der geregelte Aufpreis von ca. 4,20 € pro GB in fairen MB-Stufen
Schauen wir das mal an einem FUP-Tarif von WindTre aus Italien an: der Giga International gibt 40 GB für 9,99 € pro Monat in Italien. Für diese 9,99 € bekommt man 4,7 GB in der EU, also das GB für rechnerisch 2,13 €. Man zahlt also für 4,7 GB 2,13 € pro GB und von 4,7 GB bis 40 GB 4,27 € pro GB.
Und so sieht es analog bei jedem Paket aus, das nach der FUP geregelt wird:
- (A) der Inlandspreis, der bei voller Ausschöpfung des FUP-Freikontingents ca. 2,10 € / GB beträgt
- (B) der Aufpreis, den man darüber zahlt bis das Paketvolumen ausgeschöpft ist von ca. 4,20 € /GB
Man muss nur 2 Sachen beachten. Um den günstigen FUP-Preis (A) zu bekommen, muss man das FUP-Freikontingent voll ausschöpfen. Um den Aufpreis (B) in dieser Höhe zu begrenzen, darf man nicht über das Gesamtinlandsvolumen des Pakets gehen. In unserem italienischen Beispiel wären das 4,7 GB Mindestverbrauch (zu 2,10€/GB) und max. 40 GB Gesamtverbrauch im Monat (wobei ab 4,7 GB bis 40 GB 4,20€/GB in MB-Schritten berechnet werden).
So kann man sich einen schönen Tarif zimmern. Nehmen wir an, man verbraucht so in der Regel 5 GB pro Monat. Es kann aber mal passieren, dass es auch mal 1 oder 2 GB mehr werden. Für die 5 GB würde man 9,99 € Grundpreis + 1,28 € Aufpreis für 300 MB zahlen = 11,27 €, für 6 GB etwa 14,50 €, für 7 GB knapp 20 €. In Deutschland müsste man stattdessen auch einen 5 GB Tarif für die Menge nehmen und dann ggf. ein Erweiterungspaket. Man sieht aber schon, dass es schnell teurer wird, wenn man über die FUP-Grenze kommt.
Was heißt das nun für den Vergleich mit deutschen Tarifen?
2,10 € pro GB im Paket liegt etwa auf der Höhe der günstigsten deutschen Prepaid-Tarife momentan. 4,20 € pro GB liegt deutlich darüber, allerdings wird durch die pro-MB-Taktung dabei günstiger abgerechnet als etwa durch ein Erweiterungspaket oder gar dem Grundtarif. Dennoch kann man sagen, dass Tarife aus dem Ausland, sofern sie unter die FUP fallen, keine Abzocke mehr sind, da sie inzwischen etwa so teuer sind wie einheimische, aber auch keinen Vorteil dazu bieten, außer sie haben besondere Features wie 2 oder 3 Netze, Roll-over oder anderes. Darum werden wir auch weiter diese Tarife im Auge behalten, der Schwerpunkt von R@H wird aber dort bleiben, wo diese FUP (noch) nicht gezogen wird und niedrigere Preise zu erzielen sind.