Ein Gesprächspartner berichtete über die Anzeige „HD-Qualität“ […]
Ja, der TP-Link MR6500v signalisiert über VoLTE auch HD-Voice (AMR-WB). Aber analoge Telefone bieten das gar nicht. Folglich muss der TP-Link dann immer umkonvertieren. Und Patent-Kosten hat das auch noch verursacht. Merkwürdig.
Noch merkwürdiger: Schaltet man den TP-Link von VoLTE auf VoIP/SIP, dann bietet er kein HD-Voice (G.722). Das wären sogar gar keine Patent-Kosten. Dafür bietet er über VoIP/SIP auch noch den Audio-Codec G.729 (ohne Annex B). Was mit meiner Telefonanlage (Digium Asterisk) nicht einmal sauber funktioniert. Selbst in einem einfachen Echo-Test, bei dem die Sprachpakete des TP-Link einfach wieder zurückgeschickt werden, kommt die Sprache immer wieder im Gespräch völlig verzerrt an. Ursache unklar, noch nie gehabt. Auch bietet der TP-Link noch G.726-32 und G.721. Auch die führen fast unweigerlich zu schlechten Gesprächen. Selbst wenn ich G.711 A-law nehme, habe ich eine Verzögerung jenseits von gut und böse. G.711 μ-law ist ein bisschen besser. Aber, aber, ich fand bisher keinen Weg die Audio-Codecs im TP-Link zu verstellen – ich habe das nur erreicht, indem ich die Gegenseite des Telefonats beschränkte. Würde ich mich nicht mit meiner Telefonanlage sondern direkt mit einem VoIP/SIP-Anbieter verbinden, hätte ich das gar nicht unter Kontrolle. Also was TP-Link hier abliefert, ist ja lieb gemeinst, aber nicht mal mangelhaft, das ist für einen ATA-Adapter einfach nur ungenügend.
Wohlgemerkt, das war sogar im Modus „Wireless Router“, also nicht über den Umweg des LTE sondern in meinem Heimnetz (LAN). In diesem Modus könnte ich den TP-Link sogar als Haupt-Router nutzen. Also Cable-Modem in Bridge-Modus schalten. Oder externes DSL-Modem gekauft. Und schon hat man einen Router, der automatisch auf LTE zurückfällt: 4G-Backup. Dazu löst TP-Link alle 15 Sekunden über den gelernten DNS-Server a.root-servers.net auf. AVM macht das anders und geht jedenfalls bei PPPoE über Echo-Pakete. Statt DNS-A testet der TP-Link auch über Pings – IPv4 und/oder IPv6. Was man über DNS-A bzw. Ping abfragt, lässt sich einstellen. Alternativ kann ich auf das automatische 4G-Backup verzichten. Ehrlich? Ist auch der saubere Weg. Hätte ich einen normalen Internet-Ausfall, sollte ich das erst ergründen und melden. Dann kann ich immer noch über die Web-Oberfläche manuell auf 4G schalten. Übrigens: Ist das 4G-Backup aus, blendet TP-Link die Status-LED für den Empfang einfach aus. OK. Aber ein angeschlossenes Telefon funktioniert dann über VoLTE noch immer. Wenigstens.
Weil Gigabit-Ethernet fehlt, ist der Modus „Wireless Router“ aber nur für Internet-Anschlüsse mit bis zu 100 Mbit/s sinnvoll, also z. B. VDSL100. Denn ansonsten wäre der TP-Link selbst der Flaschenhals. TP-Link macht schon seit knapp zwei Jahren Werbung für einen TP-Link Deco 5G bzw. jetzt ganz aktuell den TP-Link Deco X80-5G. Die böten für das WAN endlich auch Gigabit bzw. sogar Multi-Gigabit. Nur wo sie bereits erhältlich wären, wüsste ich nicht.
Router werden immer komplexer. Und irgendwas fehlt immer. Oder ist seltsam schlecht gelöst. So bietet der TP-Link auch dynamisches DNS. Aber anstatt dass ich frei meinen eigenen Server/Dienst wählen könnte – geht in AVM FRITZ!OS einfach so –, bin ich auf No-IP, DynDNS und den TP-Link eigenen TP-Link Cloud Service beschränkt. Aha. Überhaupt „TP-Link ID“. Das ist nichts anders, als das ich dem Hersteller eine Hintertür zu meinem ganzen Router gewähre. Als ich den Datenverkehr am WAN mitschnitt, durfte ich zusehen, wie der Router mittels HTTPs über n-device-api.tplinkcloud.com und danach n-euw1-device-api.tplinkcloud.com nach Hause telefonierte. Was, warum, wie abschaltbar? Keine Ahnung. Ich habe nicht mal eine ID. Traue ich TP-Link, genug Rückgrat zu zeigen und Nein zu jeder übergriffigen Verfolgungsbehörden zu sagen?
Zum Router könnte ich noch viel mehr schreiben. Angeblich kann er sogar DS-Lite (RFC 6333), aber ob das am Ende mit 1&1 bzw. NetCologne in Deutschland kompatibel ist? Wie geschildert, Router sind heute komplex und irgendwas ist immer, daher bleibt wohl nur selbst testen. Ansonsten, wenn spezielle Frage, einfach hier fragen.
Zurück zum Modus „4G Router“. Eindrucksvoll, hier haben viele emsige Programmierer viele, viele Stunden ihres Lebens verhaucht. VoLTE, Anrufbeantworter, SMS, USSD, IPv6. Und es klappt. Das schaffen viele andere Hersteller selbst für das Zehnfache nicht. Naja, jedenfalls mit Vodafone (getestet: CallYa) und O₂ (getestet: Loop). Meine eine Telekom Deutschland (getestet: Penny) bot kein VoLTE … obwohl die selbe SIM in einem normalen Handy nicht nur VoLTE sogar auch VoWiFi bietet. Einzig die Verwendung von Micro-SIM irritiert dann doch. Apple hatte damals mit Einführung von LTE extra auf Nano-SIM gesetzt. Warum dann überhaupt Micro-SIM? Naja, die neuste Hardware-Revision soll das ja behoben haben. Jedenfalls als ich ein paar alte Micro-SIMs durchtestete, konnte TP-Link viele gar nicht erst starten. Im Log fanden sich die wildesten Qualcomm QMI-Fehler, so dass die SMS-Zentrale leer gewesen sei und so weiter. Bei meinem gebrauchten Gerät war kein TAE-Adapter bei. Den muss man sich wohl extra kaufen, denn TP-Link unterstützt nur jene analogen Telefone, die die Adern/Kontakte in der Mitte haben. Alte Siemens-Telefonen hatten noch die äußeren Kontakte belegt → TAE-Adapter.
Der verbaute WLAN-Access-Point ist nichts anderes als ein TP-Link TL-WR841N. Den bekommt man für 10 € neu. Gebraucht auf eBay-Kleinanzeigen geht so ein Single-Band-WLAN auf 2,4 GHz nur noch verschenkt weg. Trotzdem wirkt die ganze Software-Plattform, als würde sie auf diesen Geräten aufbauen. Alle LEDs kann man abschalten. Warum TP-Link sich aber nicht durchringen konnte, wenigstens noch ein WLAN-Modul für Wi-Fi 5 zu verbauen. Oder es wenigstens TP-Link OneMesh kompatibel zu machen. Und dann doch:
- MR200 plus 1 Spatial-Stream in 5 GHz (802.11ac; TP-Link OneMesh seit Hardware-Version 5.20)
- MR400 plus 2 Spatial-Stream in 5 GHz, 2 Spatial-Stream in 2,4 GHz (Hardware-Version 1.00 hatte noch 3 Spatial-Stream; TP-Link OneMesh seit Hardware-Version 4.20)
- MR600 plus 2 Spatial-Stream in 5 GHz, 2 Spatial-Stream in 2,4 GHz, aber Gigabit-Ethernet
TP-Link listetet aktuell ganze neun Modelle … Folglich zahlt man im TP-Link MR6500v fast den vollen Preis allein für das LTE-Modul. Und wer den TP-Link MR6500v kauft, macht das (nur) wegen VoLTE.
Beeindruckend was TP-Link geleistet hat. Dass ein kompletter deutscher Netzbetreiber für VoLTE nicht geht, leider im Mobilfunk normal. Dass viele SIMs nicht starten, leider im Mobilfunk normal. Enttäuschend, dass TP-Link das nach zwei Jahren nicht im Griff hat. Noch enttäuschender sind die Lauflängen der Sprachpakete. Und irgendwie ist, alles Flaschenhals: Fast-Ethernet, Single-Band-WLAN, LTE Category 4. Am Ende hilft der tollste Test-Bericht nicht. Denn solch ein Produkt muss man ausprobieren, ob man mit den Einschränkungen klar kommt und ob es überhaupt geht. Gebraucht kaufen ist so eine Sache. Diese Hochglanz-Oberfläche, dieses Klavierlack ähnliche Plastik, es sammelt nur eines: Kratzer.