Ich kenne weder in meinem Umfeld Leute die sich fuer Elektroautos intressieren, [...]
Da ist er wieder, der beschränkte Horizont und die ostbayrische subjektive Wahrnehmung. Es gibt aber unter den 82 Millionen auch Leute außerhalb deines Umfelds, welche sich aus den verschiedensten Gründen für alternative Antriebssysteme interessieren.
Die Idee mit den Ladestationen bei Arbeitgebern finde ich nicht so wirklich sinnvoll. Für jemanden mit einer Garage und max. 35km Fahrtweg wuerde das zum Beispiel garnichts bringen.
Hoechstens Leute ohne eigenen Stellplatz. Aber was ist dann bei Urlaub oder am Wochenende? Gerade dann faehrt man ja in der Regel eher weitere Strecken.
Zum Laden beim Arbeitgeber: Dies finde ich überaus sinnvoll, da dieser geldwerte Vorteil komplett steuer- und abgabenfrei ist. Der Chef kann Betriebsausgaben geltend machen, der Angestellte lädt kostenfrei. Win-Win. Gerade für Pendler ist das Ladekonzept Heimstellplatz <-> Arbeitsstellplatz sinnvoll. Ganz ehrlich: Wie viele spontane Fahrten > 250 km unternimmst du jede Woche?
Zu den Urlaubsfahrten: Stell dir vor, man kann im Bedarfsfall auch größere Autos (mit Verbrennungsmotor) mieten. Fiktives Beispiel: Im Alltag nutzt man für die tägliche Pendelstrecke auf Arbeit einen Klein(st)wagen (Verbrenner/Elektrisch) oder (sofern im Nahbereich verfügbar) den ÖPNV. Wenn man mit der Familie in den Urlaub fährt kann man über diverse Portale oder über ein Autohaus vor Ort einen T5 oder ein anderes größeres Fahrzeug mieten. Warum sollte man sich für wenige Tage im Jahr ein für den Alltag überdimensioniertes teures Fahrzeug anschaffen? Ich habe mich neulich mit einem Bekannten über Mobilität im Allgemeinen und sein Konzept im Besonderen unterhalten. Er und seine Frau haben gar kein Auto mehr. Beide teilen sich 1 (!) Abokarte für den ÖPNV (mit Mitnahmereglung am Abend und an den WE ganztags), nutzen zusätzlich das Fahrrad und Carsharing. Er ist meist im urbanen Raum unterwegs, sie als Musikerin auch zu Konzerten in ganz Deutschland. Die Konzerttermine sind weit im Voraus bekannt, sodass man problemlos sein Wunschfahrzeug reservieren kann. Auch die (nicht jedes Wochenende stattfindenden) Fahrten zur Verwandtschaft nach Passau unternehmen die beiden problemlos mit den Fahrzeugen des lokalen Carsharinganbieters. Es interessierte beide auch nicht sonderlich, als sie vor Pfingsten an der Autobahn für 1,999 EUR/Liter Diesel tanken mussten. Zugegeben: Dieses Konzept wird im sehr ländlichen Raum ohne Carsharing-Infrastruktur und mangelhaftem ÖPNV so nicht funktionieren.
Beispiel 2: Freunde (nicht aus der Stadt, aber im Speckgürtel ein Haus bewohnend) besaßen bislang zwei Fahrzeuge (er einen großen Kombi, sie einen Kleinwagen). Den Kombi hat man vor zwei Jahren verkauft und nutzt im Alltag nur noch den Kleinwagen, für die Urlaube wird einfach ein großes Auto gemietet. Ich habe nachgefragt: Die Familie hat tägliche Abläufe etwas umorganisiert aber keinerlei Lebensqualität verloren!
Du siehst, abseits von deinem Mikrokosmos gibt es unendlich viele verschiedene Bedürfnisse und genauso viele Optionen. Es ist IMHO ein (deutscher) Irrglaube, dass man nur mit einem eigenen Auto und ohne Tempolimit auf den Autobahnen uneingeschränkte Mobilität und Freiheit genießen kann.