Eine Mehrmarkenstrategie kann durchaus sinnvoll sein, allerdings sollte man dann schon jeder Marke ein Konzept und eine Zielgruppe geben, und das Angebot dann zielgruppengerecht bewerben. Aber im Grunde unter allen Marken die Selben Tarife anbieten, und alle paar Wochen die verschiedenen Tarifvarianten wild zwischen den einzelnen Marken durchtauschen, ist eigentlich schon Unsinn.
Eine Mehrmarkenstrategie ist aus meiner Sicht einfach nur eine Strategie eine Ödnis in einen bunten Regenwald zu verwandeln. Vordergründig. Hintergründig läuft dann alles über eine Software mit variierendem Briefkopf bei der Abrechnung. Schön bunt aber unter dem Strich leider doch grauer Einheitsbrei.
Die Preisspielchen dienen IMHO dazu, einen gewissen Druck und Bewegung zu simulieren. Außerdem gibt es vielleicht auch Zeiten im Jahr, in dem Leute gehäuft Verträge abschließen (weiß ich aber nicht). Da hätte man bei den Drillisch-Eskapaden dann die Chance ein paar Zusatzeuro abzukassieren. Ist der Kunde erst gefangen, hat man ja einen schönen Zaun, dessen Überwindung einen gewissen zeitlichen und finanziellen Aufwand erfordert. Womit wir bei der Todsünde Trägheit wären.
Letztlich ist es doch so, dass man eben keine Mehrmarken im Mobilfunk braucht, weil man den Bedarf mit einem Strauss an Tarifen innerhalb einer Marke voll und ganz abdecken kann bzw. könnte. Mobilfunk ist nun einmal soweit entwickelt, dass er voll verbreitet ist, bis auf ein paar Spezialnischen (M2M, Extremnutzer) ist es ein Markt der grauen Masse in der der eine ein paar GB mehr konsumieren will und der andere ein paar weniger. Dazu braucht es eigentlich keine Marken. Ein Tarifportfolio + Erweiterungsoptionen wäre ausreichend. ABER eben auch schreiend langweilig. Und Konsumenten hassen Langeweile.
Ebenso wie es für Ölkonzerne hintergründig keinen Sinn macht, bei Tankstellen eine Mehrmarkenstrategie zu fahren. Vordergündig schon, denn der Konsument liebt die Vielfalt, sei sie auch nur leere Fassade. Letztlich gibt es aber an jeder Tankstelle dann die gleichen Sorten und die Mehrmarkenstrategie dient mehr oder weniger nur der Unterhaltung. So funktioniert nach meiner Ansicht Drillisch.
Eine zeitlang war Drillisch wirklich der Preisbrecher im deutschen Mobilfunkmarkt.
Aber mittlerweile hat Drillisch kaum etwas zu bieten, was man nicht zu ähnlichen Konditonen auch direkt bei o2 oder eben bei den verschiedenen Discountern bekommen würde.
Wie sollte Drillisch auch Preise brechen können. Drillisch ist, wenn auch zu offensichtlich ganz guten Konditionen, Mieter im o2-Netz. Damit sind die Grenzen gesetzt. Vermietet ein Mieter an einen Untermieter bzw. an viele Untermieter, ist seine Grenze ganz automatisch gesetzt durch Einkünfte = Ausgaben + Betriebsgewinn. "Preisbrecher" kann so niemals gehen, denn entweder verzichtet man dann nach der maximalen Ausdünnung und Verschlankung aller Prozesse (was die Netzbetreiber zunehmend auch tun) auf den Gewinn oder man kann eben nicht mehr billiger. Und warum sollte man auf Gewinn verzichten, wenn kein wirklicher Wettbewerber da ist, der angreifen könnte oder wollte?
Der deutsche Mobilfunk ist ein Produkt jahrelanger fehlgesteuerter Regulierung/Frequenzvergabe etc. (Meine Meinung!) Und daran können "Pausenclouwns" wie Drillisch nichts ändern. Und im Grunde werden die auch gar nichts ändern wollen, denn ein Markt mit abnehmender Wettbewerbsintensität ist das Bequemste, was Anbietern passieren kann. (Freie Tankstellen sind im Schnitt auch nur 1-2 ct billiger als die Marken. Warum auch nicht, welche Alternative hätte man?)
Die Ursünde war aus meiner Sicht die Versteigerung der UMTS-Lizenzen. Damals hätte die Chance bestanden, einen 5. Player zu etablieren. Einen, der tatsächlich von außen kam. Aber natürlich lebt es sich zu viert ruhiger als zu fünft und somit ist es am Ende den Anbietern sogar egal, was für UMTS auf den Tisch gelegt wurde. Erstens hat man die Kosten über die Jahre abgeschrieben und zweitens finanzieren den Nachsteueraufwand die Verbraucher, die bei einer in Grundsatzfragen einheitlichen Auffassung der Netzbetreiber über die Jahre mit "überteuerten" Tarifen gemolken werden. Schwupp haben wir das deutsche Oligopol.
Wie gesagt, Drillisch und die noch verbliebenen Service-Provider halte ich für Pausenclowns, die Wettbewerb simulieren sollen, sonst käme am Ende noch jemand auf die Idee, dass er nur die Auswahl zwischen 3 Großkonzernen hat.
Einen maßgeblichen Eingriff hätte es beim Aufkommen mobiler Daten geben können, wenn die Störerhaftung bei WLANs frühzeitig, also vor 10 Jahren, grundlegend neutralisiert worden wäre. Dann hätten die Massen oder wenigstens Gewerbetreibende ihre WLANs öffnen können und jeder hätte an jeder bewohnten Ecke eine Datenalternative gehabt. Das hätte gerade in Ballungsräumen massiven Druck ausgeübt. Nachdem aber jeder einen kennt, oder zumindest gewarnt wurde vor offenen WLANs, ist dieses Thema für immer vom Tisch. Da halfen auch halbherzige Nachbesserungen des Gesetzgebers nichts mehr.
Diese Situation kannst du auf viele viele Teilmärkte bis hinein in die Lebensmittel übertragen. Leuten, die gern Käse essen, empfehle ich bei der Gelegenheit immer, von den Lieblingssorten die Herstellercodes zu checken und zu staunen. Ja. Die Käsetheke ist bunt, wenn man aber genauer hinguckt, kommt ein riesiger Anteil in einem vormals zerklüfteten Markt von D/SN 016 und D-BY 718. Viele bunte Fähnchen, eine große große Großmolkerei. Hoch lebe der Wettbewerb. Aber solange die Leute das Zeug in sich hinein stopfen ist doch alles gut... Gleiches gilt für den Markt der Bierbrauerei. Den haben mehr oder weniger 2-3 Großkonzerne weltweit aufgerollt und faszinieren nun mit einer auf Kosten getrimmten Mehrmarkenstrategie. Und alle Kartellämter haben dabei weg geschaut.