Beiträge von AlexCeres

    Diese Naivität überrascht mich bei so einem großen Konzern schon etwas.

    Ich denke nicht, dass man hier von Naivität sprechen kann. Vielmehr hat Vodafone, weil denen das Wasser bis zum Hals steht, einem Deal zugestimmt, der gegen carrierübliche Abrechnungsmodelle verstößt. Deswegen hat der Deal ja selbst Brancheninsider überrascht.

    Spricht aber für Dommi und sein Verhandlungsgeschick.

    Was ich meine ist, dass Drillisch Tarife keine üblichen Discountereinschränkungen haben, denn sie sind mit VoLTE, WLAN-Call, Anklopfen, Makeln, Dreierkonferenz und Multi-SIM ausgestattet. Die einzige Einschränkung ist die Beschränkung auf 50 MBit/s und LTE.

    Daraus spekuliere ich, dass die portierten Drillisch Kunden keinen 5G Zugang erhalten werden, denn sonst wäre die maximale Geschwindigkeit der einzige Unterschied zu Premium "Mutter" Tarifen.

    Klar. Zum schnittigem Abwehrpreis. Ich würde wetten, 1&1 macht die Masse der Verträge mit Drillisch. Persönlich kenne ich jedenfalls niemanden, der jemals einen Mobilfunkvertrag bei 1&1 selbst abgeschlossen hat.

    Aber genau hier liegt doch die Herausforderung. Wenn 1&1 in wenigen Wochen seine Mobilfunktarife vorstellt, dann stehen diese erstmal als "die Tarife des neuen Netzes im Raum". 1&1 wird nicht gleich als Billiganbieter einsteigen wollen.

    Dann folgt ab 2024 die Portierung der Drillisch Kunden, alle im Discountbereich.

    Wie wird 1&1 den Spagat schaffen, einerseits als 1&1 mit Tarifen im gehobenen Mittelfeld Geld zu verdienen und andererseits die 12 Mio. preisbewussten Drillisch Kunden bei der Stange zu halten? Die 1&1 Kunden werden nicht bereit sein, mehr als die 'Drillisch Kunden im dann selben Netz zahlen zu wollen und die bisherigen, preissensitiven Drillisch Kunden, werden keine Preiserhöhungen akzeptieren.

    Also ist 1&1 zum Billiganbieter verdammt oder muss sich von den derzeitigen Drillisch Kunden trennen?

    Ich habe die Zahlen mal in Relation gesetzt. Durchschnittlich verdient o2 demnach an einem 1&1/Drillisch Kunden 1,39 € im Monat.

    Ja, die Masse macht es, aber ob der Verlust dieser Kundenklientel jetzt wirklich so dramatisch ist, wie hier ausgemalt wird?

    Ich denke auch wie DARKHALF , dass o2 einige Kunden zurückholen wird und das Netz insgesamt performanter wird. Schließlich hatte o2 die doppelte Datenmenge von Vodafone im Netz, das wird sich nun für o2 entspannen.

    Ausschlaggebend wird die zukünftige Tarifgestaltung von 1&1 als eigenständiger Carrier sein. Dabei ist es meiner Meinung nach fraglich, dass die derzeitige Drillisch Low-Budget-Multimarkenstrategie beibehalten wird.

    Sofern 1&1 tatsächlich, wie berichtet, nach übertragenen GB an Vodafone zahlen wird, werden die vermutlich zuerst ihr eigenes Netz an den Hotspots ihrer Kunden hochfahren.

    Genau das ist nicht der Fall. Üblicherweise rechnen Carrier untereinander nach GB ab. Im aktuellen Fall zahlt 1&1 aber eine prozentuale Netznutzungspauschale, unabhängig vom Datenvolumen und das über 18 Jahre.

    Natürlich lässt der Deal die neue Vodafone Chefin zunächst gut dastehen, ob die unbegrenzte Datenflatrate an 1&1 sich über die lange Laufzeit für Vodafone rechnet muss sich zeigen.

    "In der Branche zeigte man sich angesichts von Vodafones Großzügigkeit erstaunt. Telekom-Chef Timotheus Höttges nannte den Deal „verzweifelt“

    Man muss mal abwarten ob die zwangsmigrierten Kunden im Vodafone-Netz glücklich werden oder wieder zurück ins gewohnte Netz wollen.

    Hier in der Fläche hat Vodafone die wenigstens Basisstationen und setzt viel auf MOCN.


    Für Vodafone war es eine Verzweiflungstat, in der man unüblichen Konditionen gewähren musste. Über so eine lange Laufzeit keinerlei Kopplung ans Datenvolumen zu vereinbaren, könnte sich mittelfristig als schlechter Deal herausstellen.

    Für Dommi zweifellos ein genialer Schachzug, der ihm Luft verschafft.