In der Telekommunikationsbranche fürchtet man so ein Szenario bereits seit Jahren.
Letztlich werden technologisch und finanziell potente Anbieter durch die vergleichsweise hohen Margen der heutigen Netzbetreiber angelockt. Dazu kann man sich die Bilanzen der Mobilfunker anschauen. Leider machen die Netzbetreiber aus den im Vergleich zu anderen Branchen exorbitanten Margen beinahe nichts. Eher ist es so, dass man sich sofort, wenn die Verschuldungsrate halbwegs annehmbar ist, regelmäßig in Übernahmeorgien begibt, die im anschließenden Jahrzehnt aus der Bilanz heraus konsolidiert werden müssen. Telekom und Vodafone sind wunderbare Beispiele für diese Hybris. (Gleiches trieb die alte Autoindustrie und steht nun vor der Klippe.)
Der Vorteil neuer Teilnehmer ist der Gleiche, wie bei neuen Autoherstellern. Die kommen von außen, denken Markt und Technologie anders und machen einfach, ausgestaltet mit ausreichend Geld und ohne alte Zöpfe, die die Asche des Alten bewahren wollen. Piëch hat seinerzeit gesagt, das eAuto wird nicht vor 2035 serienreif sein. Blöd, dass Musk das nicht erfahren hat.
Der Vorteil satellitengestützter Systeme ist dabei, dass man sich nicht mit den unteren und mittleren Bürokratieebenen auseinandersetzen muss, was Zeit und massive Kapazitäten erfordert und deshalb abartig Geld kostet. Allein schon deshalb ist der Amazon-Weg am Boden als Untermieter arbeiten zu wollen und parallel von oben zu kommen ziemlich schlau. Parallel hat man noch ein gewisses Erpressungspotenzial, terrestrisches Anbieter von der Kooperation zu überzeugen, indem man denen Kapazitäten im eigenen System anbietet.
Ich denke, auch Apple pumpt nicht hunderte Millionen in Globalstar, ausschließlich um seine Notruffunktion aufzubauen. Die warten noch ein bisschen, rollen immer mehr Technik mit der Möglichkeit dieser Kommunikationsebene aus und werden dann vermutlich auch mit etwas Neuem ums Eck kommen, während sich die Telekom am Boden mit Bauämtern über das Pflasterbild aufgerissener Fußwege streiten muss.