Den Strommarkt beobachte ich nicht so genau wie du. Da du beruflich damit zu tun haben scheinst, ist das auch nicht verwunderlich. In der Regel können die Kunden es aber nicht abschätzen, wie man die Kundenbewertungen werten soll. Auch wenn es mich im Falle von Teldafax evtl. vor finanziellem Schaden bewahrt hätte, ist es doch sehr praxisfremd, sich immer wieder über eine Firma zu erkundigen. Ich würde es trotz dieses Fiaskos in Zukunft wohl nicht tun, denn dann müsste ich ja alle Firmen permanent observieren, mit denen ich etwas zu tun habe (Bank, DSL, Mobilfunk, Auto- und andere Versicherungen, etc). Soviel Zeit hätte ich gar nicht und vielleicht wäre ich auch nicht kompetent genug, finanzielle Risiken zu erkennen.
Für mich war der Preisunterschied nicht so alamierend niedrig, weil im ersten Jahr nahezu jeder Stromanbieter (auch Netzbetreiber) mit Bonussen lockt. Ich nahm an, dass die das erste Jahr nur Kunden gewinnen wollen und darauf hoffen, dass die Kunden dann wieder träge sind und nicht nachrechnen, ob ab dem 2. Jahr immer noch eine Ersparnis herauskommt.
Der Sonderabschlag war eine "freiwillige" Angelegenheit, so dass ich nicht von einer Notwendigkeit für Teldafax ausging. Ich redete mir auch ein, dass sie mit solchen Vorauszahlungen bessere Einkaufspreise erzielen könnten. Das war in meinen Augen auch der Grund für die Preisunterschiede bei jährlichen Abschlagszahlungen. Da das System schon seit Jahren so existierte, ohne dass die Behörden einschritten, ging ich von einem seriösen Geschäftsmodell aus. Trotzdem verzichtete ich aufgrund meiner Erfahrung lieber auf einen weiteren Cent Ersparnis und entschied mich für Monatszahlung.
Das Fatale ist zudem, dass die Rabatte in anderen Branchen noch viel höher sind. Bei mir wäre die Ersparnis 3 Cent/KWh gewesen, mit Bonus wäre ich maximal auf 20-25 % Rabatt gegenüber Vattenfall gekommen. Bei meinem DSL Vertrag von Vodafone erhalte ich in den ersten 2 Jahren aber einen Rabatt von 50 %. Beim Mobilfunk sieht es noch viel kranker aus. Ein original Vodafone Vertrag mit Flatrate ins Vodafone-, Festnetz und einem Netz seiner Wahl mit Gewinn zu erhalten (monatlich 3 EUR Plus), ist doch verrückt. Die ganzen (Lock-)Angebote im Einzelhandel sind bestimmt auch weit unterm Einkaufspreis. Bei manchen Aktionen kommt man sogar auf 75 % auf Markenprodukte.
Ich habe mir jetzt noch einmal alte Unterlagen angesehen. Ich habe eine wahre Odyssee hinter mich gebracht. Angefangen hatte es mit dem FHE Entsorgungsverband, der mich unter dem Namen Zeus Strom AG belieferte (ab 01.01.99). Nur ein halbes Jahr später teilte mir eine Kanzlei die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit (03.08.99, Bestellung als Insolvenzverwalter bereits am 04.07.99).
Dann wechselte ich zu Tic Admin (01.10.00). Im Februar teilte mir die Zweitausend Stromvertrieb AG die Übernahme der Stromlieferung mit. Nur wenige Wochen später kontaktierte mich die Deutsche Strom AG mit einem ähnlichen Schreiben (06.03.01, Lieferbeginn 01.05.01). Die hielt immerhin ein Jahr durch, aber kurz danach informierte mich mein örtlicher Stromversorger von der Übernahme der Stromlieferung ab 25.05.02.
Wie soll man da die Liberalisierung des Strommarktes positiv sehen können?
Aktuell wäre die Ersparnis bei mir wohl nur noch 50-70 EUR. Dafür würde ich diesen Aufwand und Risiko nicht auf mich nehmen. Hinzu kommt, dass mein Stromverbrauch die letzten Jahre extrem schwankte und wohl deutlich über dem anderer Haushalte liegt. Bei einer Pleite wäre die Wahrscheinlichkeit nicht gerade gering, dass zuviel gezahlte Abschlagzahlungen die Ersparnis zunichte machen.
Ach ja, letztes Jahr hätte ich mich wahrscheinlich noch für Strompakete entschieden, weil ich da komischerweise die Gefahr einer Insolvenz ausgeblendet hätte. Jetzt würde ich mich nicht einmal mehr für die Mini-Strompakete entscheiden.
Übrigens habe ich gestern ein Fax mit 2 Wochen Zahlungsfrist verschickt. Das sind aber vermutlich nur weitere 20 Cent an Kosten gewesen, die ich abschreiben muss.