Zitat
Original geschrieben von StebuEx
Hallo,
demnächst steht in Berlin eine Abstimmung hinsichtlich dieser Fächer an.
Für mich als Atheist stellen sich diverse Fragen:
[*]Was hat Religion an Schulen zu suchen
Erstmal steht Religion nicht per se auf dem Unterrichtsplan, wer sich mit dem christlichen Glauben nicht identifiziert, dem steht es frei, Ethik zu besuchen. Was hat Ethik an Schulen zu suchen? Leider viel zu wenig! Ethisches Verhalten oder aber christliche Grundwerte, die in vielen Punkten als "ethisch" angesehen werden (man denke zum Beispiel an das Gebot der Nächstenliebe), bilden die fundamentale Basis, auf der ein gesellschaftliches Leben überhaupt erst fußen kann. Die totale Verrohung am unteren Ende der sozialen Skala bis hin zur Maßlosigkeit und schamloser, ja kultivierter Egozentrik am ganz oberen Ende sind meiner Meinung nach die Ausprägungen unethischen Verhaltens.
[*]Gesetzt den Fall man wäre "gläubig":wäre es nicht sinnvoller, den Unterricht über andere Religionen zu besuchen um den eigenen Horizont zu erweitern. Warum will jede Glaubensrichtung ihren eigenen Unterricht.
Bevor Du Deinen Horizont erweitern kannst, musst Du erst einmal Deine eigene glaubende/ethische Wurzel kennen; wie sollte man denn sonst überhaupt reflektiert Dialog mit beispielsweise dem Islam suchen? Wenn ich Wertvorstellungen nicht komparativ ins Verhältnis setzen oder kritisch hinterfragen kann, dann bringt mir ein Horizonterweiterungsversuch rein gar nichts, denn ich falle hinter dem Informationsmonopol de facto hilflos zurück. Beide Themen, Ethik und auch christliche Religion (über Bestrebungen, muslimischen Unterricht anzubieten, bin ich nicht wirklich informiert, deshalb konzentriere ich mich mal auf die wohl gängigeren diskutierten Fälle - wertungsfrei, möchte ich betonen) sind derart komplex, daß wohl niemand von uns, noch dazu in jungen Jahren, behaupten könne, sie vollumfassend zu verstehen. Ich glaube, die Mehrheit hat noch nicht einmal die Bibel gelesen; kein Mensch käme auf die Idee, um den Vergleich ein wenig breiter zu hämmern, zwei Bücher zu vergleichen, wenn er eines von beiden nur vage kennen würde.
[*]Warum wird das nicht im Geschichtsunterricht behandelt
Weil Glaubensfragen sinnigerweise nur maximal in einem historischen Kontext betrachtet werden können, nie aber durch Geschichte ersetzt werden können. Eine absurde Idee.
[*]Verstecken sich andere Absichten dahinter, als man vordergründig annehmen sollte[/list]
Und diese sollten sein, welche?
Letztendlich läuft es doch auf folgende Frage hinaus: worin bestünde der Schaden? Ist Religion/Ethik nicht eine absolut erstrebenswerte Hilfestellung für Jugendliche? Die Fächer vermitteln ein Wertegerüst, die, so glaube ich, einem gesellschaftlichen Zusammenleben voll zuträglich sind. Viele Kritiker assoziieren Religion de facto sofort mit der Institution Kirche, der man natürlich zahlreiches Fehlverhalten und eine gewisse Rückwärtsgewandtheit vorwerfen kann. So wie man das gleiche auch zahlreichen anderen Institutionen vorhalten kann, von mir aus auch der bayrischen Staatskanzlei. Bei Religion geht es aber um viel viel mehr, als das Gerüst, die Organisation. Es geht um fundamentale, hochmoralische Gesichtspunkte. Interessante philosophische Aspekte, die den Geist, sollte man willens sein, hervorragend fordern. Es geht um Lebensentwürfe, die Haltung meinen Mitmenschen gegenüber. Religion mag nicht so "nützlich" sein, wie Physik, Chemie, Mathematik; ethisches Verhalten aber bringt meiner Meinung nach Menschen bei, Menschen zu sein. Für den mitlesenden Praktiker: man stelle sich den Output als intangible Asset vor, quasi den nicht quantifzierbaren, aber dennoch stark werttreibenden goodwill.
Ich denke, daß viele Universitäten dazu übergehen, Wirtschaftsethik-Lehrstühle zu besetzen und ein Anselm Bilgri von DAX CEOs belagert wird, hat seine Gründe; offensichtlich fehlt es der Gesellschaft doch an einer wirklichen Wertdebatte. Und daher bin ich der Meinung, daß das Angebot zur seelischen Bildung an einer Schule bestehen sollte.
Persönlich Glaube ich, wenn jeder sich an den Grundsatz den Nächstenliebe halten würde, und zwar wirklich, es eine ganze Menge Probleme nie geben würde