ePhone P2000W: Artikel der Financial Times Deutschland vom 07.05.04
Aus der FTD vom 7.5.2004
Mitreden im Netz
Von Jens Uehlecke
Das Handy ist schrottreif. Mit neuen Geräten sind Gespräche über das Internet möglich - und zwar drahtlos, weltweit und spottbillig. Nebenbei kann jeder vorgeben, ein Hollywood-Agent zu sein: mit einer Festnetznummer in Los Angeles.
Es sieht aus wie ein Handy, funktioniert wie ein Handy und ist eine kleine Revolution. Zwar könnte dem Äußeren nach das neue Zyxel Prestige 2000W aus den frühen 90ern in die Gegenwart gebeamt worden sein. In einem Café in London oder Paris würde man damit wahrscheinlich belächelt. Aber hinter der altbackenen Plastikfassade in Mattgold verbergen sich neueste Technik und handfeste Vorteile: Mit dem jüngsten Zyxel-Spross ist man in Soho genauso wie im Quartier Latin unter einer deutschen Festnetz-Nummer erreichbar - und das, ohne horrende Roaming- oder Umleitungsgebühren zu zahlen. Selbst Gespräche nach Deutschland sind mit weniger als zwei Cent pro Minute spottbillig.
Die Firma Zyxel lässt diesen Alptraum der Mobilfunkindustrie wahr werden, indem sie zwei bislang unabhängige Techniken miteinander verschmilzt - die IP-Telefonie und die als "Wireless LAN" bekannte Funknetz-Technik. Die Vorsilbe IP steht für "Internet Protocol" und bedeutet, dass Telefongespräche nicht wie sonst üblich über eigene Sprachleitungen übertragen werden. Stattdessen wird jeder Satz in Datenpakete zerhackt und gemeinsam mit E-Mails und Webseiten durch das Internet zum Empfänger geschickt. Erst am Ziel werden die Silben-Päckchen wieder zu vollständigen Sätzen zusammengepuzzelt. Klingt umständlich, hat aber etwas für sich: Da sich jede Internetverbindung auch zum Telefonieren mitbenutzen lässt, ist das Plaudern zwischen zwei Computern kostenlos.
Wer davon profitieren wollte, musste bisher ein IP-Telefonie-Programm installieren, das das Zerstückeln und Zusammensetzen übernimmt. Das populärste heißt "Skype" und hat weltweit bereits über elf Millionen Anhänger. Leider ist eine Plauderei damit aufwändig: Computer hochfahren; ins Internet; Headset aufsetzen - und warten, bis auch der Gesprächspartner soweit ist. Wer greift da nicht lieber zum Telefonhörer, selbst wenn er ein paar Cents berappen muss?
Das Zyxel Prestige 2000W tritt an, Internet-Telefonate so bequem zu machen wie Gespräche mit Handys. Anders als seine Konkurrenten von Nokia und Siemens bucht es sich nicht in Mobilfunk-Netze ein, sondern meldet sich bei Internet-Hotspots an. Da es davon mittlerweile unzählige in Cafés, Flughäfen und Bibliotheken in aller Welt gibt und viele davon kostenlos sind, lässt sich das Prestige 2000W in Peking genauso einsetzen wie in Papenburg.
Vor dem Drauflos-Quatschen muss man sich bei einem IP-Telefonie-Anbieter wie Nikotel, Sipgate oder Freenet anmelden. Das ist zwar kostenlos, die Minutenpreise weichen jedoch erheblich voneinander ab. Für einen Anruf ins deutsche Festnetz verlangt Nikotel 1,9 Cent, Sipgate 1,79 Cent und Freenet 1 Cent pro Minute. Von wo man anruft, ist dabei völlig egal - es zählt nur, wohin man telefoniert. Ein Anruf von London oder Paris nach Berlin kostet also dasselbe wie vom Kreuzberger Lieblings-Italiener ins Zuhause nach Mitte. Und innerhalb eines IP-Netzes sind Telefonate immer kostenlos.
Natürlich kann man auch angerufen werden. Nikotel und Sipgate teilen dazu jedem Kunden eine Festnetznummer zu, über die er zu erreichen ist. Praktisch und prestigeträchtig: Neben Nummern aus deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin oder Köln bieten beide Anbieter auch Nummern aus dem Ausland an - Nikotel zum Beispiel aus San Diego, Santa Barbara und Los Angeles, Sipgate aus London und Reading. Praktisch für den, der viel mit amerikanischen oder britischen Geschäftspartnern zu tun hat.
Beim Test in Hamburg und Berlin funktionierte das Zyxel-Telefon aber leider nur in Kombination mit einem Nikotel-Zugang, dem teuersten der drei Anbieter. Wenn das Gerät aber Mitte Juni in die Läden kommt, soll es die beiden branchenüblichen Standards SIP und STUN vollständig unterstützen und damit auch Gespräche für Freenet- und Sipgate-Kunden ermöglichen. Nicht möglich sind Internet-Gespräche zudem über Hotspots, bei denen eine Firewall den Datentransfer blockiert oder die ein Passwort erfordern. Daher tutet nur bei etwa jedem zweiten Hotspot ein Freizeichen.
Die Sprachqualität ist dafür meist so gut wie bei einem ISDN-Telefon - wenn kein Stau auf der Datenautobahn herrscht. Bei regem Verkehr verspäten sich einzelne Sprachpäckchen. Verzögerungen, Knacken, Rauschen sind die Folge.
Wem das Zyxel-Telefon nicht schmuck genug ist, wählt die Alternative: Die Software XTEN-Pro verwandelt Pocket-PCs mit Wireless-LAN-Karte in IP-Telefone. Im Test mit dem schicken HP Ipaq H4150 lief das Programm sowohl mit Nikotel- als auch mit Freenet-Daten tadellos, Sipgate-Kunden verweigerte es allerdings das Freizeichen. Die Vorzüge des Ipaq gegenüber dem Zyxel-Telefon: Mit rund 120 Gramm Gewicht ist der Westentaschen-PC kaum schwerer, bietet zudem aber E-Mail-Programm, MP3-Player, Kalender und vieles mehr . Dafür ist die Sprachqualität bei XTEN-Pro nicht ganz so gut. Ein ähnliches Programm hat auch Freenet bereits auf der letzten Cebit präsentiert, "Iphone" für Pocket-PCs soll noch im Laufe dieses Monats kostenlos erscheinen.
Bei der Mobilfunk-Branche dürfte all dies schon für Unbehagen sorgen - Bauchschmerzenattacken wird ihr das Programm buzz2talk aus Indien bereiten. Es ermöglicht IP-Telefonate auf Nokia-Handys mit Symbian-Betriebssystem. Wenn Ende des Jahres mit dem Communicator 9500 das erste Modell mit Wireless LAN auf den Markt kommt, wird es endlich die ideale Kombination aus Handy und IP-Telefon geben, mit der sich sowohl spottbillig über das Internet als auch über das Mobilfunk-Netz telefonieren lässt. Und belächeln wird Sie mit dem neuen Nokia-Flaggschiff garantiert niemand - weder in London oder Paris, noch sonstwo.
PRESSE KONTAKT
ZyXEL Deutschland
Tel.: 02405/6909-0
E-mail: sales@zyxel.de