Beiträge von o2neuling

    Nochmal zu der Verfassungsfrage, falls es jemand nicht mitbekommen haben sollte: Die Klage der kleinen Parteien (ÖDP & Co.) ist gestern für unzulässig erklärt worden, weil deren Interessen keinen Verfassungsrang haben. Das gilt nicht für die Klagen von Werner Schulz und Jelena Hoffmann, weil diesen eine völlig andere Argumentation zugrundeliegt. Diese beiden Klagen werden heute verhandelt und nächste Woche entschieden.

    Zitat

    Original geschrieben von Martyn
    Programme für schwer Drogenabhängige halte ich auch für sinnvoll, aber ich denke auch hier sollte der Entzug oder zumindest eine Dosisreduktion das Ziel sein, und nicht das diese Leute dann ihre Drogen permanent kostenlos und legal vom Staat bekommen. Ich denke so schwer süchtig kann man nicht sein (zumindest nicht physisch, psychisch vielleicht schon) das langfristig kein Entzug möglich ist.


    Doch, das gibt es sehr wohl, ich halte es jedenfalls für völlig ausgeschlossen, dass durch und durch konservative Stadtverwaltungen wie etwa die von Frankfurt am Main sowas ohne wirklich triftigen Grund beschließen. Solche Programme laufen auch nicht wie eine stumpfe Versorgung ab. Die Teilnehmer haben klar definierte Kriterien zu erfüllen und sich einer begleitenden ärtzlichen Behandlung zu unterziehen, wenn sie es nicht tun oder nicht hingehen, fliegen sie raus.


    Also nochmal als Klarstellung: Das sind Nothilfen für absolute Härtefälle, die nach fest vereinbarten Zeitplänen in festen Räumlichkeiten unter streng kontrollierten hygienischen Bedingungen und nie ohne ärztliche Begleitung durchgeführt werden. Die Perspektive ist immer der Ausstieg aus kriminellen Strukturen, deswegen wird es auch nicht geduldet, wenn Teilnehmer sich nebenher auch illegal versorgen.


    Es gibt eben Fälle, in denen die Perspektive, ganz von der Droge loszukommen, erst dann greifbar ist, wenn vorher der Ausstieg aus kriminellen Strukturen gelungen ist. Die Illegalität bringt es aber mit sich, dass jeder Abhängige automatisch zwei Probleme hat - ein Suchtproblem und ein Kriminalitätsproblem. Die angesprochenen Nothilfen verbauen niemandem den Weg, anschließend ganz ohne Droge auszukommen, sondern öffnen ihn in Einzelfällen, in denen es nicht anders geht.


    Übrigens: Im Moment handelt es sich dabei immer noch um eine wissenschaftliche Studie, die irgendwann einmal zu regulärer Politik werden kann - oder auch nicht! Es ist auch keine Einbahnstraße und kein linearer weg, sondern ein Gesamtkonzept - differenziert und akzeptierend, aber gleichzeitig auch repressiv. "Akzeptierend" bedeutet übrigens nicht "unterstützend", das ist ein verbreitetes Misverständnis. Das Wort "akzeptieren" bedeutet in diesem Zusammenhang einfach "zur Kenntnis nehmen und bei allen weiteren Maßnahmen berücksichtigen".


    Ein Beispiel für eine solche Politik, ganz ohne Legalisierung, aber auch ohne ideologisch übertreibende Dämonisierung, kann ungefähr so aussehen:


    http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=5910
    http://www.frankfurt.de/sis/sis/detail.php?id=18078

    Zitat

    Original geschrieben von Martyn
    Zu den illegalen Drogen denke ich auch das man sie auf keinen Fall legalisieren sollte, trotzdem könnte man die Strafverfolgung auf einen sinnvollen Rahmen beschränken und auf ein sinnvolles Maß beschränken. Natürlich darf das dann aber nicht zu einer Pseudo-Legalisierung führen.


    Das ist keine Pseodo-Legalisierung, weil die Polizei die Leute ja sehr wohl trotzdem weiterhin mitnehmen und nett befragen darf, was sie denn so treiben und was sie sich dabei gedacht haben. Selbst wenn man sie dann hinterher einfach gehen lässt, werden sie auf jeden Fall etwas davon in Erinnerung behalten und entsprechend darüber nachdenken.


    Damit meine ich übrigens nicht die Händler. Die können sehr wohl bestraft werden und diese Möglichkeit wird auch genutzt - kein Händler kann auf die Dauer damit rechnen, immer wieder mit einer Einstellung des Strafverfahrens davonzukommen, aber bei Konsumenten, die einmal oder meinetwegen auch ein paar Mal auffallen, reicht so ein Dämpfer meiner Meinung völlig aus, da braucht man kein Strafverfahren, das nebenbei bemerkt übrigens auch Ressourcen bindet.


    Die Problematik ist außerordentlich komplex. Komplexe Probleme haben die Eigenschaft, dass Pauschalvorschläge, auch pauschale Legalisierungsforderungen, ganz besonders kontraproduktiv sind. Allerdings sollte man dann nicht den Fehler machen und mit genau entgegengesetzten Pauschalforderungen reagieren, stattdessen sollte man in aller Gelassenheit seinen wohlüberlegten Weg weitergehen.

    Zitat

    Original geschrieben von Martyn
    Da hast du schon recht, das es deswegen nicht jeder nutzen würde, aber eine Legalisierung würde doch die Hemmschwelle senken mit diesen Drogen in Kontakt zu kommen.


    Das will ich nicht bestreiten, weil ich das Gegenteil ebensowenig beweisen kann. Allerdings sollte man sich vor allzu einfachen Automatismen hüten. Es ist übrigens genauso unbewiesen, dass Kontakt mit der illegalen Droge A den Kontakt mit der illegalen Droge B begünstigt. Viele Händler haben nur eine illegale Droge im Angebot und außerdem kennen viele Betroffene sehr wohl die Unterschiede. Eine einheitliche Szene gibt es auch nicht, sondern viele einzelne, die aber in der Diskussion zwangsläufig in die gemeinsame Kategorie "Illegale Drogen" fallen.


    Außerdem nochmal der Hinweis, dass nicht jede statistische Parallelität automatisch ein kausaler Zusammenhang ist: Wenn Leute, die eine illegale Droge konsumieren oder konsumiert haben, stärker in Statistiken zu einer bestimmten Krankheit vertreten sind, dann bedeutet das nicht unbedingt automatisch, dass das eine die Ursache des anderen ist, sondern es kann auch sein, dass beide Phänomene eine gemeinsame dritte Ursache haben.


    Ich würde folgendes vorschlagen:


    - Sachliche Aufklärung ohne den Versuch der Dämonisierung, denn im Grunde sind Menschen sehr wohl klug und merken es, wenn man versucht, sie zu belügen - manche hören dann nicht mehr zu. Bei der Sexualität hat es doch auch mit Sachlichkeit und ohne Übertreibung funktioniert, warum sollte es hier nicht funktionieren?


    - Fortsetzung streng überwachter öffentlicher Programme, um un- oder schwer heilbar Abhängige vom Zwang, kriminell zu sein, zu befreien, wenn sie es wollen - natürlich nur dort, wo es wirklich notwendig ist.


    - Beibehaltung der gegenwärtigen Praxis, dass die Attraktivität derjenigen Drogen, die zur Zeit legal sind, durch Werbeverbote und Steuern gedrückt wird und dass die Strafverfolgung derjenigen Drogen, die zur Zeit illegal sind, auf das notwendige Maß beschränkt wird - und zwar ohne formale Legalisierung.

    Zitat

    Original geschrieben von Martyn
    Wenn Cannabis an jeder Ecke erhältlich wäre, dann würde es wahrscheinlich auch wo wie mit dem Alkohol sein.


    Es ist an jeder Ecke erhältlich. Dies bedeutet natürlich nicht, dass man das automatisch mitbekommt und es bedeutet ebensowenig, dass es jeder kauft und nutzt. Eine Freigabe bedeutet übrigens genausowenig, dass es jeder kauft und nutzt. Die Behauptung müsste man schon beweisen, wenn man sie aufstellt.


    Nur mal ein kleiner Hinweis am Rande, damit die Diskussion sich nicht auf die altbekannten und unzutreffenden Argumente stützt: Die Strafbarkeit des Betäubungsmittelbesitzes hat sich nie darauf gestützt, dass man damit sich selbst Schaden zufügen kann, sondern darauf, dass der Besitz die Möglichkeit der Weitergabe einschließt, wodurch man anderen Leuten schaden könnte.


    Nach hiesiger Rechtsauffassung ist es keine Grundlage für eine Bestrafung, wenn Leute sich selbst Schaden zufügen. Das geht gelegentlich unter, manchmal wird auch das komplette Gegenteil behauptet, es ist aber einfach so. Sich selbst Schaden zufügen darf jeder, wie er will, nur anderen Leuten nicht. Das sollte man in diesem Zusammenhang wissen, sonst kommen unzutreffende Argumente dabei heraus.


    Dies bedeutet übrigens nicht, dass ich für die Legalisierung bin. Die Legalisierung ist schwer zu begründen, wenn man gleichzeitig Schritt für Schritt Zigarettenwerbung verbietet und Alco-Pops verteuert, was ich übrigens sehr begrüße. Ich sehe auch keinen Bedarf für irgendeine Richtungsänderung. Die jetzige Praxis, irrelevante Strafverfahren einzustellen, hat sich doch ganz gut bewährt.


    Etwas anderes ist die Frage, wie man Schwerstabhängige, die nicht mehr kriminell sein wollen, aus der zwangsläufig kriminellen Szene herausbekommt. Dafür braucht man aber keine Pauschalfreigabe. Gezielte und staatlich überwachte Programme können das ebenfalls leisten und werden in einigen Großstädten erfolgreich praktiziert. Übrigens, bevor das manchmal recht nervige Rechts-Links-Denken wieder losgeht: Es sind nicht nur "linke" Großstädte, in denen das gemacht wird. ;)

    Zitat

    Original geschrieben von qwasy
    Leider sind die Zahlen stark steigend, da der geistige Verfall nur schleichend vonstatten geht.


    Wo finde ich diese Zahlen? Ich meine mich an das genaue Gegenteil erinnern zu können.

    Wenn Du wirklich sicher sein willst, dass alle Grafiken verkleinert werden (Merke: README-Dateien, angepinnte Threads, FAQs und ähnlicher Krempel werden grundsätzlich *nie* gelesen), dann könntest Du auch darüber nachdenken, die Verkleinerung serverseitig zu machen.

    Zitat

    Original geschrieben von Kosmos
    Ich stelle einfach mal die Legalität dieser Methode und damit diesen Link stark in Frage.


    Ja, mach mal. ;)

    Zitat

    Original geschrieben von Kosmos
    Schließlich bekommt man hier eine Möglichkeit genannt, auf fremde Rechner zuzugreifen.


    Nö, das ist eine Möglichkeit, auf jeden Rechner zuzugreifen, auch auf den eigenen.


    Überlass das mal den Mods, die kommen schon klar. ;)

    Wow, ganze 149 von 872 Wörten rausgekürzt, darunter auch den Namen des Autors - ich bin begeistert! Hallo, mir ist es wurscht, wie hier mit dem Geistigen Eigentum anderer Leute umgegangen wird, aber vergiss nicht, dass im Zweifelsfall der Forenbetreiber Post bekommen könnte.


    Zum Inhalt: Ja wunderbar, genauso stelle ich mir das vor. Ein für seine große Beliebtheit und Differenziertheit bekannter Minister klärt die DDR-Verbrechen und ihre ganz klar auf der Hand liegenden Konsequenzen brutalstmöglich auf, natürlich ganz uneigennützig und ohne jeden Hintergedanken mit Bezug auf den Wahlkampf und dann kommt die böse SED an, immerhin minus Krenz & Co., und missbraucht dies ganz dreist für den Wahlkampf.


    Schon stimmt das Weltbild wieder, vom Vorfall wurde erfolgreich abgelenkt und die Gelegenheit zur Anbringung der bekannten Aussagen wurde perfekt genutzt. Von Neutralität keine Spur, der Minister spricht "vernünftig" und "rational" und die anderen natürlich nicht. Das Einzelschicksal tritt hinter den ständig wiederholten Belehrungen in den Hintergrund, wen interessieren schon die Probleme einzelner Menschen, wenn man stattdessen den siebenhuntertdreiundzwanzigsten Artikel über die Linkspartei schreiben kann?


    Sowas wird zur Zeit sehr gern gelesen und kommt gut an. Aber wer es sich so einfach macht, ist meiner Meinung nach selbst "eine Klientel, die nach einem unbegreiflichen Verbrechen nebenan gleich wieder die Jalousien runterlässt" - um sich nicht mit dem Einzelschicksal befassen zu müssen, sondern einfach ganz pauschal sagen zu können, wer die Guten und wer die Bösen sind.

    rainbow: Muss das sein, dass Du komplette Zeitungsartikel hier ins Forum reinkopierst? Das fällt mir jetzt zum wiederholten Male auf und ist nicht nur unnötig (ein Link genügt - wer interessiert ist, wird ihn schon anklicken), sondern auch rechtswidrig (Stichwort Urheberrecht - eine 1:1-Kopie eines kompletten Zeitungsartikel ist nicht durch das Zitatrecht gedeckt). Schneid doch die Passagen aus, von denen Du meinst, dass sie besonders wichtig sind oder setz einfach einen Link.

    m@rtin: Diese Option ist standardmäßig ausgeblendet und muss erst sichtbar gemacht werden.


    Fahim: In der Adresszeile des Browsers folgendes eingeben:

    Code
    about:config [*]


    Dort den Schlüssel "browser.tabs.showSingleWindowModePrefs" mit einem Doppelklick auf "true" setzen. Danach alle Browser-Fenster schließen und den Browser neu starten, anschließend unter "Extras -> Einstellungen -> Erweitert -> Tabbed Browsing -> [X] Links, die das Öffnen eines neuen Fensters erzwingen, öffnen in: [X] einem neuen Tab" die gewünschte Einstellung vornehmen.


    [*] Ohne das Leerzeichen vor dem Doppelpunkt... :rolleyes: