Re: MMS D2
Zitat
Original geschrieben von Bengt
Bei VF geht es rein rechtlich und hier reden wir von datenschutz, das "offiziel" nach deutschem Recht nicht übermittelt werden darf, welches Handy ein Kd. im netz nutzt.
(Klugscheißer können sich sparen mir zu erläutern, dass alle Netzbetreiber wissen mit welchem Handy wir unterwegs sind..... )
Thomas4711 hat die Fakten ja schon erwähnt, ich führe das ganze nur etwas aus.
Die IMEI wird nicht übermittelt, aber die ist in diesem Fall auch nicht notwendig. Jedes Handy übertragt bei jeder HTTP-Anfrage (WAP oder MMS) den HTTP-Header, in dem verschiedene Informationen über das Handy bzw. den eingebauten WAP-Browser stehen. Der bekannteste Punkt ist dabei der sogenannte User Agent. Das ist praktisch der Name des Telefons. Bei einigen Herstellern wie Siemens oder Sony Ericsson kann man sogar erkennen, welche Softwareversion das Handy hat. Darüber hinaus übermitteln moderne Handys im Gegensatz bspw. zu PC- oder PDA-Browsern im HTTP-Header einen Link zu einer Profildatei, die die Fähigkeiten des Handys beschreibt, also z.B. wie groß eine MMS sein darf und welche Auflösung das Display hat. Sobald ein Handy also mit irgendeinem (Web-)Server in Verbindung tritt, verrät es eine ganz Menge über sich. Man kann aber nicht einzelne Handys gleichen Typs und Softwarestands voneinander unterscheiden oder gar die Rufnummer des Nutzers herausbekommen. (Die Nutzererkennung steht nur den Netzbetreibern zur Verfügung, da sie eine geschlossene Kette von Systemen besitzen, über die diese Information weitergereicht wird.)
Einige MMS-Server (wie z.B. der, den ich gerade teste) sind selbstlernend und werten die Informationen in der Profildatei aus. Aus verschiedenen Gründen setzen die Netzbetreiber diese Technik aber nicht ein. Das ist ihr gutes Recht. Außerdem können sie sich entscheiden, das System nur für bestimmte Handys einzurichten, die sie selbst anbieten.
Allerdings bin ich der Meinung, daß Kritik an letzterem Punkt berechtigt ist. Der Kunde geht davon aus, daß MMS über ein standardisiertes Verfahren verarbeitet werden und er ein MMS-Handy in jedem Netz verwenden kann. Es ist zwar vielleicht zutreffend, wenn man sagt, daß Harti naiv ist, wenn er denkt, daß sie auf seine Beschwerde hin ihr System anpassen werden.
Aber ist der Endverbraucher wirklich im Unrecht, wenn er erwartet, daß MMS ähnlich einfach zu verwenden sind, wie SMS? Was würdet ihr von einem Handy halten, bei dem z.B. die SMSC-Nummer fest einprogrammiert ist? Wenn es um Brandings bei Handys geht, ist hier die Empörung und Ablehnung bei TT groß. Als die T-COM günstige DECT-Telefone angeboten hat, die immer automatisch die 01033 für Verbindungen über die Telekom vorgewählt haben, ist sogar die Regulierungsbehörde eingeschritten. In diesen Fällen konnten die Unternehmen aber zumindest argumentieren, daß die Käufer darüber informiert wurden und die Geräte vom Betreiber subventioniert wurden. Trotzdem gab es berechtigte Kritik an diesem Verhalten.
Bei dem Problem, das in diesem Thread behandelt wird, liegt die Einschränkung aber gar nicht bei dem Anbieter, der das Telefon verkauft hat. Das TM100 ist zwar schwer gebrandet und das war den meisten TT'lern auch vor dem Kauf bekannt. Es ist aber von Sharp bzw. T-Mobile in seinen MMS-Funktionen nicht extra beschränkt worden. Es hält sich an den MMS-Standard. Das Problem ist, daß O2 sich für den Standard nur am Rande interessiert. Ist es wirklich zuviel verlangt, daß sie, wenn sie die automatische Lernfunktion nicht nutzen wollen, den Markt beobachten und wenigstens die wichtigsten Kenndaten der neu erschienenen Telefone einspeichern? Wenn man diese Diskussion verfolgt, muss man diese Frage anscheinend bejahen.
Das TM100 ist vielleicht ein Extremfall, da es den Namen eines Netzbetreibers schon im Namen führt und mittlerweile schon ein Auslaufmodell ist. Aber was ist mit anderen Handys, die ihr unabhängig vom Netzbetreiber erwerbt, weil sie euch gefallen? Wie weit seid ihr bereit zu akzeptieren, daß eine Kernfunktion des Handys nicht funktioniert, weil der Netzbetreiber zu faul oder zu arrogant ist, seine Systeme auf einem aktuellen Stand zu halten?
Das ist jetzt vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber in diese Richtung geht es schon. Es kommt noch hinzu, daß viele Menschen MMS eben nicht für eine Kernfunktion halten. Wieviele derjenigen, die sich hier zu Wort gemeldet haben, nutzen denn selbst MMS regelmäßig? MMS stehen immer noch im Ruf, eine teure und unnötige Spielerei zu sein. Die Netzbetreiber haben zuwenig getan, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Die Preissenkung im August 2004 war ein wichtiger Schritt, aber bei der Zuverlässigkeit und insbesondere der Zusammenarbeit untereinander haben sie zuwenig geleistet. Die Haltung, MMS nur bei Handys zu unterstützen, die sie selbst anbieten, verstärkt die Ablehnung der MMS-Technik bei den Kunden nur zusätzlich. (Zu dem Thema, wie viele Verbraucher momentan auf moderne Technik reagieren, gibt es übrigens diesen Teltarif-Artikel.)
Sie ersparen sich vielleicht etwas Arbeit bei der Wartung des MMS-Systems, aber riskieren, daß sich die Kunden von dieser Technik abwenden.
Sollte allerdings der Trend weiter dahin gehen, daß die Verknüpfung zwischen Endgerät und Netz bzw. Diensten immer enger wird und zu einer festen Ankettung wird, haben wir noch ganz andere Probleme als das hier geschilderte.
Ich habe beim ersten Überfliegen dieses Artikels (den ich bei Gelegenheit nochmal genau lesen will) festgestellt, daß René Obermann von T-Mobile "walled garden"-Modelle als nicht mehr aktuell bezeichnet hat. Der Vertreter von Vodafone erschien bei seiner Zustimmung zu dieser Aussage etwas zurückhaltend. 
Bei dem Begriff "walled garden" muss ich irgendwie unwillkürlich an eine Äußerung von W. Ulbricht am 15.6.1961 denken. 

Grüße,
Lanturlu