Beiträge von derAL

    Das kommt darauf an, was man sich davon versprochen hatte.


    Oftmals besteht der Glaube, dass man mit 'einem Gang nach Canossa' was bewegen kann. Im Sinne von 'wir haben es verstanden, räumen es ein, machen eine 180-Grad-Kehrtwende, ziehen uns ein Jahr zurück, kreieren etwas Neues, fangen jetzt von vorne an und das kommt beim Kunden dann gut an'. Manchmal erreicht man mit solchen Wendemanövern tatsächlich eine Trendwende. Wenn man es gut getimed und ganzheitlich richtig macht.


    Symbian stand Jahre lang in der heftigen Kritik der wirklichen Fachpresse.


    'Langsam, in die Jahre gekommen, nicht mehr zeitgemäß', so der allgemeine Tenor. Man darf nicht vergessen, dass die paar positiven Berichte darüber erst stattfanden, als es bereits aufgekündigt wurde. Die connect etwa, hat ständig auf Symbian eingedroschen; als es dann aufgekündigt wurde, dann ein leises Lob. Tja, so war es bei vielen Medien. Und ob das ernst gemeint war bzw. die positiven Töne auch die Läden erreicht hätten; da habe ich meine Zweifel. Wir als Hobby-Mobiltelefon-Amateure haben die Verbesserungen von Symbian registriert. Hätte das aber den MM-Verkäufer erreicht, der schnell Umsatz generieren und dabei nicht erklären möchte, weshalb es bei Symbian technisch nach der Verkrustung wieder besser läuft? Das Symbian-Image war so mies, dass man da keine Trendwende mehr erreicht hätte. Hätte der Shopverkäufer an der Front neben Samsung und iPhone dann wieder Symbian empfohlen, das Rentner-OS, das in die Jahre gekommen ist? Wegen ein paar positiver Kommentare, während die Welt von iOS und Android sprach? Wohl kaum.


    Jetzt ist es politisch gar nicht mal so unklug, dem Markt eine 'ich-habe-es-verstanden-und-richte-mich-nach-den-User-Wünschen-aus'-Message zu senden. Unter diesem Beweggrund war 'die Plattform brennt, wir machen eine Kehrtwende, schmeißen alles über den Haufen und fangen (auf der grünen Wiese) nochmals von vorne an', kommunikativ gar nicht mal so schlecht.


    Ich sehe eher ein Problem darin, dass MS zu langsam war. Das erste Gerät hätte ein WP8 sein müssen. Dann hätte man die Verwirrung des Shifts von 7,5 auf 8 vermieden. Und ich habe die Theorie, dass das ursprünglich auch so geplant war, MS es aber verpennt hat. Das würde zumindest die Blödelparade des Lumia 900 erklären. Kaum vorgestellt, in Europa dann der LTE-Funktion beraubt und nur ganz wenige Monate später dann der Nachfolger WP8. Für mich eigentlich fast die Bestätigung meiner Theorie. Wären sie mit WP8 heraus gekommen und nach dem Lumia 800 (was im Grunde ein Markt-Teasergerät war) gleich mit dem 925, dann wäre das anders gelaufen. Aber so kam es wie es kommen musste: Die eigentlich gute Strategie wurde letztlich kooperationsintern zerrieben. Und zwar -so meine Einschätzung- verantwortlich zeichnend vom Hauptsünder MS.


    BlackBerry hat ja ähnliches versucht. 'Verstanden, Kehrtwende, ziehen uns zurück und präsentieren in einem Jahr etwas absolut Neues'. Diese Strategien sind aber sehr riskant und gelingen nicht immer. Zum Zeitpunkt der Entscheidung ist das eine taktische Alternative.


    Es müssen aber auch alle Faktoren zusammenpassen, damit das gelingt. Nokia hat es ja mit der Marketing-Aktion 'jeder liebt ein Comeback' versucht. Aber das gelang aufgrund der Verwirrung um 7,5/8 nicht. MS war an der Stelle der Lame Duck; Nokia hatte in dieser kurzen Zeit doch relativ gute Geräte konzipiert. Das OS von Microsoft war das Problem. Zum Launch gab es dann Meldungen über Freezes und den blauen Bildschirm und da war es wieder indirekt, das alternde, verstaubte und unmoderne PC-Image 'I'm a PC/Windows Phone (I'm a Mac/iPhone)':



    Erst WP8 und später Amber zogen mehr Interesse auf sich. Damit hätten sie starten sollen.


    Manchmal ist es aber so, dass die Managementscheidung oftmals Timingproblemen aufgesetzt sind. Man will ran, will Duftnoten setzen, ist motiviert. Nur ein paar Monate später Kehrtwende (eigentlich nur kurze Monate zwischen 900 zu 920 zu 925) wäre das Ding anders gelaufen. Das Marketing hat das Momentum nicht genutzt und in dieser Zeit Verwirrung gestiftet. Auch der MeeGo-Einlauf war dämlich. Ein erstes und letztes Gerät. Wie bescheuert war das? Hätte man gleich das Lumia 800 vorgestellt, wäre es nicht nur das so ähnliche, sondern das interessante und neu designte Gerät mit den abgerundete Display gewesen. Nicht alles kann man aber Elop persönlich und direkt zurechnen. Er hatte das Führungsgremium und das mittlere Management, die ihm deren Vorlagen einreichten. Elop war derjenige doch und wohl der erste, der mit Mitbewerbergeräten in der Tasche über den Nokia Campus lief. Das gab es vorher nicht.


    An der Stelle: Nokia hatte schon immer ein dämliches Marketing.

    harlekyn: aber - entscheidend ist das aktuelle Wachstum - das ist aktuell höher als bei iOS - Marktanteile sind Ergebnisse aus vergangenen Zeiten - http://wmpoweruser.com/kantar-…olds-9-2-of-market-share/


    Nebenbei zeigt comScore (Dein US-Chart) ja nur die Bestände, nicht aber die Anteile und Wachstumsraten der neu abgesetzten Geräte. Deshalb leben die Daten gerade von der Vergangenheit. Würde man die jüngeren Zahlen der Gegenwart stärker gewichten als die älteren Zahlen aus der Vergangenheit, sähe das schon anders aus.

    Ich denke, dass es vor allem eine realistische Einstellung ist.


    Symbian und MeeGo hätten zu viele Ressourcen gebunden, die Elop abgebaut hat, um Nokia im CashBurn zu verschlanken. Zwar wird immer wieder in den Raum gestellt, ob dieser CashBurn ohne diese Symbian-Aufkündigung weniger stark stattgefunden hätte. Allerdings hatten wir keinen so tiefen Einblick wie Elop und das Directors Board, um das realistisch und aus der Vergangenheit heraus im Sinne von -wäre es dann besser gelaufen- beurteilen zu können. Daher eher spekulativ.

    Zitat

    Original geschrieben von harlekyn
    - Schon wieder Vorschusslorbeeren. Warten wir einfach mal ab, wer da ans Ruder kommt. Moeglicherweise wird's ja Steven Elop - stehst du dann zu deiner Aussage? ;)


    - Marktanteile


    Keine Vorschusslorbeeren, sondern eine Einschätzung, weil das ja letztlich die Erwartungshaltung der Investoren ist. Und die entscheiden über CEO's und deren Fortbestand in der Firma. Gerade bei Elop stehe ich zu dieser Aussage. Auch wenn mich hier alle steinigen werden -obwohl ich seit 13 Jahren innigster Symbian-Liebhaber war, so nebenbei-, gerade bei Elop. Ich persönlich halte viel von Elop. Er hat das Beste aus Nokia's Möglichkeiten gemacht. Die wesentlichen Fehler haben andere vor ihm gemacht. Der Rest ist nur ein Wehklagen über Verlustschmerzen des Gewohnten a la 'der böse Elop hatte ..., er hätte ..., das würde ... Nokia wäre wieder ganz ganz oben, hätte er nicht'. Ich traue Elop mit Zugriff auf alle Möglichkeiten Microsofts viel zu. Das dritte Ökosystem würde er erfolgreich formieren, da bin ich mir sicher. Er könnte das. Vermutlich wird er aber nicht der nächste, weil es politische Bedenken gibt. Mal sehen.


    Marktanteile: Windows wuchs, während iOS wesentlich weniger stark wuchs. Das ist eine richtige Tendenz. Sukzessiver Aufbau von Anteilen. Eile haben sie nicht, jetzt haben sie viel viel Geld für einen längeren Atem. Den brauchen sie nach meienr Einschätzung aber nicht, weil die Zeit für ein Momentum reif ist.