Re: Warum mussten die Ärzte mir alles kaputt machen?
Die einen Dinge liegen in unserer Macht, die anderen nicht. In unserer Macht liegen Vorstellung, Trieb Begierde, Abneigung, mit einem Wort: alles, was zu uns gehört, worüber wir also verfügen. Nicht in unserer Macht stehen unser Körper, Vermögen, Ansehen, öffentliche Ämter [...].
Was in unserer Macht steht, ist seiner Natur nach frei, kann uns nicht verboten oder verhindert werden; die anderen Dinge sind für uns nicht frei, sie können uns verwehrt werden, sie sind abhängig, die sie liegen im Machtbereich eines anderen. Deshalb bedenke, hälst du das Unfreie für frei und das Fremde für dein verfügbares Eigentum, dann wirst du viel Kummer haben und in deinem Leiden mit Gott und Menschen im Streit liegen. Hälst du dagegen nur das für dein Eigentum, was wirklich in deiner Macht steht und dir eigen ist, und betrachtest du das Fremde als fremd, so wird dich niemand zu etwas zwingen oder von etwas abhängig machen können. Du wirst mit niemandem hadern, wirst keinen Feind haben, und nichts Schlimmes wird dir begegnen.
Wenn du aber so wichtige Ziele erreichen willst, so mache dir klar, dass dies mehr verlangt als eine mittlere Anstrengung. Manches musst du zurückstellen, anderes ganz aufgeben. Willst du aber außerdem noch reich und mächtig werden, so wirst du vielleicht nicht einmal das erreichen, weil du jenes zugleich begehrst. Mit Sicherheit aber wirst du aber das verfehlen, woraus allein Freiheit und Glück entstehen.
Bemühe dich also, jener widrigen Vorstellung sofort entgegenzuhalten: "Du bist nur eine Vorstellung und nichts Wirkliches." Dann prüfe und beurteile sie nach den Regeln, die du erkannt hast, vor allem nach der ersten Regel, indem du nämlich fragst, ob die besagte Vorstellung sich auf die Dinge bezieht, die in unserer Macht liegen oder nicht. Wenn sie aber etwas von dem betrifft, was nicht in unserer Macht steht, so sprich: "Das geht mich nichts an."
-- Epiktet