ZitatOriginal geschrieben von Printus
Es ist vielmehr so, dass die Grundlage unserer ethisch-moralischen Vorstellungen häufig - im weitesten Sinne - christliche Wurzeln hat. Egal ob "Du darfst nicht töten" = "Mord ist die schlimmste aller Straftaten" (andere Kulturen beantworten es mit "Auge um Auge, Zahn um Zahn") oder "Nächstenliebe" = "Gedanke des Sozialstaats und der sozialen Marktwirtschaft", etc. etc., in vielem sind unsere Normen/Werte Weiterentwicklungen christlicher Urgedanken.
Das ist nicht ganz korrekt, denn
1) Es gibt es andere Kulturen die ohne Christentum zu - in den Grundzügen - ganz ähnlichen moralischen Grundregeln gekommen sind. Wie du u.a. hier nachlesen kannst:
http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel
ist das ganze wesentlich älter als das Christentum.
2) Es gibt andere Nationen, die sich selber gerne als "christian nation" titulieren, die haben ganz andere moralische Grundvorstellungen (gehabt), da wurde bspw. die Sklaverei mit Hinweis auf das Christentum gerechtfertigt, ebenso Rassismus oder die Todesstrafe. Und bevor jetzt der Einwurf kommt, das seiein keine "echten" Christen gewesen, kommt prophylaktisch der Hinweis auf den Trugschluß:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kein_wahrer_Schotte ![]()
3) In dem speziellen Falle der christlichen Ethik ist übrigens auch historisch belegt, dass die sich sehr stark bei den Stoikern bedient haben. Sprich, das Christentum hat zum einen nicht von vorneherein diese Ethik vertreten, sondern sie im Laufe der Zeit angenommen, und es waren eben nicht Christen, sondern Nicht-Christliche Philosophen welche diese Ethik begründet haben. Wenn den Christen also für die Ethik "lobt", müßte man auch die Muslime für Mathematik & Wissenschaft loben (die sie von den Indern übernommen und eine zeitlang weiterentwickelt haben). ![]()
Da ich das Buch zufällig im Schrank hab, hier ein Verweis darauf als Quelle:
Die stoische Ethik
http://www.philo-sophos.de/146949.htm
Die Fakten sind aber niciht umstritten und lassen sich so auch in vielen anderen Büchern zu den Stoa finden.
ZitatDie Werte vieler muslimischer Staaten sind völlig anders als unsere Werte - und im Gegensatz zu uns haben die sich nicht wirklich entwickelt, sondern sind ein paar hundert Jahre hinten dran.
Die Moral/Ethik die vom (politischen) Staat zum Ausdruck gebracht wird, kann man allerdings nur in einer Demokratie als Ausdruck der Moral der Gesellschaft sehen. Und da wirst du schnell feststellen, dass je demokratischer die Staaten sind, umso ähnlicher sind die Werte denen die in zentral-Europa, und zwar ganz unabhängig von der vorherrschenden Religion.
ZitatEs sollte aber nicht so sein, dass Religionsunterricht zusätzlich besucht werden muss, weil da geht aus verständlichen Gründen kaum ein Schüler mehr hin - und wenn doch, dann nur bedenkliche Hardcore-Gläubige.
Also erstmal glaube ich nicht, dass das der Fall ist. Aber davon abgesehen, warum sollte dieses Argument im Rahmen dieser Diskussion relevant sein? Warum sollte man Religion eine Sonderrolle einräumen, inwiefern liegt das im Interesse der Gesellschaft, des Staates oder des Bildungsauftrages der Schule? Die Förderung der Teilnehmerzahlen vom Religionsunterricht ist ja kein Selbstzweck. Historisch gesehen, haben einige Glaubensgemeinschaften eine bevorzugte Rolle genossen, d.h. aber nicht, dass die Erhaltung oder Förderung dieser Sonderrole ein gesetzter Selbstzweck sein kann.