Beiträge von oleR

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    Da die nicht erwirtschafteten Umsätze auf den Ticketpreis aufgerechnet werden, Somit müssen die "ehrlichen" für die "Schmarotzer" (nichts anders sind Schwarzfahre meiner Meinung nach.) mitzahlen.


    Das ist häufig nichts weiter als eine Legende. Die Ticketpreise sind ohnehin praktisch nie kostendeckend. Die Differenz wird von den Aufgabenträgern übernommen, das sind wahlweise Kommunen oder Länder. In der Theorie könnte Papa Staat natürlich aus reiner Gutmütigkeit mehr Geld zuschießen. In der Praxis sieht es derzeit so aus, dass jeder Euro mehr an Fahrgeldeinnahmen erstmal den Aufgabenträger (AT) freut, weil er weniger zuschießen muss. Entsprechend wird da auch schon mal Druck vom AT auf den Verbund bzw. die Verkehrsunternehmen ausgeübt, weil der Zuschuss reduziert werden soll. Die reichen ihn weiter und beauftragen z.B. die Provisionskontrolleure, das geht schnell und lässt sich ebenso schnell wieder abstoßen.


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    Bei einem angenommen Ticketpreis von 2€ und einem erhöhten Beförderungsentgelt von 40€ muss die Entdeckungsquote eines Schwarzfahrers bei 5% liegen, sodass die Verkehrsbetriebe +- 0 rausgehen.


    Viele Schwarzfahrer sind schlicht Leute, die sich die Ticketpreise nicht leisten können. 2 € innerstädtisch sind mittlerweile eher Ausnahme. In Hamburg sind es oft für die einzelne Strecke bereits 2,85 €. Macht hin und zurück knapp 6 €. Nicht nur als Hartzer streckt man da schnell das Segel. Stärkere Kontrollen würden da eher zu einem Rückgang der Beförderungszahlen führen, was wiederum ungefähr keinen Effekt auf die Kosten hat. Freier Platz ist außerhalb der absoluten Hauptverkehrszeiten im ÖV nicht das Problem und der zusätzliche Spritbedarf von 70 kg mehr auch nicht relevant.


    Aber klar, je nach Kontrollquote "rechnet" sich Schwarzfahren sicher. Das erhöhte Beförderungsentgelt ist ja auch schon knapp 10 Jahre konstant, seit 2003. Die Fahrpreise stiegen in der Zeit aber um 30 bis 40 Prozent. Das ist auch ein Problem für die VU. Aktuell liegt die Schwarzfahrerquote in Deutschland aber recht niedrig, bei typischerweise um die 3 bis 4 %.


    Zum Vergleich: In Hamburg zahlen bei kostenpflichtigen Parkplätzen wohl im Schnitt fast 80 % der Autofahrer nix. Offenbar ist entweder der Kontrolldruck viel zu niedrig oder der typische Autofahrer deutlich dreister.


    Eins mal festgehalten: Zusätzliche Verkehrskontrollen rentieren sich für Kommunen trotz relativ niedriger Bußgelder oft richtig. Zusätzliche Fahrkartenkontrollen für die Verkehrsunternehmen dagegen wegen der bereits sehr niedrigen Schwarzfahrerquote heute oft nur noch in Einzelfällen.

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    Im übrigen ist "Schwarzfahren" eine Straftat (erschleichen von Leistung). In unserem Rechtssystem muss der Verbund nun beweisen, dass die Fahrkarte nicht echt ist (gültig ist sie ja, egal wie sie aussieht) und nicht der Fahrgast muss die Echtheit beweisen....


    Schwarzfahren ist nicht gleich Schwarzfahren. Es gibt zwei Komponenten. Das eine ist die Straftat. Dafür musst du die Beförderungsleistung benutzt haben in der Absicht, das fällige Entgelt nicht zu zahlen. Das andere sind die 40 Euro. Die werden letztlich zivilrechtlich fällig, wenn du ohne gültigen Fahrausweis angetroffen wurdest. Das allein impliziert aber nicht die Absicht, dass du nicht zahlen wolltest. Es kann ja auch sein, dass du das Ticketsystem gar nicht verstanden hast. Das wäre dann Schwarzfahren (40 Euro zahlen), aber dem Gesetz nach keine Straftat. Punkt.


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    Das einzig dumme an der ganzen Geschichte ist aber, dass der Verkehrsverbund Dir ein Hausverbot erteilen könnte und Du somit die Verkehrsmittel nicht mehr nutzen kannst. Hier sollte man abwägen welches Risiko man dabei eingehen will...


    Der Verkehrsverbund kann schlecht Hausverbot erteilen, er hat allgemein gar kein Hausrecht. Das ist Sache der Verkehrsunternehmen (VU)!


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    1.) Die Monatskarte ist übertragbar. Zwar steht meine Abo-Nummer darauf, aber ich könnte die Karte quasi jedem zur Benutzung überlassen...


    Ich hoffe, du hast notieren lassen, dass du mit der Monatskarte unterwegs warst.


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    Die Verkehrsverbunde können jederzeit einen Beförderungsausschluss erlassen. Dies wird insbesondere dann angewandt, wenn Personen wiederholt auffällig geworden sind. Entsprechende Klauseln wird man bei jedem Unternehmen finden. Einfach mal die Beförderungsbedingungen des Unternehmens studieren...


    Das ist mit Verlaub fast völliger Unfug. Bitte nicht glauben. Wegen Schwarzfahrens im der Vergangenheit allein gibt es keinen Beförderungsausschluss. Punkt. Für Eisenbahnen sind die Möglichkeiten zum Ausschluss klar definiert in § 8 EVO. Auch die HVV-BB sehen so etwas selbstverständlich nicht vor.


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    Richtig so. Ich bin der Meinung Schwarzfahren sollte härter bestrafft werden.


    Solange Schwarzfahrer und Falschparker in diesem Land das fällige Entgelt einer öffentlich finanzierten Leistung im gleichen Preisbereich "sparen", der Schwarzfahrer aber im Zweifelsfall sogar in den Knast gesteckt wird, während Schwarzparker sich übelst verfolgt fühlen und meist mit einer Handvoll Euros davonkommen, solange sehe ich das Problem nicht bei der Bestrafung von Schwarzfahrern.


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    genau dort findet sich zum Thema Alkoholverbot nur die 40 Euro Regelung. Und für alles weitere führe doch bitte den entsprechenden Paragraphen an, wurde leider nicht fündig. ;-)


    §§ 2 und 3 der HVV-Beförderungsbedingungen.

    Freifahrt mit der Bahn im IC/EC/ICE*, 1. Klasse. Beliebige Strecke quer durch Deutschland direkt mit dem Gutschein - es muss lediglich Start- und Zielbahnhof, der Name des/der Reisenden sowie Datum eingetragen werden. Keine Zugbindung, gültig an jedem Wochentag.


    Die Rückfahrt ist bereits inklusive. Gutschein gültig bis 03/2013.


    Preis: 160 €


    * RE, RB und S-Bahn können auch benutzt werden, solange wenigstens eine Teilstrecke im IC/EC/ICE zurückgelegt wird.

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    Hat einer dieses Wahlplakat denn wirklich mal gesehen? Mich macht das "Hartgeld" etwa stutzig, denn die User dort sind bei solchen Dingen recht schnell "kreativ".


    Richtig. Zumindest das Design passt aber in die Zeit. :) Würde es vom Inhalt eher nach 1998 einordnen und ein Plakat war es auch nicht, sondern höchstens ein Flyer oder eine Broschüre. Genaue Quellenangabe bei Hartgeld vorhanden?

    PS:
    http://www.zeit.de/2012/32/Euro-Krise-Schulden-Brantner


    Zu Beginn eine sehr richtige Analyse. Ob eine dauerhafte Schuldenunion aber überhaupt wünschenswert ist, sei mal dahin gestellt. Leider wird diese Diskussion nur sehr am Rande geführt und dann überdeckt von den unsinnigen Diskussionen, ob z.B. kurz- bis mittelfristige Eurobonds zur unmittelbaren Krisenbewältigung der Untergang des Abendlandes wären.

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    Der Staat nimmt durch den Profifussball viel mehr Geld ein, als die Polizeieinsätze an Kosten verursachen.


    Tut zwar nichts zur Sache hier, aber: sind die Gratis-Hundertschaften eine Art Großkundenrabatt vom Staat für die Fußballbranche? :) Übrigens macht auch der spanische Staat insgesamt keinen Verlust mit dem Fußball, trotz der "leichten" Steuerprobleme. Also habt euch mal nicht so.

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    Das sollen wohl die Zahlen für die Saison 2013/14 für die erste und zweite Bundesliga sein. Bisher habe ich dafür "nur" von 628 Millionen Euro gelesen.


    Ne, es sind die Kosten der Übertragungsrechte der ARD für Fußball für eine komplette Gebührenperiode. Das ist Bundesliga, DFB-Pokal, Nationalmannschaft, EM und WM. Und von diesen Veranstaltungen nicht einmal die kompletten Rechte. Das ZDF zahlen zusätzlich bei EM, WM und Nationalmannschaft, Sky & Co. bei der Bundesliga... aber darum soll es gar nicht gehen.


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    Die 36 Vereine der ersten und zweiten Liga erhielten damals zusammen 407 Mio. Euro. Allein Real Madrid kassierte 135,8 Mio. € und der FC Barcelona 116,2 Mio. €. Nach deiner Argumentation könnte/dürfte es da erst recht keine Überschuldung geben, oder?


    Kein Plan, ich weiß nur, dass aus Gebührengeldern der deutsche Millionario-Fußball mit Milliarden durchgefüttert wird. Ich weiß auch, dass man gerade mit horrenden Kostenforderungen gegen "Facebook-Parties" vorgeht und gleichzeitig jedes Wochenende in vielen Stadien die Polizei in ähnlicher Stärke ohne Kostenerstattung arbeiten muss. Da fragt man sich, warum der hoch verschuldete deutsche Staat ausgerechnet hier so spendabel sein muss. Dass die Zahlen eh, auch in Spanien, höchstens Peanuts sind, mal dahingestellt.

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    Das das in D ähnlich läuft heißt ja noch lange nicht, dass es richtig ist.


    Stimmt vollkommen. Es sollte auch nur zeigen, dass diese Idee zwar völlig richtig, aber wohl nicht so leicht durchsetzbar ist. Zumal die Griechen eben auch im Wettbewerb stehen und das auch mit den deutschen Reedern und den deutschen Discountsteuersätzen. Ich habe keine Ahnung, wie die Branche genau aufgestellt ist, aber klar ist doch auch: Man kann nicht einerseits fordern, dass ein Land mehr tut als Oliven exportieren und dann andererseits von einem der wenigen wettbewerbsfähigen Wirtschaftszweige dort verlangen, höhere Steuern als z.B. in Deutschland zu zahlen.


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    Wenn man sich die Zinsen von Griechenland, Spanien und Italien aus den vor-Euro-Zeiten anschaut, fragt man sich, wieso die so überrascht sind. Als ob man noch niemals wesentlich höhere Zinsen gezahlt hätte. Der Euro brachte für diese Länder ganz schnell niedrige Zinssätze. Und statt damit zu investieren hat man konsumiert. Und jetzt sollen die Rechnungen andere zahlen.


    Früher war auch die Inflation zum Beispiel in Italien viel höher. Bei höherer Inflation steigen langfristig auch die geforderten Zinsen. Andere sollen nicht nur, andere müssen jetzt die Rechnung zahlen. Es gibt ja kaum noch Mittel da. Deutschland könnte im Dreieck hüpfen, das ändert nichts. Nackten Männern kann man nicht in die Taschen greifen. Man unternimmt ja auch nichts dagegen. Es sieht gerade so aus, als wenn die Exportüberschüsse einen neuen Rekord erreichen würden. Deutsche Waren gegen immer neue Schulden des Auslands - viele Volkswirtschaftler sagen, das ist Wahnsinn. Es geht trotzdem weiter.


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    Die griechische Politik und vor allem die griechische Verwaltung ist wohl weder willens noch in der Lage, irgend etwas Entscheidendes zu ändern. Da kommen dauerhafte Hilfen doch gerade recht.


    Wer sollte wirklich dauerhaft Hilfen in den aktuellen Höhen zahlen können? Das ist Unsinn, das geht nicht. Die griechische Politik ist nach meiner Meinung gerade völlig handlungsunfähig. Einerseits arbeitet die griechische Bevölkerung gegen die Politik. Es gibt kein Vertrauen in sie und so ist sich gerade, wie geschildert, jeder selbst der nächste. Der Kahn Griechenland sinkt und kaum jemand glaubt, dass der Käptn plötzlich das Loch gestopft kriegt. Vorher war er ja auch nicht gerade der Fähigste und einen besseren mit entsprechenden Fähigkeiten hat man nicht an Bord. Also wird sich um die Rettungsboote geprügelt. In der Zeit kannst du nicht erwarten, dass die Brücke auch noch den Kurs um 180 ° drehen wird. Andererseits ist die Umgebung ebenso schwierig. Die Zinsen sind so hoch, dass man die Schulden ohne Hilfen nicht mehr tragen kann. Und die Konsequenz, diese Schulden nicht mehr zu bedienen, wollen die Gläubiger samt z.B. Deutschland unbedingt verhindern. Ergebnis: Es gibt primär neues Geld für Griechenland, damit die alten Schulden weiter bedient werden können.


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    In Spanien fragt man sich, warum lässt man nicht die Banken, die sich verspekuliert haben, pleite gehen?


    Wie oben geschrieben: Die Banken würden andere Löcher im System aufreißen. Man versucht, diese Löcher immer weiter zu verschieben und den Gesamtzustand zu kaschieren.


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    Aber solange jemand anderes zahlt, muss man sich dort keine grossen Gedanken machen.


    Ich glaube nicht, dass nur Spanier gegen die spanischen Banken Forderungen haben. Auch z.B. deutsche Institute oder z.B. die EZB. Die wären bei einer Pleite einfach - WEG! Sind nur einige hundert Milliarden. Ziemlich vermessen, die Zahlungen an Spanien auch noch als großzügige Gabe darzustellen - findest du nicht? Nochmal: Das Problem steckt im System und im System ist auch Deutschland drin.


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    Solange man Fußballclubs Hunderte von Millionen Steuerschulden stundet und Fußballmultimillionären Steuersätze wie Hilfsarbeitern einräumt, kann es ja eigentlich keine Geldnot geben.


    In Deutschland kann es auch keine Überschuldung geben, wenn allein der Quasi-Staatssender ARD allein für Fußball-Übertragungsrechte pro Gebührenperiode schlappe 707 (!) Millionen Euro ausgeben kann, oder?