Zitat
Niemand will Schuld gewesen sein.
Ja und? Erstmal: Welche Dimension von "Schuld" soll denn hier jemand tragen? Und wie definierst du die?
Es scheint hier schon daran zu hapern, dass man wohl nur mit einiger Mühe einen einzigen, klar abgegrenzten Grund finden wird, aufgrund dessen die Panik tödlich ausging und der klar definierte Verantwortliche hat!
Ansonsten kann man fröhlich losbeschuldigen wie die letzten Affen auf den Bäumen: Der Bürgermeister wollte den Event unbedingt in seiner Stadt haben. Das reicht ja schon für Rücktrittsforderungen und Morddrohungen. Schuld? Als wenn er mit seinem Engagement für die Love Parade allein gewesen wäre und nicht auch unter Druck von Gruppen gestanden hätte. Was ist zum Beispiel mit der Öffentlichkeit? Was wäre losgewesen, wenn die Parade zum zweiten Mal abgesagt worden wäre? Kritische Töne in den Medien zuvor hatten als Basis wohl höchstens die hohen Kosten, dabei wird es genug Leute gegeben haben, die das Gelände kannten! Liegt ja nicht irgendwo in der Prärie, sondern direkt am Hauptbahnhof.
Dann wäre der nächste "Schuldige" ja wohl der, der die Parade erstmal ins Ruhrgebiet geholt hat, oder? Ohne Ruhrparade kein Druck auf die Verantwortlichen, oh, und überhaupt keine Parade. Aber die Parade hat auch kein Mensch allein geholt.
Langer Rede kurzer Sinn: Warum akzeptiert man nicht, dass eine solche Katastrophe schlicht eine Vielzahl an "Schuldigen" haben kann, eventuell sogar über die Öffentlichkeit selbst? Es ist m.E. absolut irrwitzig, auch bei einem hochkomplexen Zusammenwirken mit mehreren tausend Beteiligten alles auf einen oder weniger Individuen abzuwälzen.