Ach Leute. Mal meine Erfahrungen:
Ich durfte die 7. Klasse wegen einer 6 in Latein wiederholen. Alle anderen Noten waren mindestens 4. Mit der Wiederholung änderte sich bei meinen schulischen Leistungen kaum etwas, meine Einstellung der Schule gegenüber verschlechterte sich noch. Entsprechend wäre ich abermals sitzengeblieben, diesmal aber wegen anderer Fächer, bei denen ich mich im Vergleich zum Vorjahr noch verschlechterte. Ich langweilte mich schlicht ohne Ende, den Großteil des Stoffs kannte ich schließlich schon irgendwo her - und Latein war mir weiterhin egal. Ich sah das Sitzenbleiben eher als dümmliche Bestrafung denn als Ansporn.
Erst in der 9. Klasse wurden meine Noten besser und letztlich habe ich an dieser Schule noch Abitur mit einer 1 vor dem Komma gemacht.
Wer mit "Grundlagen" kommt - das war in Latein furchtbar egal, weil dieses Fach jedenfalls zu meiner Zeit in der Oberstufe ersatzlos abgewählt werden konnte und schon vorher ich nicht der einzige war, der sich durch den Unterricht mogelte. Dank einer "4" bekam ich problemlos das Latinum - mit Lateinkenntnissen nahe null. Man muss nur wissen, wie man sich durchmogeln kann.
Derweil saßen bei uns im Jahrgang noch Schüler, die nach eigener Aussage und bestätigt von den leider eher kläglichen Aufgabenlösungen den gesamten Mathestoff ab der Mittelstufe nicht mehr richtig verstanden hatten. Das blieb letztlich durchweg konsequenzenlos, weil diese Schüler sich nicht so dämlich anstellten und wenigstens immer eine 5 in Mathe bekamen. Diese Note ließ sich damals jedenfalls noch mit einer 3 in einem anderen Hauptfach ausgleichen.
Fazit: Das derzeitige System ist IMO schlicht für den Arsch. Ich habe ein Jahr verloren, einige meiner Mitschüler von damals kann man mit Mathe nur jagen. Nötig wäre eine Differenzierung der Leistungen mit entsprechender Betreuung. Aber darauf können wir lange warten, wenn im Schulbereich weiter gespart werden soll und die Schulzeit stattdessen mit unausgereiften Konzepten wie G8 verkürzt wird.
PS: schmidt3, vor dem Sozialismus brauchst du dich im Bildungsbereich jedenfalls nicht zu fürchten. Es ist Fakt, dass der Bildungsstand kommunistischer Länder mit dem kapitalistischer Systeme mindestens mithalten konnte bzw. kann.