Beiträge von oleR

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    Auch die 10-15%, auf die die GDL abzielen mag, sind angesichts des Tarifabschlusses mit anderen Gewerkschaften unrealistisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bahn im selbst allerallerletzten Angebot mehr als 6-8% plus Verbesserung der Arbeitsbedingungen etc. anbieten wird.


    Nun, dass es jetzt dazu kam, liegt ja gerade auch daran, dass die bisherigen Abschlüsse der Transnet den Lokführern zu niedrig sind. Sie sagen, dass sie real seit 1994 knapp 10 % weniger bekommen.


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    - Hart bleiben, so viel Beamte wie möglich zu Lokführern ausbilden, neue mit befristeten Arbeitsverträgen und Schnellausbildung einstellen und warten, bis der GDL das Geld ausgeht.


    Die Beamten werden übrigens vom Staat subventioniert. Mal davon abgesehen werden sie immer weniger (es kommen ja keine neuen nach) und ob Umschulen überhaupt in angemessener Zeit geht?


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    Du überschätzt den Einfluß von Einzelstaaten gewaltig. Das Kapital, sprich die Großbanken, sind viel einflußreicher und mächtiger als jeder Einzelstaat. Wenn man sieht, wie effizient der Staat mit Geld umgeht, nämlich so, dass von 1 € maximal noch 50 Cent übrig bleiben, ist das vielleicht auch besser so...


    Der Staat hat auch ganz andere Aufgaben als eine plumpe Kapitalgesellschaft. Zum Beispiel, wenn er das Versagen der Wirtschaft in vielen Bereichen ausgleichen muss.


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    Wir haben in D nicht nur Unternehmen welche Geld wie Heu scheffeln, sondern auch genügend KMU die so gerade mal eben vor sich hinkrebsen.


    Nun, alle sind am Markt. Und bei den Niedriglohnbereichen reden wir doch großteils nicht über irgendwelche Fabriken, in denen Spielzeug produziert wird. Dafür sind selbst 3 Euro noch zuviel, weil man es im Ausland noch billiger produzieren kann. Bei Dienstleistungen sind alle gleichermaßen betroffen.


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    Selbst wenn die wollten könnten die keine höheren Gehälter zahlen.


    In den meisten Fällen IMO nichts als eine Schutzbehauptung. Wenn alle davon betroffen sind, lassen sich dann nicht sehr leicht höhere Preise am Markt durchsetzen?


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    Außerdem: Was ist denn brachenüblich? Es gibt für den selben Job in D naturgemäß ein sehr unterschiedliches Gehalt, im Norden weniger als im Süden, im Westen mehr als im Osten. Dazu kommen noch Haustarifverträge bei den großen Unternehmen, wer soll da ne anständige Basis finden um zu sagen, dass ein Schweißer mindestens X % bekommen soll?


    Man sollte vielleicht damit anfangen, dass man sich entscheidet, was man will. Soll die Wirtschaft auch Verantwortung zeigen gegenüber der Gesellschaft oder nicht? Wenn ja, muss man sich überlegen, wie man es umsetzen will. Derzeit habe ich den Eindruck, die Wirtschaft würde am liebsten völlige Narrenfreiheit haben. Markt total, weg mit staatlichen Regelungen - aber um die zig Millionen "Übrigbleibsel" soll sich dann doch der Staat kümmern (u.a. Investivlohn), damit die dem ganzen Betrieb nicht aufs Dach steigen.

    Das allein löst das Problem nicht, schafft aber nebenbei andere Probleme. Warum sollte ich das Geld dann noch verleihen, wenn ich keine Prämie dafür bekomme? Ja, es könnte verfallen, aber - kommt man da nicht bei einer Deflation raus?


    Zumal das "Problem" mit der "Leistung" auch dann existierte. Nämlich zumindest beim Erben. Wer eine Firma erbt, hat dafür nicht notwendigerweise irgendwas getan, kann aber im Regelfall fortlaufend Beträge daraus erzielen. Ebenso beim Häuschen. Nichts dafür getan, aber nach dem Erbe spart man sich die Miete. Usw.

    Nun, also zumindest Hamburg und Berlin muss man differenzierter sehen. In beiden Städten sind die U-Bahnen komplett vom Straßenverkehr getrennt. Die Züge fahren auch etwas schneller als in Frankfurt, nämlich 70 (BVG) bzw. 80 (HHA) km/h Spitze. Man fährt im Regelfall nicht wie in anderen Städten "auf Sicht", sondern wie bei der Eisenbahn nach Signal. Und sind nebenbei noch etwas länger als normale Straßenbahnen, nämlich im Regelfall über 110-120 Meter mit Platz für 800 Menschen pro Zug. Die S-Bahn ist in beiden Städten in dieser Hinsicht nicht großartig anders, sie hält auch alle paar hundert Meter, die Züge schaffen jeweils maximal 100 km/h (mehr könnte man auch gar nicht ausfahren) und auch sie sind natürlich komplett vom Straßenverkehr getrennt.


    Übrigens: Es gab jedenfalls in Berlin allerdings vor einigen Jahren einige Tricks, um die Löhne der U-Bahn-Fahrer zu reduzieren. Man hat einfach eine Tochtergesellschaft, die "Berlin Transport" (BT), gegründet und etliche Fahrer dorthin verschoben. Diese Firma macht nichts, als der Muttergesellschaft BVG Fahrer für die U-Bahn zur Verfügung zu stellen. Die Fahrer bekommen natürlich deutlich weniger Geld als ihre Kollegen, die direkt bei der BVG beschäftigt sind. Würde bei der BVG gestreikt werden, hätten sie auch ihre "Beamten", nämlich die Fahrer der BT. Schlauerweise sollen die Tarifverträge unterschiedliche Laufzeiten haben, sodass nie beide "Firmen" gleichzeitig streiken können. Also, da gibt es praktisch zwei Tarifverträge in einem Unternehmen, nur mal zum Vorteil des Arbeitgebers. Die Frage ist, wie lange die Beschäftigten das hinnehmen werden :)

    Zum Thema U- und S-Bahn: U-Bahnen sind in Deutschland rechtlich Straßenbahnen. Kein Scherz. S-Bahnen dagegen, auch in Hamburg und Berlin, wo sie großteils innerstädtische Strecken bedienen und auf komplett eigenen Strecken fahren, gelten als "richtige" Eisenbahn.

    DLove:


    Die Bahn ist mittlerweile einer der größten Logistiker weltweit. Die haben sich aus Steuergeldern BAX und Schenker zusammengekauft, das sind Firmen, die größtenteils auf der Straße arbeiten. Mit dem Schienenverkehr in Deutschland hat das aber zunächst einmal nichts zu tun.


    Die DB macht unter Berücksichtigung der Staatssubvention keinen müden Cent Gewinn, sondern Milliarden Euro an Verlusten. Im Schienenverkehr erst recht, denn ein guter Teil der Gewinne kommt von den eben erwähnten Logistikern. Daran hat sich in den letzten Jahren nichts geändert, mitunter wurden die Posten einfach von A nach B geschoben.


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    und wenn die Gehälter so hoch werden, dass die DB nicht mehr konkurrenzfähig ist, dann wird man als allererstes Personal entlassen.


    Auch hier: wenn die Tabellen stimmen, wird im europäischen Ausland deutlich mehr gezahlt.


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    Man muss mal ganz klar sagen, dass die Bahn nur konkurrenzfähig bleiben kann, wenn sie an die Börse geht, sonst wird sie gegen internationale Konkurrenz keine Chance haben und auch in Zukunft am Tropf der Steuerzahler hängen.


    Das "internationale Konkurrenz" hier bezieht sich für die nächsten Jahre/Jahrzehnte wohl höchstens auf den Güterverkehr, großteils auf der Straße. Und da muss man sich fragen: Brauchen wir unbedingt zwei führende, weltweit tätige Logistiker in Staatshand, nämlich die Deutsche Post und die Deutsche Bahn?! Oder sollte die Priorität eines Konzern, der auf Ewigkeiten zur Hälfte dem Staat gehört, nicht eher darauf liegen, in Deutschland möglichst viel Menschen und Güter effizient auf der Schiene von A nach B zu transportieren? Im Personenverkehr wird es Wettbewerb wohl nur im Nahverkehr geben. Und da wird bei anderen Anbietern bereits heute mehr gezahlt, glaubt man der GDL. So sollen die Lokführer bei Metronom (Regionalverkehr Hamburg-Göttingen und Hamburg-Bremen) bessere Arbeitszeiten und trotzdem 10 % mehr Geld als die Kollegen der DB haben.


    Niemand geht davon aus, dass die Bahn weg kommt von Staatssubventionen. Im Regionalverkehr nicht und bei der Netzinfrastruktur schon gar nicht. Wenn es so durchgeht, wie derzeit von Bahn und Politik geplant, heißt das: Die Bahn gehört zur Hälfte irgendwelchen Investoren, kassiert aber fest für das Netz mehrere Milliarden Euro. Und noch dazu natürlich die Subventionen im Regionalverkehr. Im Fernverkehr ist Wettbewerb strukturbedingt wohl weiterhin extrem schwierig, ergo: die DB ist dort weiterhin Quasi-Monopolist. Bevor jetzt jemand mit den über 300 Wettbewerben kommt: Wo kann ich denn tatsächlich für eine Strecke auf der Bahn zwischen mehreren Firmen auswählen? Es gibt keinen Wettbewerb und es wird jedenfalls im Personenverkehr keinen Wettbewerb auf breiter Fläche geben, bei dem der Endkunde zwischen mehreren Bahn-Beförderern auf einer Verbindung auswählen kann. Das gibt es nirgendwo auf der Welt.

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    das system wird sich aber nicht dadurch ändern, dass lokführer weniger oder 30% mehr verdienen...


    Nein, aber es ist ein Signal, dass es nicht weitergeht wie bisher und die immer Mächtigeren (=> hier die Leitung der DB AG) auch Schranken haben. Ich hätte kein Verständnis dafür, wenn die Lokführer Luxus-Löhne (genialer Begriff) forderten. Sie haben aber nun einmal in den letzten 10 Jahren Einkommensverluste (real) hinnehmen müssen und wollen nur auf ein Niveau, das kaum besonders hoch ist. Dass es anderen schlechter geht, kann kein Grund sein, alle weiterhin "ganz unten" halten zu wollen.


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    sorry, aber hier diskutieren einige sehr philosophisch. die demokratie und die marktwirtschaft mögen zwar nur die 2. besten systeme sein, aber die besten gibt es nicht...


    Keiner kritisiert Demokratie und Marktwirtschaft. Es geht nur um die konkrete Ausgestaltung und dafür ist der aktuelle Tarifkonflikt ein Beispiel.

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    Doch (mal ganz davon ab, dass die WiWi auch nicht von sich behauptet eine "exakte" Wissenschaft zu sein, Theorie ist alles), denn wer "zwingt" einen den arbeiten zu gehen? Eigentlich keiner oder steht in irgendeinem Gesetz das man arbeiten gehen muss? Nö.


    Natürlich gibt es einen Zwang, arbeiten zu gehen. Nämlich das blanke Überleben. Wer kein Geld geerbt hat, muss Geld verdienen, egal, ob er will - oder nicht! Man kann schließlich nicht einfach auf den nächsten Acker gehen und dort Pflanzen anbauen - selbst das Schießen von Wild ist ja verboten. Bleibt das Betteln, aber ob man das als "arbeiten" bezeichnen will... naja.


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    Natürlich besteht irgendwo ein natürlich Zwang zu Arbeit schon allein damit die Miete bezahlt ist und der Kühlschrank voll, aber wenn man auf solche Dinge verzichten kann/will hält einen davon schließlich keiner ab.


    Wie gesagt: Ohne Geld gar kein Dach überm Kopf und gar nix im nicht vorhandenen Kühlschrank. Und Geld ist in dieser Gesellschaft nur über Arbeit zu verdienen, jedenfalls für alle, die nix haben außer ihrer Zeit. Dass dieses System hinten und vorne zusammenkracht, ändert nichts daran, Menschen sind schließlich schwerfällig.


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    Und natürlich kann sich jeder AN aussuchen was er macht, jeder Lokführer kann sich hinstellen und sagen er bietet seine Arbeitskraft künftig nur noch für 4.000 € netto an, niemand wird ihn daran hindern, das einzige Problem: Er wird genauso keinen AG finder der bereit ist ihm das zu bezahlen.


    Nein, kann er ja gerade nicht. Erstens braucht er bekanntlich Geld, damit er überhaupt leben kann und das soll in diesem System nur durch Arbeit erzielt werden. Zweitens hat er eine bestimmte Ausbildung, kann also nicht plötzlich morgen als Börsentrader anfangen. Natürlich kann er sich umschulen lassen. Aber frag mal seine Familie, was die davon hält. Du sprichst Arbeitnehmern hier Freiheiten zu, die sie überhaupt nicht haben.


    So, Fortsetzung:


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    Und wenn man schon etwas auf der Revoluzer-Schiene fahren will muss man sich ja auch ernsthaft fragen was denn nur die richtige wirtschaftliche Ausrichtung ist. Sowohl Demokratie als auch Kommunismus bzw. Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft haben objektiv versagt. Egal welches System ein Staat hat: Die "oben" haben die Taschen voll und der einfache Arbeiter muss es ausbaden.


    Nun, in der Tat neigen so ziemlich alle Systeme dazu, letztlich unheilvolle Machtstrukturen zu entwickeln und zu festigen. Ohne ein komplett neues System zu entwickeln, das diesen Grundfehler nicht hat - so es das überhaupt gibt! - bleibt nur, aufmerksam gegenüber Fehlentwicklungen zu sein und diese korrigieren zu wollen.

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    Und was die Zeitfrage angeht: Bei Deiner Aussage würde es in jeder BWL/VWL Prüfung jetzt heißen: Setzen Sechs.


    Ich studier auch nicht BWL oder VWL und staune immer, wenn ich entsprechende Lehrbücher lese. Das sind schlichtweg keine exakten Wissenschaften mit Wahrheitsanspruch. Was heute noch gelehrt wird, kann übermorgen schon wieder falsch sein und für ein Problem gibt es 20 verschiedene Ansätze, wobei man wohl nie den völlig richtigen Punkt finden wird. Das ist jetzt wiederum nicht auf diese spezielle Aussage bezogen; nur kannst du mir nicht erzählen, ein AN würde prinzipiell nur seine Arbeitskraft vertickern. Rein logisch würde das heißen, dass 1. bessere oder mehr Arbeit auch mehr Geld bedeutete, was aber, wenn überhaupt, nur höchst indirekt der Fall ist (im Gegensatz zur Zeit -> Überstunden!) und 2. dass der AN sich aussuchen könnte, was genau er macht und was nicht, das ist ebenfalls nicht der Fall. Als BWLer/VWLer kannst du mir da gerne widersprechen, auf die Begründung aber wäre ich gespannt :)


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    Ja spätestens seid sich Schell im Interview "verplappert" hat auch wenn sein Vize am nächsten Tag im Frühstücksfernsehen krampfhaft versucht hat zurückzurudern. Ein eigener TV ist durch den Auftritt von Schell für die GDL in weite Ferne gerückt, war auch nie ein realistisches Ziel und wird auch in den weiteren Verhandlungen kein großes Thema mehr sein.


    Was die GDL PR-mäßig abliefert, ist desaströs. Mittlerweile kann ja schon fast jeder für seine Meinung eine passende GDL-Aussage finden.

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    der marktwert scheint aber nicht so toll zu sein, denn sonst hätte ja mehdorn schon einlenken müssen.


    Bei der DB geht es um mehr. Der Marktwert mag vielleicht gestiegen sein, aber er ist ja wie so häufig bestenfalls fiktiv, ergo: mangels Markt muss das auch erst einmal umgesetzt werden. Entstehen jetzt wirklich für die DB massive Verluste, nimmt sie diese hin, allein, um bei weiteren Verhandlungen in x Jahren nicht schwächer dazustehen.


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    da es sich um eine 9monatige anlernausbildung handelt, werden 1000 neue bald vor der tür stehen.


    Diese neuen Lokführer sollen m.W. erst ab 1. Januar anfangen. Für den aktuellen Tarifkonflikt werden sie also keine Entlastung für die DB bringen, es sei denn, GDL und DB haben Lust auf weitere 11 Monate Arbeitskampf.


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    ausserdem kann man ja auch noch aus dem ausland welche anwerben, also vorsicht auf seite der lokführer.


    Wenn die Information stimmt, dass im Ausland deutlich besser gezahlt wird, wäre interessant, warum z.B. ein Schweizer oder französischer Lokführer drastische Bezahlungseinbußen hinnehmen sollte, um bei der DB zu fahren.