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Original geschrieben von derAL
Gegenfrage: Wieviele mutige Entscheidungen kannst Du heute als Manager eines börsennotierten Unternehmens hintereinander treffen, ohne von Deinen Stakeholdern, die alle unterschiedliche Interessen und Befindlichkeiten haben, zerrieben zu werden?
Meiner Meinung nach hängt das von verschiedenen Faktoren ab. Welche Authorität, Renomee und Durchsetzungskraft hat der/die Manager. Welche Phantasie steht hinter der Idee des Managers. Wie schnell zeigen sich Erfolge.
Einem Steve Jobs hätte man wahrscheinlich sehr viele mutige Entscheidungen zugebilligt. Einem "Insolvenz-König" vermutlich keine.
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Du hast ein, zwei radikale Schüsse, vielleicht auch noch einen dritten frei, dann wird es verdammt kompliziert. Der Kapitalmarkt redet ständig rein, die Ratingagenturen drohen, die Gewerkschaften, die Unternehmens-Einheiten, die Ebenen über (Aufsichtsrat, wer hatte da das Sagen > einer der Vorgänger, der natürlich damals aus dessen heutiger Sicht immer noch 'alles richtig gemacht hat), auf gleicher Stufe (die mit Deinem Vorgänger, der nun im Aufsichtsrat mitredet und Positionen bündelt, immer noch gut können oder sich von dem guten Draht immer noch etwas versprechen) und unter Dir, die Unternehmenskultur und und und. Und es ist ja nicht so, dass einer alleine sämtliche Entscheidungen eine nach der anderen in schneller Abfolge in einem abgeschlossenen Turm trifft.
Da gebe ich Dir sogar Recht. Je nachdem wie verkrustet die alten Strukturen sind, desto weniger leicht sind weitblickende Entscheidungen. Ganz abgesehen von den Animositäten der alten Spitze. Wer läßt sich schon gerne die alten Mißerfolge vorhalten. Aber .... ->
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Gemessen daran, waren die Entscheidungen zum Zeitpunkt der Entscheidungsabfolge (in Bezug auf die damals vorhandene Informationslage) mutig und konsequent. Hinterher alles ex-post besser zu wissen, ist immer recht einfach. In der Krise eine Entscheidung zu verantworten, muss man erst mal mental können.
Aber ... -> Auch in Bezug auf die damalige Informationslage waren die Entscheidungen zwar konsequent aber nur bedingt mutig (es gibt ja zwei Richtungen) und für mich nicht weitblickend. Vor allem unter Berücksichtigung, dass Symbian abgekündigt wurde, während man ca. 1/2 bis 1 Jahr keinen Ersatz hatte. Hälst Du das in der schnellebigen IT-Welt nicht für eine Harakiri Aktion ?
Du hast geschrieben, ich hätte radikale, komplizierte Schlüsse gezogen. Die sollten nur die möglichen Handlungsstränge zeigen.
1.) Es war schon früh beabsichtigt, keine Smartphones mehr anzubieten (eher unwahrscheinlich) --> Ein mögliche Sicht. Nokia ist nicht Pleite, Wasserkopf wurde verkauft. Ziel erreicht.
2.) Es sollten weiter Smartphones angeboten werden. Das Risiko sollte aber minimiert werden. --> In diesem Fall war ich der Meinung, dass es schon ein bedeutendes Risiko war, von einem sterbenden System auf ein nicht gewolltes System zu setzen. Welcher Weitblick und welche Annahmen lagen denn dieser Entscheidung zu Grunde ? Gab es Anhaltspunkte, dass WP der große Wurf werden würde ?
3.) Es sollten weiter Smartphones angeboten werden. Man wollte jedoch nicht auf Android, WP und Symbian setzen (Android vielleicht nur als Lückenfüller) --> Wenn man auf ein neues OS setzen will (abgesehen von einer evtl. Übergangsphase mit Android), dann gibt es nur wenige gute Möglichkeiten. Siehe Samsung. Nokia hat diese, in meinen Augen einmalige Chance, verpasst. Meego wäre zwar neu gewesen aber mit den noch hohen Symbian Verkaufszahlen wäre ein sanfter Übergang möglich gewesen.
Ich weiß jedoch nicht, ob Nokia noch genügend finanziellen Spielraum gehabt hätte. Auch kann man natürlich nur spekulieren, ob die Symbian Verkaufszahlen ohne Abkündigung langsamer gefallen wären.
Eine weitblickende und radikale Entscheidung wäre m.M.n. gewesen. Schließung einiger Standorte (sofern möglich), Auftragsfertigung, Verschlankung des Wasserkopfes (sofern möglich) ,
Übergang Symbian -> Meego, da Verkaufszahlen noch gut.
Zusätzlich hätte man auf Android setzen können. Mit dem Namen von Nokia und vor allem Pureview wären die Chancen nicht schlecht gewesen. PureView hätte auch in de Android Welt für Aufsehen gesorgt.
Ich will mich gar nicht auf Meego festlegen. Nur Android, Android/WP oder andere Kombinationen wäre auch möglich gewesen.
Dafür verdienen die Manager Millionen und ich nicht.
Sicher war damals nicht alles abzusehen aber viele Dinge (sehr viele) waren damals schon bekannt.
VG