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Was haltet ihr von einer Auflösung der GKV, verbunden mit einer Versicherungspflicht in einer PKV, der Prämienberechnung nach Risiko und einer eventuellen Erstattung der Beiträge oberhalb einer gewissen festzulegenden Grenze durch den Staat?
Davon halte ich gar nichts, weil diesem Wunsch ein großer Gedankenfehler zu Grunde liegt!
Dein Prinzip bedingt, das Krankheit eine Ware ist bzw. Heilung eine solche. Das ist aber nicht so. Weil es in letzter Konsequenz bedeutet, das nur noch Krankheiten geheilt werden, die genug Profit abwerfen. Das beobachtet man momentan in Lateinamerika, wo Brasilien bspw. drüber nachdenkt, sämtliche Patente zu brechen und selber zu produzieren (bei Generika machen sie es schon). Bei Hepatitis ist es in Brasilien so, das die Pharmakonzerne unverhohlen zugeben, das sie erst dann mit dem Preis für die Medikamente runtergehen werden, wenn ihnen der Staat mehr Kunden (das sind Patienten!) beschafft-und die Konzerne wirken darauf auch hin, denn den momentanen Marktpreis können sich in Brasilien nur wenige leisten (da schießt sich im wahrsten Sinne mancher Patient den Weg durch die Apotheke zum Medikament frei, so weit ist es schon), was zur VErbreitung der Erkrankung führt. Die Konzerne nehmen also das Leid und den Tod von Menschen auf sich, um Profite zu erwirtschaften.
Genauso ist es auch bei uns, wenn es um exotische Krankheiten und Behinderungen geht. Da beteiligen sich die Konzerne überhaupt nicht-das machen die Universitäten alleine und wenn die dann kurz vorm Erfolg sind, dann kommen die Konzerne und werben Leute ab und kaufen sich darüber das Patent. Wir alle zahlen also die Forschung, die Profite daran streicht das Pharmaunternehmen ein und wir leiden darunter.
Heilung ist kein Markt! Heute ist es auch so, das die gesetzlichen Kassen das gesamte System zahlen (die paar Privatpatienten können es gar nicht), die Privatpatienten aber bevorzugt werden, weil sie ein paar Euros für den Doc und die Klinik drauflegen. Die paar Euros würden aber den Laden alleine nicht am laufen halten, insofern ist das eher legale Korruption zu nennen.
Sinn macht alleine komplette Schließung aller Privatkassen, eine gesetzliche Versicherung für alle und Negierung von Patenten im medizinischen Bereich. Weil es erst dann einen echten Wettbewerb geben wird.
Und zwar nicht einen Wettbewerb um Finazen, sondern einen Wettbewerb um medizinische Leistung!!! Heute gehts darum, wer Kasse macht. Es muss aber wieder darum gehen, wer am meisten Menschen heilt! Nur das ist der Sinn eines Krankenhauses, nichts anderes!
Der Wettbewerb den du forderst, hat nur mit Kosteneffizienz zu tun. Man sollte eher einen Wettbewerb um die beste Behandlung beginnen. Bei nur einer Kasse müssten Ärzte wie Krankenhäuser nämlich am Service und Behandlungsgüte feilen und nicht an ihrer Dividende. Es kann nicht Sinn eines Krankenhauses sein, Gewinne zu machen. Alleine die Patienten zu heilen ist der Sinn. Ob und was das kostet ist irrelevant!
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Das wird zu einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit führen. Entweder müssen die Menschen weniger verdienen (denn sie arbeiten ja weniger) und können weniger konsumieren oder sie verdienen nominal das Gleiche, erleiden real aber Einkommenseinbußen, da die zusätzliche Zahl an Arbeitskräften zu einer Erhöhung der Lohnkosten führt, was wiederum zu einer Anhebung des Preisniveaus führt.
Warum müssen sie weniger verdienen? Solange die Gewinne sprudeln, müssen auch die Gehälter üppig sein. Cheffe bezahlt sich selbst ja auch nicht nach Arbeitszeit, sondern greift in den Gewinntopf. Daraus kann er auch seine Mitarbeiter finanzieren, allein, der Wille und die Moral dazu fehlen oft.
Die Arbeitszeit als Indikator für den Verdienst zu nehmen, ist sowieso abseits jeder Logik. Das Gehalt sollte sich an der Produktivität der Belegschaft bemessen und die ist nicht an Zeit gebunden.
Die Lohnkosten zahlen wir (nicht-selbstständigen) so oder so immer alleine, damit kannst du niemanden mehr erschrecken.
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Das beschreibt eine große Steuererhöhung, das Geld wird für die große Umverteilungsaktion gebraucht. Leider ist das Kapital wie ein scheues Reh - wenn Konzerne hier hohe Steuern zahlen müssen, wandern sie ab in das "billigere" Ausland. Übrig bleiben KMUs und Privatpersonen, die ihren Sitz nicht relativ problemlos verlagern können. Diese müssen im Endeffekt immer mehr zahlen, da die Steuerbasis immer kleiner wird.
Ich hab noch kein Reh gesehen, das vom Finanzamt verfolgt wird. Auch hier ist die Wahrheit hinter dem Ammenmärchen, das "Reh" (Wirtschaft) interessiert sich so gut wie gar nicht für die jeweilige Steuer-interessant ist nur, was am Ende auf der Rechnung steht.
Und es flieht auch niemand. Andernfalls verwundert das Gejammer, das man sich so sehr vor Übernahmen aus dem Ausland fürchte, Alpträume voller Heuschrecken hat. Denn die sind nicht so reich geworden, weil sie so blöd sind, wie manche Rede deutscher Wirtschaftslobbyisten. Die Steuern schrecken die Heuschrecken offenbar überhaupt nicht, allein der deutsche Michel fürchtet sich.
Wo wollen sie denn auch hin? Welcher Staat garantiert ihnen die Sicherheit am Produktionsstandort, die geringe Korruption und die Qualität der Produktion? Das gibts nicht in China, nicht in Russland, auch nicht in Afrika oder Lateinamerika. Tja, und Nordamerika hat viel höhere Steuern als wir. Die meisten, die mit Geschrei über die Steuern und Lohnkosten abgewandert sind, sind längst wieder hier...
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Aber wäre Verstaatlichung nicht genau die falsche Lösung, die den Betrieb ineffizienter machen würde?
Guck doch mal selber...
Die billigsten Stromanbieter sind unter den Stadtwerken zu finden, die noch in teilweise staatlicher Hand sind. Die Preisschraube verloren haben die Großkonzerne. Deren Produkt ist aber nicht besser, denn Strom ist Strom.
Die Müllabfuhr, da gibt es genug Beispiele, läuft besser und billiger bei mehr Lohn für die Müllwerker, wenn sie in staatlicher bzw. kommunaler Hand ist.
Man muss sich auch fragen, was solche Aufgaben im Wettbewerb zu suchen haben? Denn Strom, Wasser, Müll und dergleichen sind existenziell wichtig für den Ablauf im Staat. Wenn die Regierung will, das der Laden läuft, dann muss sie sich höchst selbst um diese Aufgaben kümmern.
Was passiert, wenn sich ein Staat aus solchen Dingen heraushält oder sie dem Markt überlässt, kann man auch gut in der Welt sehen. In den Favelas und anderen Armensiedlungen, wo kein privates Unternehmen den Müll abholt und der Staat sich raushält. Solche kleinen Zivilisationsbrände sind sehr sehr schwer zu löschen und verleiden auch den versorgten Gebieten das Leben. Brasilien kämpft da gerne mal mit dem Militär gegen die Favelabewohner, was auch nicht billig ist. Hätte man diese Gebiete nicht dem Markt überlassen, dann würden dort jetzt keine Drogenbosse die Krankenhäuser finanzieren, sondern vermutlich tausende steuerzahlende Bürger mit geringen, aber ausreichenden Einkommen leben. Und die Polizei könnte vor Ort handeln, man bräucht keine Militärs.
Auch in Deutschland ist die Situation in den sozialen Brennpunkten eskaliert, seitdem sich der Staat zurückschraubt.
Was du lernen musst ist, das es völlig wurscht ist, ob ein Betrieb effizient ist.
Effizienz widerspricht allen Realitäten. Ist ein Lebensstil von Paris Hilton, Rupert Murdoch, Harald Schmidt und Co. inneffizient? Finanziell ja, was die alles an Geldern und Ressourcen rausballern. Aber leidet deren Lebensqualität? Nein!!!
Effizienz und Wirtschaftslehre ist nichts anderes als Donaldismus. In sich selbst logisch, aber an keine Realität gekoppelt.