Ich denke, man sollte sich in der Diskussion um eine "Generationengerechtigkeit" nicht so am "Auswandern" aufhängen. Das ist eine pubertäre Trotzfloskel, gerade dann, wenn sie von Studenten getroffen wird, die noch im Studium drinn sind.
Viele Studiusos halten sich für Elite, weil ihnen das jeder zuraunt (Medien, Stammtisch, Politik)- aber so ist es nunmal nicht. Die Welt wartet nicht auf deutsche Studenten, schon garnicht, wenn sie nur die abgenudelten Christiansenplatten in Interviews vor sich herleiern, wie es der Knilch im FAZ-Interview vermochte. Gute Studenten hat selbst Kuba (da putzen in der Regel gut ausgebildete Doktoranden oder gar Professoren die Hotelzimmer, den ausser Tourismus is halt nix), wozu also den Michel aus Wuppertal anheuern?
Nicht zuletzt, auswandern kostet Kohle. Auch Arbeitslose mit H4 sind nicht allesamt Vollpfosten, die würden auch gern auswandern-aber es kostet eben!
Dennoch ist das Problem da. Ich meine, es ist kein Geheimnis, daß die Jugend vom Alter "angeekelt" ist. Das ist völlig normal, in jungen Jahren ist Alter eben verdammt weit weg und alles andere als Hip. Man ist damit beschäftigt, sich selber kennenzulernen und sein Leben zu leben (sich um sich selbst zu kümmern).
So, in Deutschland sieht es aber so aus, daß es wegen der Alterspyramide (die sich mittlerweile umgedreht hat) bald zur unumgänglichen Pflicht wird, sich um Altenpflege (bei lächerlichen Löhnen) zu kümmern, ja selbst um völlig fremde Alte, die mit der eigenen Familie nix zu tun haben. Das sollte man psychologisch nicht unterschätzen, auch wenn es größtenteils unterbewusst abläuft.
Wenn man dieses Problem nicht durch den Lebenskosten angemessene Lohnzahlungen im Pflegebereich abfedert, dann wirds kuschelig! Besonders für die Alten, die sich nicht werden wehren können. Insofern ist es weniger eine Jugendproblematik (die wird sich des Problems schon entledigen können), als viel mehr eine Altenproblematik.
Da zu kontern mit Wiederaufbausphrasen (na, wer hats denn kaputt gemacht und wer hat üppige Kredite bekommen, die es heute nicht mehr gibt?) oder gesellschaftlicher Verantwortung (wie verantwortlich ist es wohl, die Nachkommen darben zu lassen, bei sich selbst aber auf Zustandserhalt zu bestehen?) zu argumentieren, wird nicht helfen.
Darauf bezogen kann ich sagen, ich werde mich nicht dazu verdonnern lassen, bei Minimalstlöhnen bei irgendwelchen senilen Gerontoyuppies die Morgenwäsche durchzuführen. Das ist ein harter Job, der entweder Idealismus braucht (den ich und viele viele andere für diesen speziellen Berufszweig nicht haben oder entwickeln können), oder eben bessere Löhne, damit man sich in der Freizeit regenerieren kann (mit Suppe und Kabelttv bei Urlaub auf Balkonien wirds nix).