Im Grunde ist doch irgendwie pervers, daß mittlerweile selbst die Patienten die Kostenfrage im Gesundheitswesen weit mehr diskutieren, als die eigentlichen Behandlungskonzepte-sprich den Sinn der Sache völlig vernachlässigen.
Es ist doch keine Frage, jemanden zu behandeln wird immer Geld kosten, "wirtschaftliche" Medizin gibt es erst dann, wenn die Kassen garnichts mehr bezahlen, denn das ist das Ziel einer jeden guten "Wirtschaft", mehr rauszubekommen, als man reingibt.
Was im Grunde schon jetzt so ist-Kassen arbeiten für einen Gewinn, der garnicht notwendig ist. Es reicht völlig, wenn Kassen bei Null rauskommen, also non-profit arbeiten würden. Man sieht es ja schon jetzt, da haben die Kassen mal wieder Milliardengewinne gemacht, die Leistungen für die Patienten aber wurden massivst beschnitten. Wem nutzt dies? Und "Patienten" und dem "Gesundheitswesen" am aller Letzten.
Natürlich kann man die Argumente der Kassen nachvollziehen, daß teilweise Operationen und Behandlungen durchgeführt werden, die medizinisch keinen Zweck haben oder falsch sind und so Folgebehandlungen nach sich ziehen, bloß weils bezahlt wird. Statt dort gegen an zu gehen, wird aber bspw. die Zahnmedizin gesundsaniert! Obwohl jeder weiß, daß Zähne immer Abnutzungserscheinungen haben, daß es je nach Zahnsubstanz auch mal garnix bringt, wenn der Patient vorsorgt und Lücken in Zahnreihen (weil keine Brücke etc. gezahlt wird) das ganze Konstrukt gefährden. Von den durch mangelnde Kauapparate entstehende Begleiterkrankungen garnicht zu reden...
Was ich meine ist, es gibt bestimmte Bereiche, die werden immer Geld kosten und es gibt Bereiche, die kosten auch Geld, bringen aber nix. Bisher sehe ich nur Streichungen in Bereichen, die nachweislich sinnvoll sind und zwingend gemacht werde müssten, egal wie die Prophylaxe oder "Eigenverantwortung" der Patienten ist.
Und Privatpatienten sind längst nicht optimaler behandelt, manches Extra ist oftmals zu viel des Guten und macht erst Recht krank oder schadet im günstigsten Fall nicht. Und die privaten Kassen leben vom Ruhm vergangener Tage. Jemand mit einem sehr alten Vertrag, der ist bei Doktor und in Klinik König.
Jemand, der heute abschließt, wird zwar wie König behandelt, zahlt aber wie Schuhputzer an seinen Zuzahlungen. Da wird mittlerweile gnadenlos ausgeschlossen, was an Krankheiten bekannt ist oder zu einer werden könnte. Alleine die Illusion Chefarztbehandlung (der nickts eh nur ab, behandeln tut größtenteils der Assi) und schmucke Einzelzimmer plus kleine Gimmicks zum Chinapreis (mal nen Bademantel als Dreingabe, kleine Duschgelpackungen wie im Hotel, mal hier ein Gratisgetränk) gauckeln gewisse "Exklusivität" vor, die es garnicht mehr gibt, zumindest im Behandlungsbereich.
Und Wettbewerb unter Ärzten-bloß nicht! Die sollen fair bezahlt werden und anständige Arbeitszeiten haben. Aber das ich nen Hustensaft verschrieben bekomme, bloß damit sich der Arzt im Wettbewerb mit anderen besser positioniert (es braucht Kapital um Wettbewerber auszubooten, nicht können!), ist das Schlimmste, was uns Patienten passieren kann. Man kann auch kaputttherapiert werden und Medikationen schlucken, die am Ende kranker machen, als man eigentlich ist (Stichwort Nebenwirkungen und daraus resultierende Wehwehchen).
Im Gegenteil, der Wettbewerb im Gesundheitswesen muss drastisch runtergefahren werden und es muss wieder hin zur Medizin selbst kommen. Krankheit darf kein Business sein, denn Krankheit hält sich nicht an Abmachungen und man kann sie nicht auf Vertragseinhaltung verklagen. Am Ende verliert man sonst immer...