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Schau dir doch mal die Jugendarbeitslosigkeit etwas genauer an, wieviele der dort erfassten haben nicht einmal einen Schulabschluß und sind damit per se erstmal aussen vor - dem liegen auch staatliches Versagen in der Integration und der Bildung zugrunde, aber kann man wirklich den Einzelnen immer so billig aus der Verantwortung entlassen? Ich finde nicht.
Öhm, Jugendliche haben da im Grunde keine Verantwortung. Für Kinder und Jugendliche sind immer noch Erwachsene verantwortlich. Wenn nun das Kind in einem Haushalt lebt, oder meinetwegen unter gesellschaftlichen Umständen, die es nicht gerade einfacher machen, sich auf schulische Inhalte zu konzentrieren...dann ist es in meinen Augen schäbig, da noch mit dem Finger drauf zu zeigen und etwas von Verantwortung zu faseln...
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Und auch der Zusammenhang zwischen Armut und Bildungschancen besteht nicht in der Kausalität wie von dir beschrieben, sondern vor allem in einer traditionellen Bildungsferne der betroffenen Haushalte. Auch wenn es klischeehaft ist, aber wenn die Muddi kein Deutsch kann und es kein Bewußtsein für Bildung gibt, dann wird der Sohn auch idR kein Rechtsanwalt in Deutschland werden können - das hat erstmal mit Geld nicht so viel zu tun, sondern mit den vermittelten Werten und den Prioritäten in der Familie. Diesbezüglich muß man woanders ansetzen als bei den Regelsätzen für Hartz4.
Das ist doch selbst am Stammtisch schon längst überholt...Um mal in deinem Jargon zu bleiben, es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Deutschkenntnissen und einem etwaigen Bildungsbewusstsein. Und selbst wenn es so wäre, dann wäre das doch eine Infragestellung des gesamten Bildungssystems hierzulande!
Da muss man sich doch fragen, wieso man Lehrer eigentlich bezahlt, wenn offenbar der Lernerfolg daran hängt, daß zu Hause die Eltern einem den ganzen Murks beibringen.
Und alleine die "Werte und Prioritäten". Ich halte es eher für krank, wenn quasi schon im Kindergarten entschieden werden muss, was ein Kind mal wird oder nicht wird. Die mit leidlich intaktem Elternhaus, die rutschen eben durch, der Rest nicht.
Und mein Lieber, es hat eine Menge mit Geld zu tun. Weil sich in Deutschland alles um Geld dreht. Gute Bücher kosten Geld, gutes und ausgewogenes Essen kostet Geld, Kleidung kostet Geld, Gesundheit kostet Geld und Zeit mit seinen Kindern zu verbringen kostet nochmal mehr. Und viele der von dir zitierten Kinder sind geistig voll auf der Höhe. Aber wenn die Eltern saufen, oder prügeln, sonstige psychische Auffälligkeiten zeigen oder schlicht nicht mit Geld umgehen können-dann hat ein Kind damit alleine genug zu tun. Da interessieren gute Noten und eine etwaige Zukunft überhaupt nicht, denn die Gegenwart überdeckt alles. Solche Kinder sind erwachsener, als man denkt und genau das ist deren Problem.
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Theoretisch gibt es für jeden die gleiche Bildungschance - Schulbildung ist kostenlos, es gibt Bafög etc. Stellt sich also die Frage, warum sich das praktisch anders darstellt und wo man ansetzt. In den USA übrigens, dem Land mit Studiengebühren und stärkerem sozialen Gefälle ist die Durchlässigkeit höher, das widerspricht deiner These zusätzlich.
Die gibt es definitiv nicht. Das weiß im Grunde jeder Schüler, der sich mal ein bischen Gedanken macht. Hast du einen Schulabschluß erstmal erworben, dann kannst du diesen nicht mehr ändern. Unser bescheuertes Bildungssystem macht es bspw. möglich, daß im Falle eines schlechten Realschulabschlusses alle Chancen auf Bildung verwehrt sind, sofern man kein Geld hat. Du kannst x-mal heiraten, du darfst x-mal beim Marathon mitlaufen und und und, aber deinen Schulabschluß nochmal machen, nee, das darf nicht sein!!!
Denn, nimm mal an, einer macht (warum auch immer) einen Realschulabschluß mit Durchschnitt 3,8. Derjenige Jugendliche kriegt in aller Regel keine Ausbildung, er kann aber ohne Ausbildung nicht in die Abendschule gehen. Tja, und weiterführende Schulen nehmen ihn auch nicht an, weil der notwendige Notendurchschnitt überschritten wurde. Wo da die Chancengleichheit ist, wenn dieser Beispielmensch lediglich mit dicker Brieftasche zu Bildung kommt (denn per kostenpflichtiger Fernschule ~2000€ gehts), das erkläre mal.
Die USA haben auch ein komplett anderes Bidlungssystem als wir.
Bafög gibt es auch nicht für jeden. Da haften Kinder für die Eltern. Nimm an, die Eltern verdienen gute 3000€ monatlich. Dummerweise haben die sich verschuldet und zahlen bis ans Lebensende, im Monat zur Verfügung haben sie gerade den Sozialhilfesatz, der Rest geht an die Banken. Ein Kind dieser Leute kriegt keinen Pfennig BaFöG, denn Schulden interessieren nicht, sondern nur das, was an Gehalt ankommt. Würde BaFög unabhängig etwaiger Abhängigkeiten gezahlt, dann hätten wir eine Durchlässigkeit an den Unis, von denen die USA nur träumen könnten...Dann kommen aber ganz schnell die Besitzstandswahrer und jammern, daß nicht jeder an die Uni dürfe, es müsse ja noch Müllmänner geben und so...
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Das Problem bei dem ALG2 ist ja auch nicht der Satz von 345,- plus Miete - davon kann man leben, ich habe auch nicht mehr. Man muß das nicht erhöhen, denn wenn man das täte, dann würde man sich damit arrangieren und sich damit einrichten, daß eine wachsende Zahl ihr Einkommen dauerhaft aus Transferleistungen bezieht, die - Sozialstaat hin oder her - ja auch irgendwer erwirtschaften muß. Die Bemühungen sollten also - und da sind wir uns sicher einig - viel eher in eine andere Richtung gehen.
Du hast echt noch nie gelebt und bist immer nur durchgerutscht, was?
Weil du davon leben kannst, kann es der Rest der Welt auch? Beindruckend!
Einerseits reicht es völlig, aber erst bei Erhöhung würde man sich damit einrichten? Was das denn fürn Käse? Ja, kommst du nun zurecht und bist wunschlos glücklich, oder nicht?
Offenbar reichts nämlich nicht, denn sonst hätte man sich damit arrangiert.
Und nebenbei, die Menschen leben nicht in einer Zeitblase. Die Preise steigen, ALG2 steigt nicht, ist sogar schon deutlich unter dem, was vor wenigen Jahren (bei billigeren Lebenshaltungskosten) an Sozialhilfe gezahlt wurde.
Dir gehts unterbewusst nur darum, Menschen zu demütigen und dich selber dadurch zu erheben. Das erkennst du nur nicht, weil du die eigenen Worte nicht durchdenken kannst oder willst.
Frauen bspw. haben lange Zeit garnicht arbeiten dürfen-haben aber mitunter garnicht in Armut gelebt, sondern wurden vom Ehemann gut durchgefüttert. Die hätten sich damit deiner Logik nach arrangieren müssen und nie arbeiten wollen. Tja, und wie ist es heute? Trotz butterweichem Leben in Saus und Braus haben die dafür gekämpft, arbeiten zu dürfen und so weiter...
Und das alles, obwohl es ihnen damit finanziell oftmals weit schlechter geht! Ja alleine die nicht vorhandene Freizeit und der Stress....
Deine "Werte und Prioritäten" sind keine. Bei dir liegen Werte darin, wenn Menschen leiden müssen und die Priorität hat es, das man sich unterordnet. Wenn du meinst, daß dies was mit Moral und Ehrgefühl zu tun habe, dann bist du aber ganz weit ab vom Schuss...