ok,
hier der Text, hoffe, das geht in Ordnung, ansonsten auf die Homepage, dann auf Finanzmarkt bzw. Investor, dort findet man ihn!
greetz
cm
QUELLE FAZ:
16. November 2004 Geschlossene Fonds, die in Zweitmarktversicherungen investieren, haben sich innerhalb kürzester Zeit unter deutschen Privatanlegern etabliert. Nach Angaben des Fondsanalysehauses Scope sammelten diese Produkte im ersten Halbjahr 2004 rund 1,1 Milliarden Euro an neuen Mitteln ein. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2003 hat sich damit der Absatz schon zur Jahresmitte mehr als verdreifacht.
Dauert diese Entwicklung an, dürften die Lebensversicherungsfonds zum Jahresende die unter Steuersparern beliebten Medienfonds vom dritten Rang in der Beliebtheitsskala der Beteiligungsmodelle hinter geschlossenen Immobilien- und Schiffsfonds verdrängt haben.
Zweitmarkt im Entstehen
Das Geschäftsmodell besteht darin, in Lebensversicherungen zu investieren, die vom Inhaber der Police nicht mehr benötigt werden oder die dieser verkaufen muß. In Deutschland gab es in der Vergangenheit in diesen Fällen für den Versicherungsnehmer kaum eine andere Möglichkeit als die Police zu kündigen und die damit verbundenen Einbußen hinzunehmen.
In den angelsächsischen Ländern entwickelte sich jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend ein Markt, auf dem Broker diese Policen übernehmen und die Beiträge bis zum Ablauf weiterzahlen. Auch in Deutschland ist ein solcher Zweitmarkt nun langsam im Entstehen.
Der Vorteil für den Versicherungsnehmer besteht darin, daß er mehr Geld ausgezahlt bekommt als wenn er die Police an die Versicherungsgesellschaft zurückgeben würde. Der Käufer beziehungsweise der Fondsanleger verdient wiederum an der Spanne zwischen dem Kaufpreis, den der Versicherungsnehmer bekommt, sowie den noch zu zahlenden Beiträgen bis zur Endfälligkeit und der ausgezahlten Versicherungssumme.
Länderrisiken häufig unbekannt
Zu den Kinderkrankheiten dieser noch recht jungen Anlageklasse gehört es, daß die sich aus diesem Modell ergebenden Risiken - die sich noch dazu länderspezifisch deutlich unterscheiden - vielen Anlegern noch nicht geläufig sind. "Die regionalen Unterschiede sind nicht in dem Maße im Bewußtsein wie die Trennung zwischen Aktien- und Rentenfonds", beschreibt Christian Angermayer vom Frankfurter Fondsinitiator VCH das Problem.
Amerikanische Policen würden etwa das höchste Chance-Risiko-Profil aufweisen, während deutsche Lebensversicherungen wegen ihrer hohen Garantiequoten relativ exakte Prognosen zuließen. Zwischen diesen beiden Polen stünden von der Risikostruktur her britische Lebensversicherungen, die relativ stark von der Börsenentwicklung abhängig seien.
Amerikanische Policen beruhen auf dem Todesfallschutz
Die Rendite der Fonds, die in amerikanische Policen investieren, hängen vor allem von der Lebensdauer des Versicherungsnehmers ab. Das heißt: Je früher ein Versicherter stirbt, um so höher ist die Rendite. Dieser Mechanismus gibt dem Geschäftsmodell zwar eine makabre Note.
Aber die Renditechance amerikanischer Zweitmarkt-Policen ist damit von der allgemeinen Börsenentwicklung vollständig abgekoppelt. Im Gegensatz zu deutschen und britischen kapitalbildenden Policen, die weniger dem Todesfallschutz, dafür mehr dem Vermögensaufbau dienen - deren Rendite wird vor allem am Kapitalmarkt erwirtschaftet.
Erste Überhitzungserscheinungen
Das Wachstum der erst vor knapp zwei Jahren in Deutschland aufgekommenen Anlageklasse verläuft inzwischen so rasant, daß bereits erste Überhitzungserscheinungen sichtbar werden. "Im Moment ist die Entwicklung zu beobachten, daß geschlossene deutsche Fonds im kommenden Jahr das gehandelte Volumen an Zweitmarktpolicen in Großbritannien nahezu vollständig erwerben werden", warnt Lutz Schroeder, Vorstand der auf den Kauf deutscher Policen spezialisierten Cashlife AG.
In diesem Jahr gelte das schon für deutsche Zweitmarktpolicen. Auf dem amerikanischen Zweitmarkt beträgt der Anteil deutschen Kapitals nach Angaben des Münchener Fondsinitiators Life Bond Management inzwischen 60 bis 65 Prozent. Weitet sich das Marktvolumen nicht rasch aus, drohen steigende Einkaufspreise, was sich negativ auf die zu erzielende Rendite niederschlägt. Ohnehin ist die Rendite eine der großen Unbekannten, weil alle am Markt erhältlichen Produkte so jung sind, daß noch keine Erfahrungswerte über die Wertentwicklung vorliegen.
Unklarheit über die steuerliche Behandlung
Eine weitere Unbekannte ist derzeit auch die steuerliche Behandlung der Fonds mit amerikanischen Zweitmarkt-Policen. Initiatoren haben sie bislang als vermögensverwaltend konzipiert - mit dem dem angenehmen Nebeneffekt einer steuerfreien Auszahlung nach einem Jahr Laufzeit. Einzelne Finanzbehörden stufen jedoch die amerikanischen Fonds inzwischen als gewerblich ein, womit dieser Steuervorteil entfällt.
Vor diesem Hintergrund würde etwa der VCH Expert US Life seine Ergebnisprognose von 12,8 auf 7,5 Prozent zurücknehmen müssen. In diesem Monat soll im Bundesfinanzministerium ein Gespräch mit betroffenen Fondsinitiatoren stattfinden, daß Klarheit über die steuerliche Behandlung bringen soll.
Text: sfu., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2004, Nr. 269 / Seite 21