Um nochmal auf das Thema Nichtwähler zu kommen:
In letzter Zeit habe ich vermehrt Leute aus meinem Umfeld gefragt welche Partei sie wohl wählen werden und warum.
Die Antworten (oder besser Begründungen) haben mich dabei so sehr erschreckt, daß ich mittlerweile überlege ob es nicht doch besser wäre, wenn ein Großteil der Leute nicht wählen würde.
Frei nach dem bekannten Motto: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!
Ich meine damit, was bringt es wenn ein Großteil der Wähler sich für eine Partei entscheidet, ohne sich davon etwas zu versprechen oder einen trifftigen Grund dafür zu haben.
Beispielhaft für das was ich meine war mein gestriges Gespräch mit einem Arbeitskollegen, der gerade das Abitur gemacht hat:
Auf die Frage welche Partei er denn wählen würde kam erstmal der obligatorische Satz, den ich dauernd höre: "Also ich habe absolut ja keine Ahnung von Politik". Scheinbar ist es mittlerweile absolut keine Schande mehr, auch nicht für Abiturienten, von Politik wirklich keine Ahnung zu haben (das wird auch bestätigt durch die Erzählung meiner Freundin, daß in ihrer Oberstufe auf die Frage nach dem Bundespräsidenten keiner eine Antwort wußte außer "Helmut Kohl"!). Mir wäre es peinlich, zugeben zu müssen keine Ahnung von Politik zu haben. Bei der heutigen Generation scheint es eher trendy zu sein.
Dann kam der zweite obligatorische Satz "Die da oben machen doch eh was sie wollen. Die sind doch eh alle gleich!". Auch wenn in dieser Aussage ein Fünkchen Wahrheit steckt erscheint sie mir doch mehr und mehr als Ausrede für politisches Desinteresse.
Und dann kam die Antwot auf meine Frage: "Ich wähle XXX, weil meine Eltern das auch immer gewählt haben".
Gegenfrage meinerseits: "Da Du aber doch eher der unteren Mittelschicht oder der oberen Unterschicht angehörst, dürfte doch Partei YYY viel eher Deine Interessen vertreten"
Antwort: "Ja vielleicht, aber so 'ne Partei könnte ich niemals wählen. Früher gehörten meine Eltern ja mal zur Oberschicht und ich werde bestimmt auch später wieder dazu gehören"
Gegenfrage: "Und was ist mit konkreten Zielen der Parteien, die dich vielleicht betreffen könnten?"
Antwort war ein Themawechsel...
Das deckt sich mit dem Gespräch mit einem anderen Abiturienten, der Partei ZZZ wählt weil diese ja eher die Elite vertritt und er davon ausgeht, auch immer zur Elite zu gehören.
Wenn Wähler anhand solcher "Fakten" ihre Entscheidungen treffen, was soll es dann noch bringen wenn diese Leute wählen gehen? Macht es da wirklich Sinn, alle Bürger zur Urne "zu prügeln"?
Das läuft doch unter dem Titel 'Denn sie wissen nicht was sie tun...'