Beiträge von fahrsfahrwerkaus

    Gute Frage, ich kann das nur schätzen. Angenommen, man entwickelt ein neues Handy auf Basis eines Vorgängermodells, muss also nicht alles neu erfinden, dann würde das ein Jahr dauern. Ein halbes Jahr für die Entwicklung, ein weiteres halbes Jahr für Tests und Korrekturen.


    Mannschaft für ein Jahr: (Alle Gehälter sind inkl. Sozialleistungen des Arbeitgebers (Bruttogehalt*1,7))


    2 Elektronikentwickler (204000 Euro)
    1 Antennenfritze (aka HF-Techniker) (102000 Euro)
    1 Gehäuseentwickler (102000 Euro)
    0,5 Fertigungsfachleute (46750 Euro)
    0,5 Softwareentwickler (51000 Euro)
    0,5 Akkufritzen (55250 Euro)
    0,5 Einkäufer (42500 Euro)
    0,25 Feldtestbetreuer (17000 Euro)
    0,25 Zulassungs- und Genehmigungsleute (27625 Euro)
    0,25 Marketingleute (31875 Euro)
    0,1 Handbuchschreiber und -übersetzer (5950 Euro)
    0,1 Produktmanager (14000 Euro)


    Macht Arbeitgeber-Lohnkosten von ca. 700.000 Euro. Dazu kommt nochmal das Gleiche für Werkzeuge, Protoypenteile, Reisekosten, Feldtestkosten, Montagevorrichtungen, Verpackung und Logistik, Fotoshootings, virales Marketing, Webseitenerstellung etc.

    Ich entwickle Elektrowerkzeug und Baumaschinen, und habe deswegen Erfahrung mit Kunststoff- und Metallgussteilen.


    Elektronikentwicklung kenne ich nur aus benachbarten Abteilungen, es ist nicht mein eigenes Fachgebiet. Deine Frage hab ich nicht so recht verstanden, was soll denn die Elektronik können? Willst Du ein Handy bauen?

    Dann fang aber rechtzeitig an, zum Beispiel für's Iphone 5 wäre es jetzt zu spät, um anzufangen. Rechne mal ein Jahr für eine simple Hülle ohne Funktion, mit Funktion eher 1,5 Jahre. Natürlich für gescheite Qualität, für eine chinesische Pfuschhülle brauchst du vielleicht nur drei Monate.

    Ok, sehr konkret ist das aber noch nicht ;)


    Konstruktion:
    Die Konstruktion so einer Hülle würde ich mit ca. 20 Stunden ansetzen, bei einem Stundensatz von 70 Euro sind das 1400 Euro.


    Rapid Prototyping
    Ergibt ein Musterteil, an dem man die Funktion und die Optik überprüfen kann. In dieser Größe würde ich 1000-2000 Euro für ein Feingussteil oder ein aus dem Vollen gespantes Teil schätzen.


    Kleinserie
    Stückzahlen von 5-100 Stück lassen sich noch als Gussteile oder gespante Teile herstellen, danach würde man sich Gedanken über ein Werkzeug machen. Jedes Teil kostet als Kleinserie soviel wie ein Einzelstück.


    Werkzeugbau
    In einem Gusswerkzeug bzw. Spritzgusswerkzeug lassen sich Metallteile oder Kunsttoffteile in Serie herstellen. Lohnt sich aber nur bei großen und sehr großen Stückzahlen (1000-100.000 Stück pro Jahr). Kosten für ein Druckgusswerkzeug für große Stückzahlen aus Europa: 30.000-100.000 Euro, für ein Kokillengusswerkzeug für mittlere Stückzahlen und geringere Oberflächenqualität und weniger filigrane Details: aus Europa 20000-50000 Euro.
    Lässt man die Werkzeuge in China bauen, kann man den Preis ungefähr durch 2-3 teilen.


    Spanende Nachbearbeitung
    Die fertig gegossenen Teile wollen natürlich noch auf Maß gebracht werden. Für die Zerspanung so eines Aluteiles, wie es Apple beim Iphone 4 hat, würde ich ca 15 Minuten Maschinenzeit rechnen. Kostet also pro Stück ca. 25 Euro bei Kleinserienstückzahlen. Als Rüstkosten muss man nochmal ca. einen halben Tag rechnen, diese werden jedesmal fällig, wenn ein Los gefertigt wird. Kostet also nochmal ca. 400 Euro pro Los.


    Reisekosten
    ein mittlerer vierstelliger Betrag ist auch noch für Reisen zum Werkzeugmacher für Abstimmungsgespräche einzukalkulieren


    Porto und Versand
    Nochmal ein hoher dreistelliger Betrag für das hin- und herschicken der bemusterten (vom Konstrukteur begutachteten) Teile zwischen dem Entwicklungsbüro und dem Werkzeugmacher bzw dem Rapid Prototyping-Laden