So, hab gerade etwas Leerlauf und schreibe mal was zur Thematik "wieviel Drehzahl und wieviel Gaspedal ergeben niedrigen Verbrauch".
Im Prinzip habt Ihr beide recht, nur meint Ihr zwei verschiedene Verbrauchsminima: einmal das absolute und das relative Minimum.
Das absolute Minimum liegt bei Saug-Ottomotoren praktisch immer bei ca. 2000-2500 1/min und Fast-Vollgas ("fast", wegen der Volllastanfettung, die man vermeiden will, wegen der Klopfreduzierung), bei Dieseln bei ca 2000 1/min. Das absolute Minimum ist der Punkt im Betriebsbereich des Motors, wo für die erbrachte Leistung X der kleinstmögliche Kraftstoffverbrauch vorliegt.
Dieser Punkt ist aber relativ uninteressant, da er sehr klein ist und nur für Stationärmotoren wichtig ist, die auf einen Betriebspunkt ausgelegt werden und für eine gefordete konstante Leistung die kleinste Spritmenge verbrauchen sollen.
Das relative Minimum ist etwas schwieriger, weil es vom Leistungswunsch abhängt. Es ist immer eine Paarung aus Drehzahl und Mitteldruck. Mitteldruck ist hier etwas zu kompliziert zu erklären, man kann es sich für unsere Zwecke als "Drehmoment" vorstellen. Mitteldruck und Drehmoment hängen proportional zusammen.
Man muss sich nun im folgenden ein Muscheldiagramm ansehen, dieses enthält die Kurven aufgetragen, in denen der Motor einen gewissen Spritverbrauch pro geleisteter Kilowattstunde Arbeit, ausgedrückt in g/kWh, hat. Die X-Achse ist die Drehzahl, die Y-Achse ist der Mitteldruck ("Drehmoment"), und die Ringe im Diagramm sind bereiche gleichen Spritverbrauches.

[Quelle: Dieselschrauber.de]
Jetzt ist etwas Theorie notwendig: Leistung ist Drehmoment multipliziert mit Drehzahl. Das heisst, sucht man nun den geringsten Verbrauch für eine gefordete Leistung X, kann man sich unendlich viele Paarungen aus Drehzahl und Drehmoment vorstellen, die die gewünschte Leistung ergeben. Natürlich geht das in der Praxis nicht, da die meisten Autos Getriebe mit endlichen Getriebeabstufungen haben, und ein Verbrennungsmotor auch nur ein begrenztes Drehzahlband bietet.
Beispiel: Ich möchte in der Ebene mit Tempo 70 dahinrollen, und mein Auto benötigt dafür 10kW. Jetzt habe ich die Möglichkeit, verschiedene Kombinationen aus Drehzahl und Gaspedalstellung ("Mitteldruck, Drehmoment") zu wählen, die alle eine Motorleistung von 10kW ausspucken und mein Auto in einem stationären Zustand halten (es wird nicht langsamer, auch nicht schneller).
Um 10kW zu erzeugen, könnte ich z.B. im sechsten Gang bei ca 1270 1/min dahinrollen, dazu muss der Motor 75Nm Drehmoment erzeugen (75Nm*1270 1/min = 10kW). Dazu muss ich schon ordentlich Gasgeben, damit der Motor soviel Drehmoment bei so kleiner Drehzahl erzeugt. Schaut man sich das Muscheldiagramm näher bei 1270 1/min an, ergibt das im Beispiel des Diagramms einen Bereich, der zwischen 210 und 220 g/kWh liegt.
Zweites Beispiel: Im dritten Gang benötigt man bei den ca. 3000 1/min des Motors nur noch 31Nm, um 10kW zu erzeugen, das entspräche einem nur minimal getretenem Gaspedal. Hier lägen wir im Diagramm unten im Bereich von ca. 700g/kWh.
Zur Veranschaulichung des g/kWh-Wertes: Würde ich nun 1 Stunde lang mit Tempo 70 und 10kW Leistung fahren, würde ich im ersten Fall 2150g Sprit verbrauchen (also ca 2,5 Liter Diesel auf 70km, oder 3,5 Liter auf 100km), im zweiten Fall und dritten Gang ca. 7000g Diesel auf 70km, also 11,7 Liter auf 100km.
Man sieht also, dass es immer besser ist, für den jeweiligen Leistungsbedarf die geringstmögliche Drehzahl zu wählen, bei der der Motor noch genug Drehmoment bietet, um die Leistung auch zu erzeugen.