Printus:
Ich kann deinem Beitrag in fast allen Punkten nur widersprechen.
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Original geschrieben von Printus
Andererseits stellt sich aber durchaus die Frage welchen "Sinn" solche Spiele verfolgen. Was ist der Hintersinn wenn man, bemüht um realistische Darstellung, das Töten als Spiel "kultiviert"? Nervenkitzel, Spannung, Strategie kann man auch in anderer Form umsetzen.
Diese Frage stellt sich vielleicht dir, aber nicht mir und vielen anderen... wenn ich z.B. einen der verschiedenen Hitman-Spiele spiele, wo es tatsächlich um das Auftragsmorden geht, dann macht das Spiel durchaus Spaß in seiner Form. Das macht nicht jedem Spaß, aber das muß es ja nicht.
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Und ich denke schon daß eine Indizierung von brutalen Spielen dazu führt daß sich ihre Verbreitung vermindert. Nicht jeder kommt automatisch auf die Idee sich ein solches "Spiel" besorgen zu müssen nur weil es nicht mehr offiziell verkauft wird. Ein Verbot wird in der Masse schon dazu führen daß die Verbreitung der Software sinkt. Es ist mir ein bißchen zu simpel zu behaupten daß Verbote generell sinnlos wären weil das jeweils immer nur das Gegenteil des Gewünschten erziele. Dann bräuchten wir keinerlei Gesetze und Verbote.
Ich bin mir nicht sicher, wie genau du dich in der Szene auskennst, aber vielleicht weißt du, daß man heute nicht mehr viel Ahnung braucht, um Spiele zu kopieren und/oder herunterzuladen. Es war schon zu meiner Jugendzeit so und wird es auch bleiben: Indizierung und Verbote stellen absolut kein Hindernis für den dar, der das alles spielen will. Und wenn man PRO Indizierung oder gar Verbote ist, sollte man sich fragen: Wen treffe ich damit? Der Spieler mit krimineller Energie, der sich Spiele problemlos auch illegal verschafft, wird sich davon nicht leiten lassen. Der stinknormale User, der keine Ahnung oder Lust zum Raubkopieren hat, wird sich darum nicht kümmern. Ich möchte nicht pauschalisieren, aber wer von diesen beiden entspricht eher dem Profil des gewaltbereiten Menschen, der Ziel dieser Aktion sein sollte?
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Völliger Humbug ist natürlich daß andauernd über die Lehrer diskutiert wird. Wir wissen doch alle daß Lehrer einfach nur ihren Lehrstoff vermitteln, und sonst nichts. In aller Regel übernehmen Lehrer nicht wirklich pädagogische Aufgaben. Oder war ich auf den falschen Schulen?
Entweder warst du auf der falschen Schule, oder ich war auf der falschen Schule... oder ich bin zu alt, oder du zu jung. Sicherlich sind Lehrer kein Ersatz für die Erziehung in der Familie - und weiß Gott nicht jeder Lehrer sollte seine Gedanken an die Schüler weitergeben dürfen. Aber von Humbug zu reden, wenn man Lehrer in die Pflicht nimmt, ist nicht angebracht - denn sie haben eine Erziehungspflicht. Auch wenn dies an vielen Schulen heutzutage nicht umsetzbar sein sollte. Allerdings setzt da ja auch die Kritik ein - wenn es zu wenig Geld gibt für genügend Lehrkräfte, ist das durchaus ein Grund, warum Kinder und Jugendlich augenscheinlich immer schlechter ausgebildet und leider Gottes auch erzogen werden.
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Wobei ich das nicht mal nur negativ finden kann. "Das Leben" funktioniert schließlich auch nicht so, auch da wird man anhand von Faktoren, die mitunter nicht fair sind und dem Einzelnen nicht gerecht werden, beurteilt.
Schlechtes Beispiel... "das Leben" hat noch so viele andere Unterschiede zur Schule, daß man nach deiner Lesart ja noch so einiges ändern am Schulsystem ändern müßte. Fakt ist, daß die Schule eine Erziehungsanstalt ist bzw. sein sollte. Schließlich schickt man nicht Erwachsene dorthin, sondern Kinder und Jugendliche - in dem Vertrauen, daß sie eine fundierte Ausbildung erhalten und die Erziehung nicht unter den Tisch fällt. Das ist auch der Anspruch einer jeden einigermaßen normalen Schule.
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Letztlich ist es immer die Persönlichkeit des Einzelnen, die das Problem macht - oder eben nicht macht wenn jemand in der Lage ist sich halbwegs zurechtzufinden in der Gesellschaft.
Dem stimme ich zu, aber diese Persönlichkeit kommt nicht von Ungefähr, sondern bildet sich ja erst im Laufe der Zeit. Insofern ist es meiner Meinung nach falsch, die erzieherischen Pflichten der Schule deshalb anzuzweifeln, weil ja eben u.a. erst durch diese die Persönlichkeit eines heranwachsenden Menschen erst gebildet wird (was auch nach der Schule noch weitergeht, aber das ist ja nicht das Thema).
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"Killerspiele" machen sicher keinen zum Amokläufer, aber sie konfrontieren doch unnötigerweise damit daß Töten nicht als schlimmste, ultimativ denkbare Verhaltensweise, sondern als gewinnbringender Nervenkitzel dargestellt wird.
Wenn man sich mal anschaut welches Gewalt- und Aggressionspotential in der Gesellschaft, gerade bei Jugendlichen, herrscht und sich zudem den Bildungsstand mancher Leute vor Augen führt - da bin ich mir nicht sicher ob nicht auch Computerspiele manchen Jugendlichen Gewalt und "Draufhauen" als eine Problemlösungsstrategie vorführen.
Wie ich schon vorher versucht habe einzuwerfen: Warum wird bei einem hohen Gewaltpotential erst auf Computerspiele geschimpft (oder halt Splattervideos, Heavy Metal etc.)? Ich möchte der Theorie nicht widersprechen, daß brutale Spiele gewaltbereite Menschen negativ beeinflussen. Aber von wie vielen Menschen sprechen wir hier? Und wie viele Menschen sind nicht so gewaltbereit und stellen keine Gefahr für die Gesellschaft dar? Wie viele Menschen werden ohne Grund entmündigt, wenn ein Spiel indiziert oder verboten wird?
Man sollte sich um die Gründe für das hohe Gewaltpotential kümmern und nicht versuchen, möglicherweise beeinflussende Faktoren auszuschließen. Das ist so, als ob man bei einem Großband in einem Haus erst Mal die Nachbarhäuser einreißt, damit der Brand sich nicht ausweitet - und nicht einfach mal versucht, das Feuer an seiner Quelle zu löschen. Wobei "einfach" nicht suggerieren soll, daß es sich dabei um eine einfache Aufgabe handelt. Allerdings ist so vieles im Leben nicht einfach... und für die Kinder und Jugendlichen der Gesellschaft sollte man sich auch mal an schwierige Themen heranwagen.
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Die drei Täter, die in der vorvergangenen Woche einen Mithäftling in der JVA Siegburg ermordet haben, haben ausgesagt daß sie "mal einen Menschen real sterben sehen wollten". Man kann vielleicht nicht sagen daß Medien und Computerspiele diese verabscheuungswürdige Denkweise ausgelöst haben - aber wer schließt andererseits aus daß sowas ihre Phantasie NICHT beflügelt hat?
Gegenfrage: Wie kann es sein, daß die Täter überhaupt die Möglichkeit hatten, in einer Justizvollzugsanstalt solch eine Tat zu begehen, ohne daß jemand intervenierte?
Oder: Wer kann ausschließen, daß die Täter NICHT von Computerspielen in ihrer Phantasie beflügelt wurden?
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Einfach zu sagen "ich spiele auch damit und bin kein Amokläufer" ist schön und gut, TT ist allerdings auch ein Forum von vielen überdurchschnittlich intelligenten Menschen, wir sind sicher kein repräsentativer Querschnitt durch die Gesellschaft. Wir hier reflektieren Dinge sicher oft besser / anders als ein einfach strukturierter Manta-Mannie. Ob man unsere Sichtweisen auch in der Abschlußklasse irgendeiner Hauptschule finden würde? Ich denke eher nicht...
Das Argument "Ich spiele auch damit und bin kein Amokläufer" soll in erster Linie die Tragweite von Indizierungen und Verboten signalisieren - auch ganz friedliche Menschen, die Spaß an der Sache haben, werden davon betroffen. Das mag kein juristisch stichhaltiges Argument sein, aber es dürfte diejenigen zum Nachdenken anregen, die mancher Panikmache folgend meinen, daß brutalte Spiele fast schon unweigerlich zum Massenmord führen. Davon abgesehen: Doch, ich denke durchaus, daß auch die Schüler an den meisten Hauptschulen mit vielen von uns in vielen Punkten einer Meinung sind - ganz besonders in der Frage der brutalen Computerspiele.
Auch sollte man nicht vergessen, daß hier nicht Akademiker unterwegs sind, sondern es wohl auch genügend Mitglieder gibt, die selbst einen Hauptschulabschluß haben.
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Warum sind denn z. B. faschistische Neonazi-Propaganda-Bücher oder CD's verboten? Doch deswegen weil man verhindern möchte daß gewaltverherrlichende oder ausländerfeindliche Inhalte salonfähig gemacht werden. Wenn dieses Verbot auf bestimmte Computerspiele ausgeweitet würde kann ich das erstmal nicht schlecht finden.
Neonazi-Propaganda wird nicht verboten, weil sie gewaltverherrlichend ist, sondern weil sie verfassungswidrige Inhalte suggeriert und weiterverbreitet. Wir wollen z.B. die Auschwitz-Lüge oder Aufforderung zum Rassenhass wohl nicht mit virtuellen Morden an virtuellen Gegnern in einem virtuellen Raum mit virtuellen Waffen und virtuellen Blut in einen Topf werden oder? (das ist eine rhetorische Frage, faktisch wird das schon getan)
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Und daß sich die Frage nach der Herkunft der Waffen des Amokläufers stellt heißt nicht daß Computerspiele kein Thema sind. Das eine schließt das andere nicht aus.
In meinen Augen schon... zumindest, was die öffentliche Betrachtungsweise angeht. Der Täter - und noch viele andere - kommt ohne größere Probleme an Waffen, aber als ausschlaggebender Faktor werden brutale Computerspiele genannt. Das ist nachgerade absurd. U.a. auch deswegen, weil hier wieder die angesprochene kriminelle Energie ins Spiel kommt: Wenn ich illegal Waffen beschaffen kann, dann kann ich mir auch verbotene Spiele illegal besorgen. Kein Verbot der Welt hilft dagegen. Und genau das ist der Punkt.