Nach dem ersten "Schock" setzt sich die nüchterne Betrachtungsweise durch, dass Premiere richtig gehandelt hat. Man muss nicht mal BWL studiert haben, um zu ahnen, dass ARENA ein Millardengrab für die DFL und die Kabelbetreiber wird. ARENA hat zwar ein für den Pay-TV-Markt extrem wichtiges Produkt erworben, hat aber bislang weder eine bundesweite Plattform, weder einen Sat-Carrier, weder das Personal, weder den Vertrieb und vor allem, und das ist das wichtigste und wird das schwierigste, so gut wie keine direkten Kundenbeziehungen. Zudem fragt man sich, wie Unternehmen, die für sich bislang nicht gerade durch unternehmerische Glanzleistungen von sich Reden gemacht haben, in einem Konsortium erfolgreich zusammenarbeiten sollen, dazu finanziert von Hedge-Fonds, die einzig und allein auf den schnellen Euro, der definitiv nicht zu machen sein wird, fixiert sind.
Sicher gibt es einen Teil der Premiere-Abonnenten, die immer mal wieder unzufrieden sind, dennoch darf man auf keinen Fall die z.T. sehr langfristigen Kundenbeziehungen, die Premiere hat, unterschätzen. Der Fernsehmarkt in Deutschland bietet meiner Ansicht nach nicht genug Nährboden für zwei große Pay-TV-Plattformen. Unity hat außer Bundesliga nichts zu bieten, Premiere dagegen immer noch CL (und man kann nach dieser Entscheidung erst recht davon ausgehen, dass ab nächster Saison die Spiele deutscher Mannschaften definitiv nicht mehr im Free-TV zu sehen sein werden), die WM, internationalen Fussball, Formel 1, das Filmangebot etc. Und selbst von den Kunden, die wechseln wollen, aber nur ein Pay-Angebot im Monat bezahlen wollen, wird ein großer Teil noch weit über den Saisonbeginn im August 2006 vertraglich an Premiere gebunden sein.
Unity wird durch den Aufbau von Redaktion, Administration, Vertrieb und Reichweitenerhöhung erhebliche Anlaufkosten haben, dazu noch die 2xx Millionen € reinen Rechtekosten plus 6,5% Produktionskostenbeteiligung pro Saison. Wie sollen so schnell Kunden akquiriert werden, dass Unity nicht schon nach dem ersten Jahr in ein Millardenminus läuft? Man kann davon ausgehen, dass es bei Beibehaltung der 18:30-Sportschau höchstens ein Kundenpotential von ca. 2-2,5 Millionen für Bundesliga-Livefussball gibt. Mindestens die Hälfte ist noch längerfristig an Premiere gebunden, die für einen echten Fussballfan auch in wegen CL-Exklusivität auch in Zukunft nicht gänzlich verzichtbar sind, einen großen Teil der anderen Hälfte erreicht man nur über Satellit oder andere Kabelnetzbetreiber, was bedeutet, dass die Einnahmen nicht komplett bei Unity landen.
Dazu kommt mit der T-Com ein zusätzlicher Konkurrent, der bei einer attraktiven Preisstruktur für die Internetübertragungen möglicherweise auch ein ernsthafter Konkurrent für Unity im Paysektor werden kann, vor allem könnten Premiere-Abonnenten, die auch solche bleiben wollen, bei einem akzeptablen Preis eher zum T-Com-Angebot über DSL greifen (bei DSL-Bandbreiten jenseits von 3MBit und der in Zukunft weiter steigenden Verbreitung von Flachbildfernsehern mit VGA/DVI-Anschluss bzw. MediaCenter-Terminals fürs Wohnzimmer durchaus vorstellbar) als Abonnent bei ARENA zu werden.
Ich würde fast eine Wette eingehen, dass die ARENA-Seifenblase noch während der nächsten Saison platzt, wie die Kirch-Blase auch geplatzt ist. Dann wird die DFL reumütig bei Premiere anklopfen und froh über die 180 Millionen sein, die sie diese Saison erhält.