Nürnberg sympathisch durch Hans Meyer?
Ich habe am Ende nur noch einen selbstherrlichen, neunmalklugen, beleidigenden alten Mann gesehen, dessen Verhältnis zu Teilen der Mannschaft total zerrüttet war und der seine Spieler in einer Situation, in der das tödlich ist, noch schwächer geredet hat, als sie eigentlich sind. Ein Trainer, der so viele Titel wie ein Hitzfeld gewonnen hat, könnte sich hinstellen und Spieler so herablassend beleidigen und sie als minderwertig hinstellen. Aber Meyer ist auch nicht mehr als ein besserer Durchschnittstrainer, der seine größten Erfolge gefeiert hat, als viele Spieler noch gar nicht geboren waren.
Man kann sich auch einen Schwachsinn zusammenkonstruieren. Wäre Hans Meyer nicht gefeuert worden, dann wäre keine Leuchtrakete aufs Spielfeld geflogen...
Und bei der Ultra-Diskussion sollte man, auch wenn der Stammtisch lockt, versuchen etwas differenzierter zu bleiben. Ultras sind ein fester Bestandteil der Fankultur, der harte Kern, der letztendlich im Stadion für Stimmung sorgt, der Choreographien auf die Beine stellt, der die Gesänge kreiert und anstimmt, der die Mannschaft bei jedem Auswärtsspiel begleitet. Und es gibt nicht DIE Ultras.
Es gibt es da Leute aus der Mitte des gesellschaftlichen Lebens, oft Leute, die schon als Kind im Fanblock standen und mittlerweile selbst Familienväter sind, als auch einen etwas radikaleren Flügel (meist die jüngeren), die sich noch die Hörner abstoßen und sich nicht immer von außen kontrollieren lassen und der dann eben auch mal zu sehr über die Stränge schlägt.
Die Ultras verdammen ist auf jeden Fall der falscheste Weg. Richtig ist, wenn die Vereine in ständigem Austausch mit den Ultras sind und so die gemäßigten Kräfte innerhalb der Gruppen nicht mitkriminalisiert, sondern gestärkt werden, so dass Selbstreinigungs- und Selbstkontrollierungsprozesse intakt sind.
Ich persönlich habe wie die meisten wohl auch, ein gespaltenes Verhältnis zu den Ultras. Zum einen weiß ich, dass es sie sind, die den Besuch eines Fussballspiels zu einem Erlebnis, zu einer Art Gladidatorenkampf machen und einen willkommenen Kontrapunkt zum durchkommerzialisierten, durchgestylten Produkt Bundesliga setzen und zum anderen gibt es dort eben auch Leute, die über jedes vernünftige Maß hinaus Randale machen wollen.
Insgesamt jedoch kann man guten Gewissens sagen, dass Ultras Gewalt in der ganz großen Mehrheit ablehnen.
Und der Hype um das Spiel gestern ist völlig übertrieben. Da hat ein Markus Merk in Stuttgart besser reagiert. Solange jedes Wochenende im Osten in den unteren Ligen Krieg herrscht und dieses gewaltige Hoolproblem dort in den Medien und vom DFB oft totgeschwiegen wird, ist die Aufregung um die paar leuchtraketenwerfenden Ultras reine Hysterie.