Der SPIEGEL ONLINE-Artikel hat bei aller satirischer Schärfe zumindest in meiner Wahrnehmung vollstens ins schwarze getroffen.
Ich habe mich damals sogar über den UEFA-Cup-Sieg von Schalke gefreut. Damals war das noch ein Verein, mit dem man zumindest auf internationaler Bühne in gewissem Umfang sympathisieren konnte.
Heute ist Schalke für mich ein absolut rotes Tuch und zwar aus folgenden Gründen:
1.) die penetrante und ständige Instrumentalisierung von Religion durch einige maßgebliche Spieler bei Schalke. Wenn es Gott gibt, hat der sicher andere Probleme als ob Schalke 04 mal wieder zu blöd ist, deutscher Meister zu werden, auch wenn das der deutsche Amateurfussball-Präsident Theo Zwanziger, der sich nach der WM in den Verdiensten seines Co-Vorgängers MV sonnt, anders sieht. Ich warte schon darauf, dass sich manche Spieler von S04 am Samstag vor die Kamera stellen und uns dann erzählen, dass Gott es so gewollt habe und noch nicht der richtige Zeitpunkt sei und Gott mit Schalke noch großes vorhabe.
Ich habe absolut nichts gegen Spiritualität, aber dass ein Kuranyi nicht den letzten Willen hat, einem verlorenen Ball hinterher zu gehen, ein Kristajic Müll spielt, ein Lincoln völlig blaß bleibt, hat wahrscheinlich weniger was mit Gott zu tun, als das Schalke einfach keine verschworene Mannschaft ist, sondern eine Zweckgemeinschaft unterschiedlicher Grüppchen, die zwar viel vom Titel reden, aber nicht den Arsch in der Hose, den Charakter und den unbedingten Willen haben, ihn zusammen zu gewinnen.
2.) die schon angesprochene Opferrolle, auf die sich Schalke und das Umfeld immer wieder beruft und diese elende Jammerei. Geht es darum, auf Pump Millionen für Transfers rauszuhauen und nach Bayern die höchsten Gehälter der Liga zu bezahlen, dann fühlt sich Schalke pudelwohl und sich im Protztempel Veltins Arena am Ziel der Träume auf Augenhöhe mit der europäischen Spitze angekommen. Bleibt der sportliche Erfolg aus, ist man schnell dabei, wieder das ansonsten vergessene Bild vom Arbeiterverein aus dem armen Gelsenkirchen mit 90% Arbeitslosigkeit, dessen arme, gebeutelte Bewohner sich ja so sehr die Meisterschaft für Schalke wünschen, aus dem Keller zu holen.
3.) Niemand hat Schalke jemals etwas weggenommen. Die Meisterschaft 2001 wie auch die 2007 wurde selbst verspielt und zwar in den Wochen davor. Damals 1:2 in Bochum und 0:1 in Stuttgart, heute 1:2 in Bochum und 0:2 in Dortmund.
Schalke ist für mich mittlerweile der absolute Inbegriff an Heuchelei und Künstlichkeit in der Bundesliga. Nichts gegen die Fans an sich. Die haben eine Mannschaft für weniger Geld, aber mehr Charakter verdient.