Ah, danke für die fundierte Diskussion. Mich würde ja schon interessieren, wie Du zu deinen Aussagen kommst?
Ich kann dir nur noch sagen, warum ich dort nichts investiere.
Es geht mir hier um eine Anlage in Tagesgeld. Nur damit vergleiche ich. "Zinshopping" erlaubt mir immer noch eine etwas höhere Rendite. Mit etwas mehr Aufwand, aber 0.5% Differenz sind es bei 100.000 Euro immerhin 500 Euro, dafür kann ich ein Postident Formular ausfüllen. Bezahlt wird meine Rendite von den Bequemen, die ihr Geld auch nach der Rückstufung auf Minimalzinsen nach 3 bis 6 Monaten dort belassen. Das hast du ja auch oben gesagt.
Bei dieser Anlage habe ich den maximal möglichen Einlagenschutz, d.h. ich bekomme mein Geld wieder falls nicht globale Krisen wie Krieg, Inflation oder Zusammenbruch vieler Banken gleichzeitig auftreten. Mehr geht eben nicht. Im Falle des Falles müsste ich mich an die jeweilige Entschädigungseinrichtung wenden, der die betroffene Bank angeschlossen ist. Da habe ich keine Erfahrungen, gott sei Dank musste ich das bisher nie. Aber es ist sicher nicht ganz so einfach, wie einen Überweisungsträger auszufüllen und könnte einige Zeit benötigen. Aber es sollte funktionieren.
Und nun ist da eine Bank, die verteilt mein Geld auf andere Banken, auf "Treuhandkonten." Sicherlich Zufall, dass die betroffenden Konten bei Wirecard auch "Treuhandkonten" hiessen?
Im Entschädigungsfall liegt mein Geld also bei ein paar Banken, weiß ich überhaupt bei welchen und wie hoch die Summe ist? Entschädigt mich diese "Partnerbank" dann im Ausfall oder wird dann "geprüft" wie viel des Kontobestandes mein Geld war. Den Fond bekomme ich sicherlich auch wieder, ist ja ein Sondervermögen. Auf welchem Depot liegt der nun, dass ich ihn zu einem anderen Depot von mir übertragen lassen kann?
Und selbst wenn ich nach zig Briefchen alles wieder habe: Der Zins ist immer noch geringer als beim "Zinshopping".
Bleibt das generelle Betrugsrisiko. Ich muss meiner Bank bis zu einem gewissen Grad vertrauen. Nun komme man mir nicht mit der Bafin oder den Bankenprüfern der Länder. Die deutsche Bankenprüfung ist ein Sanierungsfall und z.B. von der Wirecard Sache hat man nichts gelernt. Lies doch mal https://www.bafin.de/DE/Aufsic…en/mitteilungen_node.html. Die Bafin "ermahnt" oder verhängt kleine Bußgelder wenn es ein Problem gibt.
Falls die ernsthaft tätig werden, dann ist es eh zu spät.
Ich muss meiner Bank also vertrauen. Ich habe z.B. Fonds, die seit knapp 20 Jahren auf einem Depot liegen. Sind die eigentlich noch da? Schön, die Bank zeigt sie mir online an, und einmal im Jahr bekomme ich einen Papier Depotauszug. Ob die Fonds noch da sind, würde ich erst bei einem Verkaufsversuch erfahren.
Vielleicht bin ich zu konservativ, aber neben der oben genannten nicht vorhandenen Zusatzrendite vertraue ich eben einer Bank mehr, die seit langer Zeit besteht, und nicht von drei "Jünglingen" erst 2015 gegründet wurde. (Wikipedia: "Die Gründer des Unternehmens sind der Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler Christian Hecker, der Physiker Thomas Pischke und der Informatiker Marco Cancellieri.")
Das mag ungerecht sein, entspricht aber meinem Lebensalter und der damit verbundenen Erfahrung. Etwa so wie wenn ich eine alte Frau im Bus treffe, die sich eine Fahrkarte kaufen will, und kein Kleingeld hat und mir einen Zehner zum Wechseln hinhält. Gegenüber einem jungen, heruntergekommenen Mann, der das gleiche in der Bahnhofsvorhalle versucht. Sorry - aber ich habe mein Lehrgeld schon gezahlt.