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Original geschrieben von laudanum
Richtig, einigen deiner Aussagen nach hast du für dich aber bereits entschieden, dass der Beschuß des Wohnhauses nicht verhältnismäßig ist!
Richtig, denn die Zerstörung einer Raketenstellung einerseits und den Tod von über 60 Zivilisten andererseits als den Preis für diesen militärischen Erfolg (wenn es denn überhaupt einen gab, genau das muß ja noch untersucht werden.) werte ich dahingehend und damit bin ich in bester Gesellschaft, wie man diesem exemplarisch verlinkten Artikel entnehmen kann --> http://www.gea.de/detail/620677
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[...] Israels Regierungssprecherin Miri Eisin nannte den Vorfall eine «schreckliche Tragödie». Es werde untersucht werden, wie es zu diesem «Fehler» gekommen sei, sagte sie dem US-TV-Sender CNN. Die Luftwaffe habe das Gebäude mit den Flüchtlingen «nicht anvisiert», sondern Hisbollah-Stellungen in der Nähe. [...]
Sogar Rice hat Israel zu mehr Umsicht zur Vermeidung ziviler Opfer aufgefordert.
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Annan forderte die Mitglieder dazu auf, die israelische Attacke auf Kana zu verurteilen und ein sofortiges Ende aller Feindseligkeiten zu fordern.
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Die EU-Ratspräsidentschaft erklärte, es gebe "keine Rechtfertigung für Angriffe, bei denen unschuldige Zivilisten getötet oder verletzt werden"
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Die Europäische Union zeigte sich "schockiert und entsetzt" über den Angriff und erklärte, dieser sei durch nichts zu rechtfertigen.
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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister Tony Blair kritisierten bei einem Telefongespräch am Abend den israelischen Luftangriff auf Kana und forderten einen Waffenstillstand. [...] Beide Regierungschefs hätten deutlich gemacht, dass die Anwendung militärischer Mittel verhältnismäßig sein müsse und dass Opfer unter der Zivilbevölkerung vermieden werden müssten.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,429265,00.html
[url=http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5716950_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html]Hier[/url] noch ein paar grundsätzliche Denkanstösse zum Thema Völkerrecht vom Völkerrechtler Paulus, PD für Völkerrecht an der Uni München.
Israel befindet sich natürlich nicht gerade in einer beneidenswerten Situation, oft könnte man meinen, sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Das befreit sie aber eben nicht von den elementaren Grundsätzen im Umgang mit Zivilisten während kriegerischer Handlungen. Das ist in solchen Auseinandersetzungen sicher schwieriger, aber nicht weniger wichtig und nicht weniger geboten, auch wenn die Aufweichung des Völkerrechts voranschreitet.
Die Diskussion dreht sich in diesem Punkt aber jetzt wieder ein bißchen im Kreis, daher nochmal abschliessend:
Fakt: Nach humanitärem Kriegsrecht sind Zivilisten und zivile Einrichtungen unbedingt zu schützen. Kollateralschäden bedürfen einer sehr restriktiv zu handhabenden Abwägung. Das ist Fakt und kann in den von mir verlinkten Quellen nachgelesen werden, hier auch noch ein Brockhaus-Auszug:
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Die wichtigste Grundregel des Kriegsrechts ist die strenge Anweisung, Kriegshandlungen nur gegen militärische Objekte (Kombattanten und der Kriegführung dienende Gegenstände) zu richten. Gegen die Zivilbevölkerung und deren Eigentum dürfen kriegerische Maßnahmen nicht ergriffen werden. Jedoch wird in Kauf genommen, dass bei kriegerischen Maßnahmen gegen militärische Objekte auch schädigende Nebenwirkungen auf zivile Objekte (Personen und Sachen) entstehen (»Kollateralschäden«). Sie werden vom Kriegsrecht geduldet, solange sie in einem angemessenen Verhältnis zu dem von der militärischen Aktion erstrebten Erfolg stehen. Gezielte Angriffe auf zivile Objekte sind aber in jedem Fall verboten
http://www.brockhaus.de/aktuell/thema.php?t_id=57&jahr=2003
Fakt ist auch: Bei dem israelischen Angriff starben rund 60 Menschen. Israel hat sein Bedauern ausgedrückt, man habe dieses Haus nicht treffen wollen. Im Umkehrschluß bedeutet das, es war ein Fehler und/oder ein Unfall, in diesem betreffenden Haus gab es zum jetzigen Zeitpunkt der Ermittlungen kein militärisches Ziel.
Über die Bewertung dieser Tatsachen gehen die Meinungen hier nun auseinander, ich habe versucht, durch Quellen in denen u.a. Völkerrechtler zur Sprache kommen, meine Position zu verdeutlichen und im Gegensatz zur obigen Implikation eines anderen Diskussionsteilnehmers stehe ich mit dieser Position alles andere als einsam da.
In diesem Sinne verabschiede ich mich aus der Diskussion. 
Ach, bevor ich es vergesse: der reflexhafte und politisch korrekte Disclaimer -> Wir sprechen hier gerade über eine konkrete Situation. Die Bewertung dieser konkreten Situation stellt weder die terroristischen Handlungen bestimmter Organisationen besser, noch geht es darum, Israel einseitig in die Täter-Ecke zu stellen. Der fahrlässig Tötende kann sich aber auch mit einem Verweis auf Totschläger oder Mörder nicht straflos stellen und von seinem Fehlverhalten ablenken.