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Original geschrieben von Abi99
Was mich aber vom Hocker hat, dass selbst bei solchen Anwendungsszenarien CSD noch alles schlägt!
Ich würde mal sagen, es gibt drei Anwendungsszenarien, von denen bei zweien GPRS am günstigsten ist und bei einem (HS)CSD. Welche Szenarien bei wem wie oft auftreten ist dabei ganz verschieden.
[*] Lange Verbindungszeiten ohne viel Datenverkehr (GPRS am günstigsten)
Hier ist es möglich, über GPRS lange Zeit online zu bleiben, ohne dabei hohe Kosten zu verursachen, so lange man mit dem Traffic haushaltet.
Beispielanwendungen sind hier
ICQ, IRC, WAP, Push-eMail, WWW-Surfen ohne Bilder (je nach Klicks/Min-Verhältnis)
[*] Kurze Verbindungszeiten und kleine Datenmengen (GPRS am günstigsten)
Hier ist es möglich, für Beträge unter 7 - 10 Cent eine Datenmenge von bis zu 70 - 100 KB zu verbrauchen, was mit (HS)CSD aufgrund der Zeit zum Verbindungsaufbau, in der man bezahlen muss, obwohl keine Nutzdaten übertragen werden, unmöglich ist.
Beispielanwendungen sind hier:
eMails überprüfen, etwa 15 Text-eMails verschicken und / oder empfangen, 1 - 2 eMails mit Fotos als Anhängen verschicken und empfangen, 1 - 2 eMails mit kleineren Word-Dateien verschicken oder empfangen, SMS / MMS verschicken über freie Gateways, Status von Servern überprüfen, verschiedene Arten von kleineren Downloads (Java-Programme, Klingeltöne, Logos, kleine Videos (wie beim o2-Adventskalender von vorletztem Jahr)
[*] Verbindungszeiten von mehreren Minuten und große Datenmengen (HSCSD am günstigsten)
Hier ist es möglich, ab etwa 10 Cent Datenmengen von mehreren 100 KB abzurufen oder zu versenden. Bei idealer Auslastung lassen sich so 60 % Kosten im Vergleich zu GPRS sparen (außerhalb der GPRS-Inklusivpakete sogar noch mehr)
Beispielanwendungen:
große Mengen eMails herunterladen oder versenden, eMails mit großen Anhängen (z.B. Fotos in hoher Auflösung) herunterladen und versenden, www-Surfen mit eingeschalteten Bildern, Videokonferenzen, Videostreaming, Internetradio, große www-Downloads (Software, Flash-Animationen, MP3-Dateien), Filesharing-Software (Kazaa & Co)
HSCSD ist auch dann interessant, wenn die Bandbreite jederzeit komplett zur Verfügung stehen soll, da (sofern genügend Kanäle frei sind, die Kanäle für Sprachtelefonie haben höhere Priorität als HSCSD) die gesamte Bandbreite für einen Nutzer reserviert ist. Mir fällt allerdings kein konkretes Anwendungsbeispiel dafür ein.
Ein weiteres Szenario sind Anwendungen, die kurze Latenzzeiten (Ping) vorraussetzen. Hier sind wohl vorallem Echtzeit-Onlinespiele zu nennen. Diese übertragen allerdings nicht unbedingt so viele Daten, dass GPRS wegen des hohen Traffics zu teuer wäre (je nach Spiel). Allerdings sind die Pingzeiten bei GPRS im Bereich von 500 - 1000 ms einfach zu langsam. HSCSD ist also nicht unbedingt günstiger, aber auf jeden Fall die bessere Wahl dafür.
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Original geschrieben von Abi99
Bist Du da sicher? Arcor Call-by-Call 240 Minuten < 200 Cent.
Das stimmt, allerdings würde er bei Fremden dann einen Internetprovider haben, der trotz Nutzung von fremden Anschluss aus auf seine Rechnung abrechnet, was i.d.R. mit höheren Minutenpreisen gestraft wird. Bei seiner Freundin wäre das Problem allerdings natürlich auch anders zu lösen (auf Vertrauensbasis) 
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Original geschrieben von Abi99
Nicht wirklich. Wenn man V.110 bzw. V.120 rein geht, dann ist das relativ schnell. Solange ist man meist noch gar nicht drin und zahlt auch kaum was. Die PPP Einwahl ist alles. Bei weitem keine fünf Cent - höstens ein Cent.
Meiner Erfahrung nach dauert es etwa 12 Sekunden, bis eine V.110-Verbindung aufgebaut ist - je 6 Sekunden kosten 1 Cent, das sind dann 2 Cent. Also nicht 5 Cent.
Ich habe allerdings noch eingerechnet die Zeit, die beispielsweise das Mailprogramm und der Mailserver für den Login benötigen, die ja bei HSCSD - obwohl kaum Daten fließen - mit dem vollen Preis bezahlt werden muss.
Allerdings waren alles Erfahrungswerte - ich habe bis jetzt noch keine HSCSD-Verbindung gehabt, die sich wirklich gegenüber GPRS gerechnet hätte. Woran das liegt, kann ich auch nicht so genau sagen.
Hier noch eine weitere (allerdings halt individuelle) Erfahrung von mir:
Vielleicht erinnern sich noch einige hier an asp Media.
Von dieser Firma gab es damals einen Tarif, mit dem man über eine 0800-Nummer auch vom Handy aus für 2 Cent pro Minute ins Internet kam - das habe ich mit der Xtra-Card und 9600 Bps genutzt (also CSD).
Weil ich das Gefühl hatte, fast nicht mehr auf die Kosten achten zu müssen, habe ich ausgiebig eMail und WWW-Surfen (am Pocket PC) darüber genutzt.
Als das Ende dieses Tarifs gekommen war, hatte ich auf der Rechnung ungefär 50 min à 2 Cent stehen, ich musste also 1 EUR zahlen.
Auf der Rechnung war damals auch der verursachte Traffic aufgeführt - es waren ca. 800 KB. Damals hat mich das noch nicht interessiert, aber wenn ich heute sehe, dass ich für diese 800 KB nur noch 80 Cent bezahlen muss, würde das bedeuten:
beim selben Surfverhalten wie damals würde mich das wilde "Surfen" über GPRS rechnerisch ca. 1,6 Cent pro Minute kosten.
-> das Surfen damals über CSD zum Spottpreis war teurer als über GPRS heute
Nun kostet HSCSD 6 mal so viel Geld, kann aber nicht 6 mal so viel Daten übertragen wie damals.
-> auch heute ist HSCSD teurer als GPRS
Und noch etwas interessantes sieht man da:
[*] bei GPRS hat jeder (mich eingeschlossen) bei jedem Klick einen Gebührenzähler im Kopf, und man überlegt gut, ob man es wirklich nutzen will - einfach weil es den Ruf hat, sehr teuer zu sein.
[*] bei dem damaligen asp-Media-Angebot hatte jeder das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben, und man nutze es ausgiebig und ohne sich viele Gedanken zu machen.
Der psychologische Faktor ist nicht zu unterschätzen. Leider haben die Netzbetreiber dies dennoch getan, und seitdem hat GPRS den Ruf, teuer zu sein.
Selbes Phänomen:
WLAN
Vergleich:
[*] 1 Stunde über WLAN, hohe Geschwindigkeit aber begrenzt auf ein sehr kleines Gebiet, Konfiguration jedesmal anders, Abrechnung umständlich über Vouchers oder verschiedene Anbieter, Abrechnung meist im 60 min-Takt (!)
ca. 7,95 EUR
[*] 1 Stunde über HSCSD, normale Geschwindigkeit, in fast ganz Deutschland unabhängig vom Standort auch im Auto, Zug, etc. verfügbar, Konfiguration überall gleich, Abrechnung komfortabel über Telefonrechnung, Abrechnung sekundengenau (!)
6 EUR
Außer der Geschwindigkeit hat WLAN absolut keinen Vorteil gegenüber dem Mobilfunknetz. Trotzdem gibt es eine regelrechte WLAN-Religion, deren Anhänger bei jeder Nachricht über UMTS in den entsprechenden Leserforen der großen Online-Magazine von der Erlösung durch bundesweiten WLAN-Auferstehung kündigen und auf die abzockerischen Mobilfunktarife schimpfen.
Bei genauerer Betrachtung tun sie das völlig zu unrecht.
Führt Vodafone im UMTS-Netz 10-min-Taktung ein, sind alle erbost - und zwar zurecht, wie ich finde. Dass bei WLAN aber fast ausschließlich sechsmal längere Takte gelten, ist fast schon normal.
Gruß Sebastian