Das System hätte auch Vorteile. Damit wären die hohen IC-Gebühren und somit letzten Endes auch teure Fremdnetzkosten / All-Net-Flats für über 50 EUR im Monat eine Sache der Vergangenheit.
Festnetz zu Mobilfunk teurer als Mobilfunk zu Festnetz? Nicht mit diesem System.
Wer eine Flat hat, hat eine Flat, und zahlt für keinen Anruf was. Zwei Leute mit Flat können sich also immer gegenseitig kostenlos anrufen, auch wenn sie in verschiedenen Netzen sind, oder einer der Teilnehmer im Festnetz, oder, oder, oder.
Zudem ist es dann für die Kosten nicht mehr wichtig, wer wen angerufen hat - ist ja auch irgendwie logischer. Prepaidkunde telefoniert mit Flatnutzer - das kostet dann in beiden Richtungen gleich viel.
Natürlich macht man damit heute übliche Sparkonstruktionen zunichte, wie eine Base-Flat, die dann immer in einer Richtung mit 100 verschiedenen simyo-Karten kostenlos telefoniert, oder ein Flatratenutzer, der von allen nur angeklingelt wird und dann zurückruft.
Es macht aber umgekehrt auch Hilfskonstruktionen überflüssig wie Homezone-Nummern, Callbackkonstruktionen für Festnetznummern auf dem Handy, und so weiter.
Man könnte natürlich befürchten, dass es dadurch unattraktiver wird, angerufen zu werden. Der Anrufer müsste ein schlechtes Gewissen haben, weil er dem Angerufenen Kosten verursacht.
Viele Leute würden vielleicht nicht mehr ans Handy gehen, wenn sie nicht wissen, wer sie anruft oder ob eine erwünschte Verbindung zustande kommt. Aber andererseits bauen Leute ja auch abgehende kostenpflichtige Verbindungen auf, ohne dass sie wissen, ob vielleicht nur eine Mailbox drangeht oder der Angerufene nicht direkt wieder auflegt.
Der Gedanke, der dem "Calling Party Pays"-System zugrunde liegt, ist ja, dass jemand der anruft auch der ist, der "etwas vom Angerufenen will" und der Angerufene sozusagen der Dienstleister ist. Deshalb sollte natürlich der Anrufer das Gespräch, die Dienstleistung bezahlen . Das ist aber in der Realität nicht immer gegeben. Letzten Endes kommt es ja auch vor, dass beide etwas abklären möchten (beide haben ein Interesse am Gespräch) oder man sogar jemanden zurückruft, der einen erreichen wollte (dann ist der Angerufene der Empfänger der Dienstleistung, obwohl der Anrufer zahlt).
Ganz praktisch würde ich erwarten, dass durch ein solches Gebührenmodell die Verbreitung von günstigen Flatrates gefördert, die Ablösung des Festnetzes durch den Mobilfunk beschleunigt und die Kosten für die Kunden sinken würden.