Die Leute wollen vor allem eine vernünftige Erklärung und nicht abgezockt werden. Aber beides bekommen sie nicht. Es mag ja sein dass Preise durch Marktentwicklungen und Inflation steigen, aber dann fließt das kontinuierlich ein. Jetzt allerdings gab es eine groß angekündigte Preiserhöhung, und es bezieht sich nicht nur auf Milchprodukte, sondern Lebensmittel generell. Da fragt sich der Verbraucher schon - und auch zu Recht - wie das zustande kommt und wer das zusätzlich eingenommene Geld eigentlich bekommt, denn die Bauern sehen davon nichts. Irgendwo muß es aber ja bleiben...
Ansonsten finde ich nicht dass Lebensmittel hier zu billig waren. Diese Rechnungen, welchen Anteil die Lebensmittelkosten am Gesamteinkommen haben sind doch völliger Nonsens, denn 1950 hatten die Leute ganz andere Lebensumstände und eine ganz andere Umwelt. Was sollen also immer diese unsinnigen Vergleiche mit früheren Verhältnissen?
Und es braucht auch keine oberlehrerhafte Regulierung der Menschen. Ob man sein tägliches Brot zu schätzen weiß ist eine Sache der inneren Einstellung und vielleicht auch der Erziehung, aber nicht des Preises.
Ich glaube dass sich an der Lebensmittelpreis-Diskussion letztlich ein Grundmuster wiederfindet, dem sich Deutschland generell stellen muß: welchen Wert haben Dinge und wie ist das Verhältnis von arm zu reich, wie will unsere Gesellschaft faire und bezahlbare Lebensbedingungen für alle Menschen schaffen?
Die Leute erleben dass der vielbeschworene Aufschwung in ihren Brieftaschen nicht ankommt, kaum jemand verdient mehr, die Preise steigen aber trotzdem.
Viele der geschaffenen Arbeitsplätze (weil das Argument wird ja jetzt kommen...) sind Minijobs oder Zeitarbeitsverhältnisse. Der Wert der Arbeit ist nicht mehr gegeben und die Lebensmittel sind industriell gefertigter Kram von steriler, aber oft schlechter Qualität.