Zitat
Original geschrieben von NoTeen
Würden die Medien bei jeder Preiserhöhung so einen Wind machen, die ich die letzten 12 Monate erlebt habe, dann wären die Zeitungen jeden Tag 200 Seiten dick und voll mit Preiserhöhungsnachrichten.
Und genau damit triffst du den Nagel auf den Kopf, nämlich als Erklärung warum die Leute sauer sind.
Die Leute merken einfach dass einerseits die Waren immer teurer werden, auf der anderen Seite aber die Reallöhne kleiner werden und dazu immer mehr Druck auf dem Arbeitsmarkt ausgeübt wird. Viele empfinden ihren Arbeitsplatz nicht als sicher, es soll länger für gleiches oder gar weniger Geld gearbeitet werden, ordentlich bezahlte festangestellte Kräfte werden ausgetauscht gegen moderne Sklaven, die heute Leiharbeiter heissen.
Nach wie vor habe ich keine kurze, knappe, nachvollziehbare Begründung gehört warum jetzt Preise für Milchprodukte anziehen. Ich höre nur unsinniges Geschwafel über China, als ob die Chinesen auf einmal beschlossen hätten dass sie alle Milch- anstatt Yasmin-Tee-Trinker werden wollen... :mad:
Ich bin guter Kunde in den Bäckereien meiner Stadt und auch da haben die Preise längst angezogen - mit einer Ausnahme. Da kosten die Brötchen exakt dasselbe wie bisher auch, und da muß ich dann wohl annehmen dass die anderen eben doch die Gunst der Stunde genutzt haben um seit 2, 3 Wochen die Preise zu erhöhen. Oder ist Bäcker Becker als einziger so blöd und hat nicht gemerkt dass seine Unkosten "plötzlich" gestiegen sind? Wohl kaum...
Es geht mir auch weniger darum dass in regelmäßigen Abständen Preise angepaßt werden und manche Waren dadurch teurer werden. Es sind auch nicht die paar Cent im Einzelfall - sondern die generelle Verarschung, die mit den Verbrauchern getrieben wird.
Ich bin nach wie vor überzeugt dass dahinter Preisabsprachen oder Schachzüge stecken, die nicht der kleine Händler im Dorf, die NoTeens der Welt, durchführen, aber die großen Strippenzieher im Hintergrund, also Erzeugerverbände oder die Großen einer jeweiligen Branche.
Ein Wort noch zu Albrecht Discount. Ich habe mal ein sehr interessantes Buch eines Ex-Aldi-Managers gelesen. Man irrt sich wenn man glaubt dass Albrecht die Produzenten gegeneinander ausspielt oder bis an die preisliche Schmerzgrenze drückt.
Aldi möchte in erster Linie kontinuierliche Qualität - und das in Verbindung mit dem bestmöglichen Preis. D. h. der Preis ist schon wichtig, aber noch wichtiger ist ein gutes Produkt und langfristige Verfügbarkeit zu sichern. Die Kunden sollen immer das Gefühl haben bei Aldi bedenkenlos das bekannte Sortiment kaufen zu können.
Also eben nicht andauernd neue Produkte weil wieder ein Produzent so gedeckelt wurde dass er pleite ging... Im Zweifel darf es 1, 2 Cent mehr kosten wenn dafür eine gleichbleibende Qualität sichergestellt wird und eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Lieferanten gesichert werden kann. Man täuscht sich hier schnell weil Aldi das Image hat "Hauptsache billig".
Und ein weiteres: Aldi spart sympathischerweise an Unternehmensberatern, Wichtigtuern und Laberern. Die probieren einfach aus! Wenn ein neues Produkt - neben dem Kernsortiment - auftaucht wird das in ein paar Filialen (gemäß der inneren Organisationsstruktur des Unternehmens) angeboten und die Resonanz der Kunden abgewartet. Läuft das Produkt bleibt es im Portfolio, läuft es nicht fliegt's wieder raus.
Dabei gibt es regionale Unterschiede, was auch Sinn macht - Weißwürste gehen rund um München natürlich besser als in Nürnberg - da liegen dafür Rostbratwürste im Regal. Deswegen haben die regionalen Marktverbünde einen gewissen Spielraum und nicht jeder Aldi hat exakt dasselbe Angebot. Das Kernsortiment ist überall vertreten, der Rest kann je nach Region verschieden sein.