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Original geschrieben von BigBlue007
Ich weiß nicht... Ich denke, in manchen Fällen - und gerade mit Blick aufs dritte Reich - reicht eine rein juristische Beurteilung der Protagonisten eigentlich völlig aus.
Das denke ich aber ganz und gar nicht. Im Gegenteil sogar! Juristisch sind die Ungeheuerlichkeiten der Nazidiktatur gar nicht zu erfassen und die langfristig spannende Frage ist auch keineswegs wer da wann gemäß irgendwelcher Gesetze gehandelt hat.
Wirklich bedeutsam und von langfristigem Interesse ist doch der Gedanke wie es möglich war dass so ein Wahnsinn geschehen konnte und welche Abläufe dafür nötig waren.
Juristen können nachher zwar irgendwelche Urteile fällen, das wird aber doch der moralischen Bedeutung letztlich nicht gerecht und reicht auch bei Weitem nicht aus um Lehren aus einem Geschehen zu ziehen.
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Original geschrieben von BigBlue007
Wenn man Hitler lange genug menschlich analysiert, kommt man möglicherweise irgendwann darauf, dass der Mann eigentlich ein Spitzentyp war und sich nur hier und da ein wenig im Ton und den Methoden vergriffen hat.
Wobei Hitler ja nur ein Individuum war, der grundsätzlich nicht mehr Möglichkeiten hatte als sie auch jedem anderen Menschen zur Verfügung stehen.
Die spannende Frage ist: wie konnte es passieren dass tausende sich einer Idee anschliessen, die in den Untergang führt und dass man es nicht schaffte einen ins Rollen geratenen Zug, von dem aber irgendwann klar war wie zerstörerisch er ist, zu stoppen...
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Original geschrieben von BigBlue007
Wer in Nazideutschland das System an einer wie auch immer herausgehobenen Position vertreten hat, gehörte zu den Tätern.
Aber was ist eine "herausgehobene Position"? Sicher, auf die Oberen in der Partei und im Staat trifft das unstrittig zu. Aber was ist mit dem "ganz normalen Fußvolk"? Nehmen wir einen Jugendtrainer, der in Kleinkleckersdorf die Fußballmannschaft leitet und dort irgendwelche Ideale vertritt - in Nazi-Diktion der Blockwart von der HJ-Abteilung zur Leibesertüchtigung, oder wie auch immer es dann hieß - ist das jemand, der das System vertreten hat? Der Hausmeister, der im Gestapo-Gefängnis den Betrieb der Anlage sichert - hat der das System unterstützt? Wo ziehst Du da die Grenzen?
Ich glaube dass deine Aussage "schlaues Gerede" ist, das man immer leicht vertreten kann wenn man selber nicht in der jeweiligen Situation (über)leben mußte. Wenn Du damals gelebt hast warst Du froh wenn Du, sofern das überhaupt möglich war, überhaupt irgendwie durchgekommen bist und bei Millionen von Toten - auch deutschen Toten - überhaupt sagen konntest dass deine engste Familie überlebt.
Natürlich kann man immer schlau reden, aber ich behaupte mal dass wir alle genauso den Kopf eingezogen hätten wie die Menschen damals das auch gemacht haben. Es gab ein Paar Mutige, wie es sie auch heute gibt, es gab fanatische Emporkömmlinge, wie es sie auch heute gibt, aber die Masse hat die Klappe gehalten und hat versucht nicht aufzufallen - und das würden wir fast alle genauso machen.
Wenn Du Pech hattest hast Du einen Beruf gehabt, der den Nazis nützlich war und zack, warst Du drin im System und standest, ob Du willst oder nicht, im Stützsystem des Apparates...
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Original geschrieben von BigBlue007
Dass solche Leute dann nach 45 wieder in führende Positionen aufgestiegen sind, ist für mich absolut untragbar.
Wendehälse gab es damals und gibt es immer. Und sicher, da sind auch Leute durchgeschlüpft, denen man eher gewünscht hätte dass ihre Rübe abgeschlagen wird anstatt dass sie sogar noch in eine neue Führungsposition gebracht werden.
Nur rein praktisch betrachtet - die ganze Struktur des Landes war nun mal von Nazis geführt, man kann realistisch nicht eine Führungsstruktur komplett verändern, von heute auf morgen. Woher soll das Schattenkabinett kommen, mit dem man bis hin zum kleinsten Funktionsträger radikal ALLE Positionen neu besetzt? Das geht nicht.
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Original geschrieben von BigBlue007
Dass sich Oettinger hinstellt und Filbinger als NaziGEGNER bezeichnet, DAS ist ja der eigentliche Skandal. Ich hätte es mir ja noch gefallen lassen, er hätte ihn als Mitläufer oder so tituliert.
Da gebe ich dir Recht. Wobei er schlichtweg einen Bogen um die umstrittenen Stationen des Lebens von Filbinger hätte machen sollen. Man muß schon ganz schön blöd - oder frech - sein wenn man sich zu einem Themenkomplex äußert, der extrem umstritten ist und noch dazu wo es um die Nazi-Vergangenheit geht. Dass damit hierzulande nicht neutral umgegangen wird sondern immer noch die völlige Paranoia herrscht - zumindest in der politischen Öffentlichkeit - das weiß man einfach.
Es wäre ja ein Leichtes gewesen nur neutral die "die schwierigen Zeiten" zu streifen und ansonsten gar nichts weiter dazu zu sagen, ansonsten mehr über die verdienste für BaWü zu reden, also Themen, die unumstritten gewesen wären.